Ute Mahler-Leddin

Musik für die Menschenwürde

Zwischen spirituellem Jazz auf und klaren politischen Worten wurde die St. Bartholomäus Kirche zum Resonanzraum für eine Frage, die weit über den Abend hinausweist: Wie wehrhaft ist der Zusammenhalt einer Gemeinde, wenn Demokratie plötzlich nicht mehr selbstverständlich scheint?
Ein stimmungsvolles Konzert begeisterte die etwa 200 Zuhörer in der Bartholomäus-Kirche in Lamstedt.

Ein stimmungsvolles Konzert begeisterte die etwa 200 Zuhörer in der Bartholomäus-Kirche in Lamstedt.

Bild: Uml

Lamstedt. Die St. Bartholomäus Kirche in Lamstedt war nahezu bis auf den letzten Platz besetzt, als die „Initiative Demokratie“ für den Leitgedanken „Menschenwürde – Nächstenliebe – Zusammenhalt“ zu einem besonderen Abend eingeladen hat.

Musik ist die Sprache, die jeder versteht und die im Zweifel ohne Worte auskommt – Musik war die Grundlage des Abends, bei dem mit dem „Listening Quintett“ quasi auf „Bundesliga-Niveau“ nicht nur die Herzen, sondern auch die Gefühle aller Zuhörer erreicht wurden.

Pastor Peter Seydell begrüßte nicht nur die hochkarätigen Musiker, sondern auch die Mitwirkenden der „Initiative Demokratie“, die Helfer:innen im Hintergrund, die für ein umfangreiches Fingerfood-Buffet gesorgt haben, Samtgemeindebürgermeister Frank Springer und den 1. Kreisrat Friedhelm Ottens.

Springer machte deutlich, dass eine Gemeinschaft mit klaren Werten und Respekt vor- und untereinander das Fundament eines friedvollen Zusammenlebens ist. „Unsere Demokratie muss hier in der Samtgemeinde Börde Lamstedt lebendig bleiben“, sagte der Lamstedter.

Auch Ottens fand klare Worte und zeigte seine Angst vor dem Ausgang der nächsten Wahl: „Bis jetzt war Lamstedt immer eine Gemeinschaft zum Vorzeigen, eine stabile Größe in der Unterstützung und oft als Ausgangspunkt für eine neue Heimat für Geflüchtete – aber was passiert nach der nächsten Wahl?“ fragt sich der Kreisrat.

In den Leitsätzen der „Initiative Demokratie“ steht, dass die Werte des Grundgesetzes und damit des christlichen Glaubens, die Werte der Demokratie und die aktive Ausübung des Wahlrechts im Vordergrund stehen würden und das ausdrücklich keine Werbung für einzelne Parteien gemacht werden würden – umso irritierender war, dass eine Partei namentlich als „Bedrohung“ der Demokratie und des Miteinanders genannt wurde.

Der Abend in der Kirche sollte ein Abend des Austausches sein. „Die Musik wird heute im Mittelpunkt stehen“, sagte Pastor Seydell in der Begrüßung und bat auch darum, in der Pause und nach dem Konzert den Kontakt miteinander zu suchen – das „Aufeinanderhören“ sei ebenfalls eine der Säulen des Abends.

Mit spirituellem Jazz auf höchstem Niveau präsentierte der international ausgezeichnete Saxophonist, Komponist und Kirchenmusiker Uwe Steinmetz gemeinsam mit seinem „Listening Quintett“ ein mitreißendes, emotionales und doch zum Nachdenken anregendes Konzert, das mit viel Beifall seitens des Publikums belohnt wurde.

Im Mittelpunkt steht das Zuhören – als musikalische Praxis und als menschliche Grundhaltung. „Zuhören – Hinhören – Erhören“: In einer Zeit, in der oft das eigene Recht-Haben lauter ist als das Verstehen-Wollen, setzt dieses Konzert ein bewusstes Zeichen. Musik entsteht hier aus dem gemeinsamen Lauschen mit Ohren und Seele, aus Offenheit füreinander und für das Unbekannte. Genau darin liegt ihre verbindende Kraft.

 

Persönliche Erlebnisse hören

Uwe Steinmetz brachte mit seinem „Listening Quintett“ aktuelle Kirchenmusik und Jazz aus allen sieben Kontinenten nach Lamstedt. Neben der Musik teilten die fünf Musiker:innen kurze persönliche Erlebnisse, die zeigten, wie das bewusste Hören ihren Alltag prägt – und ihr Bild von einem friedlichen, gerechten Zusammenleben formt.

Zum Quintett gehören: Uwe Steinmetz (Saxophon), Lauren Steinmetz (Cello), Daniel Stickan (Klavier), Marcel Krömker (Kontrabass) und Boris Bell (Schlagzeug. Ergänzt wurde der Abend mit den Stimmen der beiden Kinder von Lauren und Uwe Steinmetz, dem neunjährigen Leo und der elfjährigen Elisabeth, die jeweils bei einem der Lieder als Solisten auftraten.

Die „Initiative Demokratie“ freute sich über den gelungenen Abend, denn das Ziel „Miteinander ins Gespräch“ kommen, wurde eindeutig erreicht. Der Abend finanzierte sich aus einer großzügigen Unterstützung des Weser-Elbe-Sparkasse Kulturfonds und den Spenden für die Getränke und Snacks. Es sind weitere Aktivitäten geplant, die die Werte des Grundgesetzes, die Werte der Demokratie und die christlichen Grundwerte auch in Zukunft zeigen. Es wird sich deutlich von jeglicher parteilichen Werbung distanziert.

Wer sich bei der „Initiative Demokratie“ einbringen möchte, darf sich bei Pastor Seydell unter Peter.seydell@evlka.de melden.


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