Lena Stehr

Lieber anfassen statt anklicken

Landkreis. Besonders während des Corona-Lockdowns boomt der vermeintlich bequeme und umkomplizierte Online-Handel. Doch wer die Weihnachtsgeschenke jetzt in den Geschäften vor Ort kauft, tut damit nicht nur etwas Gutes für die Region.

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Mit Tüten in der Hand macht der Einkauf viel mehr Spaß als mit Artikeln im virtuellen Warenkorb, die am Ende womöglich gar nicht halten, was sie versprechen.Foto: Adobe Stock /drubig-photo

Mit Tüten in der Hand macht der Einkauf viel mehr Spaß als mit Artikeln im virtuellen Warenkorb, die am Ende womöglich gar nicht halten, was sie versprechen.Foto: Adobe Stock /drubig-photo

Foto: Diana_Drubig

Eine recht düstere Prognose zog Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, am vergangenen Wochenende angesichts des Weihnachtsgeschäfts. Obwohl der HDE für November und Dezember im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 104 Milliarden Euro erwarte, blickten insbesondere in den Innenstädten viele Händler sorgenvoll in die Zukunft.
 
Veröden die Innenstädte?
 
Aufgrund der Corona-Krise könnten am Ende womöglich sogar ganze Stadtzentren veröden, während die Umsätze beim Online-Handel um rund ein Drittel gesteigert werden konnten.
Dabei hat der lokale Einkauf im Fachgeschäft viele Vorteile, sagt Imke Fleischer, Geschäftsführerin des gleichnamigen Kaufhauses in Osterholz-Scharmbeck, und spricht damit auch stellvertretende für viele andere Geschäftsinhaber*innen in der Region.
 
Qualifizierte Beratung statt virtuellem Blindflug
 
So gehören zum Beispiel zu ihrer Auswahl an Spielwaren auf zwei Etagen durchaus auch Artikel, die online nicht zu finden seien. „Viele Menschen meinen, dass sie online schneller oder besser das Passende finden“, sagt Imke Fleischer. Doch das sei ein Trugschluss. So stelle sich immer wieder heraus, dass die Kund*innen nach einer qualifizierten Beratung merken, dass sie gar nicht nach dem „richtigen“ Geschenk gesucht hatten.
Bei der Vielzahl von Möglichkeiten sei es doch viel bequemer, sich freundlich und kompetent im Fachgeschäft über die neuesten Spiele, Puzzle, Spielzeuge, Bücher oder Trends zu informieren als über gefühlt unendlich viele Internetseiten zu surfen, um am Ende immer noch unsicher zu sein, was man verschenken soll oder was einem Selbst am besten gefalle.
 
Geschenke gleich verpackt mitnehmen
 
Und auch wer schon ganz genau wisse, was er wolle, sollte sich ruhig zuerst ans Fachgeschäft vor Ort wenden. „Wir versuchen immer auf alle Wünsche einzugehen und fehlende Artikel zu bestellen“, sagt Imke Fleischer.
Im Gegensatz zum Online-Handel, der auf die derzeit stark überlasteten Auslieferdienste angewiesen sei, könne man beim lokalen Einkauf sein Geschenk zudem gleich mitnehmen - und bekomme es auf Wunsch sogar direkt hübsch verpackt.
 
Einkauf mit allen Sinnen
 
Ein weiterer Vorteil sei der „Einkauf mit allen Sinnen“, sagt Petra Wundram, Inhaberin des Deko- und Geschenkartikelgeschäfts Inspiration in Bremervörde. Im Internet könne man eben nichts anfassen oder genau anschauen. „Hier sieht man ganz genau, wie ein Dekostern oder eine Lichterkette leuchtet oder welche Farbe eine Christbaumkugel hat“, sagt die Dekoexpertin.
 
Durch liebevoll dekorierte Geschäfte bummeln
 
Abgesehen davon könne man im Fachhandel auch alles problemlos wieder umtauschen, ohne Pakete packen zu müssen und auch nach dem Kauf mit den Verkäufer*innen sprechen, wenn man Fragen habe. Und die einmalige Atmosphäre eines Weihnachtsgeschenkebummels durch liebevoll dekorierte Geschäfte sei durch kein virtuelles Warenkorb-Shopping zu ersetzen.
 
Auch lokal geht online was
 
Wer übrigens glaubt, dass in den lokalen Fachgeschäften online gar nichts geht, liegt falsch. Die meisten nutzen inzwischen soziale Medien wie Facebook oder Instagram, um mit ihren Kund*innen Kontakt zu halten oder haben sogar schon einen eigenen Online-Shop eingerichtet. Viele liefern Artikel nach Hause, beraten auch am Telefon oder per Whatsapp und schaffen es so immer wieder, individuell auf jeden Wunsch einzugehen.
Und damit das so bleiben kann, gibt es nur eine Option: runter vom Sofa und rein in die Innenstadt. Viel Spaß beim Shoppen wünscht Ihr ANZEIGER-Verlag.


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