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Mehr Respekt für Jugendliche

Nach den Europawahlen am vergangenen Sonntag äußert sich der Kreisschülerrat Rotenburg zu den Wahlergebnissen.

Besonders Social-Media-Apps wie TikTok haben einen großen Einfluss auf Jugendliche.

Besonders Social-Media-Apps wie TikTok haben einen großen Einfluss auf Jugendliche.

Bild: Adobe Stock

Landkreis Rotenburg. Am vergangenen Sonntag haben überdurchschnittlich viele 16- bis 24-Jährige ihre Stimme der AfD gegeben. Insgesamt kommen die AfD und Kleinstparteien wie Volt und das BSW auf 54 % der Stimmen bei jungen Wähler:innen. Über die Hälfte der jungen Menschen in diesem Land hat damit gegen die bisher gefestigten Parteien gestimmt. Etablierte Parteien wie Bündnis90/Die Grünen haben tiefe Verluste eingefahren. Insgesamt sei das eine Entwicklung, die schockiert - auch den Kreisschülerrat (KSR).

Mit dem Schock und der Frage nach dem Warum werden die Stimmen nach einer Aufhebung des Wahlrechts ab 16 Jahren lauter, und damit laut KSR zum Teil des Problems. „Denn wer die jungen Menschen nicht erreicht, lässt sie anfälliger werden für die Mobilisierungsstrategie der AfD“, teilen die Mitglieder des KSR mit. Gut erkennbar sei dies am Beispiel „TikTok“. Die App gehöre aktuell zu den attraktivsten Social-Media-Apps unter Jugendlichen, in der die AfD-Fraktion im Bundestag knapp 435 Tausend Follower habe. Zwar seien nun auch demokratische Parteien und der Bundeskanzler selbst auf TikTok unterwegs, doch der KSR hat eine klare Meinung dazu: „Es wirkt nicht!“

Die demokratischen Parteien würden noch immer dort zu wenig Präsenz zeigen, wo junge Menschen und die AfD sind. Sie können den Inhalten und dem einfachen Sprachgebrauch der AfD noch immer zu wenig entgegensetzen. Zumindest nicht genug, damit junge Menschen sich ihre Beiträge auch anschauen und nicht einfach weiterscrollen.

Aber es gibt noch ein weiteres Problem, nämlich dass Jugendliche nicht ernst genug genommen werden. „Wir fragen uns: Wie sollen junge Menschen Demokratie erleben und erlernen, wenn sie in einem Schulsystem aufwachsen, in dem viel zu oft von oben herab Entscheidungen getroffen und Schülervertretungen an vielen Schulen noch immer zu wenig einbezogen werden?“ Ein Beispiel sei der Kreisschülerrat selbst. „Bis in die letzten Wochen hatten wir keine verlässlichen Ansprechpartner im Landkreis“, erklärt der KSR. Das Problem weite sich aber auch auf die einzelnen Schulen aus Dort würden Initiativen von Schüler:innen oft direkt abgetan und junge Menschen bekämen nicht die Anerkennung für ihre Ideen, die sie eigentlich verdienten.

„Wir fragen uns außerdem: Wie sollen Schüler:innen Medienkompetenz erlernen, wenn die Unterrichtszeit gerade so für das Erstellen einer Excel-Tabelle und das Thema ‚Fake News‘, aber nicht für Algorithmen und den richtigen Umgang mit TikTok reicht?“

Wenn junge Menschen von der Demokratie überzeugt werden sollen, müsse mit der Zeit gegangen werden. Gerade in Zeiten multipler Krisen müssten die Anliegen und Zukunftsängste der Jugendlichen viel mehr berücksichtigt werden. „Wir müssen ihnen das bedingungslose Gefühl geben, mitbestimmen zu dürfen, und die Politik muss besser darin werden, zu kommunizieren. Denn Extremismus bekämpft man mit Demokratie. Das müssen wir auch im Umgang mit Jugendlichen verstehen,“ sagt der Vorstand des KSR.


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