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Mareike Kerouche

Menschenleid als Comic  - Jens Genehr präsentierte Graphic Novel „Valentin“ in Sandbostel

Geschichte als Comic: Jens Genehr präsentierte in der Gedenkstätte Lager Sandbostel seine Graphic Novel „Valentin“, die er im Rahmen seiner Diplomarbeit verfasst.  Foto: ue

Geschichte als Comic: Jens Genehr präsentierte in der Gedenkstätte Lager Sandbostel seine Graphic Novel „Valentin“, die er im Rahmen seiner Diplomarbeit verfasst. Foto: ue

Sandbostel. Ein Comic über die grauenerregenden Geschehnisse rund um den U-Bootbunker Valentin in Farge und das Kriegsgefangenenlager Sandbostel - kann das funktionieren? Davon konnten sich in der Gedenkstätte Lager Sandbostel interessierte Bürgerinnen und Bürger ein Bild machen. Jens Genehr, der Schöpfer des Comics „Valentin“, gewährte im Rahmen einer Lesung einen Einblick in seine Arbeit.
Eine überschaubare Anzahl an Zuhörern war in die Gedenkstätte gekommen, um die Umsetzung der schrecklichen Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieges in eine sogenannte Graphic Novel oder eben auch in einem Comic auf sich wirken zu lassen.
In seiner Einleitung wies Jens Genehr darauf hin, dass das Werk, das im Rahmen seiner Diplomarbeit entsteht, auf zwei Biografien fußt. Da ist zum einen das schriftlich erhaltene Tagebuch des damaligen französischen Kriegsgefangenen Raymond Portefaix, der im Zuge einer Vergeltungsmaßnahme von deutschen Soldaten festgenommen und nach Deutschland deportiert wird. Hier muss er in Farge an dem U-Bootbunker Valentin mitarbeiten. Später, als die Arbeiten nach einem Luftangriff der Alliierten eingestellt werden, kommt er ins Stalag XB nach Sandbostel.
„Die Frage, ob das Thema Nationalsozialismus in einen Comic passt, stellte sich mir nicht“, so Jens Genehr einleitend. Wohl aber bereitete ihn die Wahl der Erzählform anfangs Probleme. Zuerst wollte er nur Portefaixs Geschichte erzählen. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nicht funktioniert aufgrund seiner eingeschränkten Sichtweisen“, erklärte Genehr.
Er wollte die Geschichte erzählen, die auch die Täter mit einschließt und damit verhindern, dass die Täter zur reinen Karikatur verkommen. So wählte Jens Genehr die Figur des Johann Seubert, der damals als Fotograf in Bremen-Blumenthal für die Nationalsozialisten den Bau des U-Bootbunkers fotografisch dokumentieren sollte. „Seubert war für mich eine Projektionsfläche. Ich konnte dort mehr meiner eigenen Vorstellungen einbringen, als bei Raymond Portefaix.“
Jens Genehr zeigte zu Beginn mehrere Originalfotos, die von Johann Seubert gemacht wurden und die sich später in der Comichandlung wiederfinden. Im Anschluss las er Passagen des Comics vor, die simultan per Beamer auf einer Leinwand gezeigt wurden. Das Lautmalerische des Comics versuchte Jens Genehr, durch spontan abgespielte Geräusche zu verdeutlichen.
Die abschließende Frage, ob das Elend der Leidenden auf der Großbaustelle Valentin in Farge und im Lager Sandbostel wirklich Stoff sind, die in einem Comic verarbeitet werden sollten, muss wohl jeder für sich selbst beantworten. Auch ob die gewählte Art der Lesungspräsentation passend war, kann im Nachgang kontrovers diskutiert werden.
„Der Comic hat nicht den Anspruch zu zeigen, wie es wahr“, räumte Jens Genehr abschließend ein und betonte, dass die von ihm gezeichnete Geschichte sich im Rahmen der Wahrheit seiner gewählten Quellen bewege, dennoch aber Fiktion sei.
Die Arbeiten an dem Comic „Valentin“ sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Dann soll die Graphic Novel im Golden Press Verlag erscheinen.


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