Ralf G. Poppe

Leben und Tod

Nach seiner erfolgreichen Lesung im März 2025 besucht Spiegel-Bestsellerautor Tim Pröse am Sonntag und Montag, 3. und 4. Mai, die Kulturbühne im Bremervörder Möbelmarkt.
Tim Pröse kommt diesmal gleich an zwei Abenden auf die Bremervörder Kulturbühne.

Tim Pröse kommt diesmal gleich an zwei Abenden auf die Bremervörder Kulturbühne.

Bild: Rgp

Bremervörde. Unterschiedlicher hätten die beiden Themenangebote von Tim Pröse nicht sein können. Während er am ersten Tag zum Tode des großen Schauspielers Mario Adorf aus seiner Biografie über den Künstler liest, gibt es am darauffolgenden Abend Auszüge aus dem neuen Buch des Autors, das das neue Leben von Alexandra, die im Alter von 25 Jahren ihr Dasein aufgrund von Depressionen beenden wollte, thematisiert.

 

Zwei wahre Geschichten – ein Interview

Herr Pröse, am 3. Mai lesen Sie aus ihrem Buch „Zugabe!“, einer Biografie zu Mario Adorf. Wie ist die Vorgeschichte zu dem Buch?

Ich hatte das unglaubliche Glück, dass ich Mario Adorf in den letzten 15 Jahren immer mal wieder interviewen durfte. Daraus erwuchs der Wunsch, noch tiefer in sein Leben einzusteigen. Also fragte ich ihn, ob ich seine Lebensgeschichte aufschreiben darf. Vor allem das, was ihm durch den Sinn ging. Er ließ sich darauf ein, mochte diesen Gedanken, und so verbrachten wir ein ganzes Jahr zusammen.

 

Sie haben mit Mario Adorf sogar eine Woche in seinem Haus in Saint-Tropez verbracht. Wie war der Mann, der in Filmen oft den Schurken spielte, privat?

Er war einerseits genauso, wie wir uns ihn alle vorstellen. Er blieb in seiner Rolle. Andererseits war es wunderbar, diesem Weltstar so nah sein zu dürfen in diesen Tagen. Ich werde das nie vergessen. Einmal, als ich in der Einliegerwohnung seiner Villa schon längst im Bett war, kehrte Mario von einer Party heim. Ich hörte das Knirschen der Kiesel, und ihn singen. Er summte immer wieder ‚Azzuro‘ oder auch ‚La Paloma‘. So war er vielleicht privat.

 

Sie schreiben in ihrem Buch, Adorf war durchaus empfindsam für jedes Gefühl. Wodurch haben Sie das bemerkt?

Viele von uns fragen sich, woher er diese Kunst für seine Darstellung nahm. Ich darf sagen, dass ich einen Grund herausgefunden habe. Er war sehr zugänglich für jedes Gefühl. Er war weder abgebrüht, aufgekocht oder ein Schlitzohr, wie er es oft gespielt hatte. Sondern ein zutiefst sensibler, ich meine sogar hochsensibler, Herr, als es diese Worte noch gar nicht gab. In seiner Zeit war er es trotzdem. Vielleicht ist das ein Teil des Geheimnisses seiner Schauspielkunst?

 

Mario Adorf hat Tieffliegerangriffe im 2. Weltkrieg überlebt. Wie stand er zum Krieg?

Er wurde in den letzten Kriegsmonaten noch eingezogen. Und vielleicht glaubte er auch an das Falsche, so wie Millionen andere in seinem Alter. Aber was zählt? Seine gereifte Haltung gegen den Krieg, für ein Miteinander als Weltbürger? Er selbst sah sich nicht als Weltstar, sondern als Weltbürger. Er hat stets das internationale verkörpert.

 

Szenenwechsel

Am Anfang ihres neuen Buchs „Doch noch ein neuer Tag“ steht eine Triggerwarnung. Warum?

Diese Triggerwarnung ist berechtigt, da wir ein Tabuthema vertiefen. Dieses Tabuthema kann Menschen in einer labilen, seelischen Verfassung zurückwerfen in die alten Krisen. Doch dieses Buch möchte genau das Gegenteil erreichen. Es möchte jene Menschen in den Krisen ansprechen und sie zum Leben ermutigen.

 

Wie kam es zum Treffen mit der Protagonistin Alexandra?

Alexandra schrieb mich vor zwei Jahren an, erzählte von ihrer Geschichte und regte die Idee an, dass wir darüber ein Buch schreiben. So lernte ich sie kennen. Ich war überzeugt von ihrer Geschichte, und es war wunderbar, dass sie sich so lange Zeit in ihrem Leben von mir als Journalisten begleiten ließ.

 

Warum wählten Sie als Buch-Thema die Auseinandersetzung mit dem Thema „Depression“?

Weil die häufigste Todesursache in Alexandras Generation der 20- bis 30-Jährigen der Suizid ist. Depressive junge Menschen nehmen sich das Leben. Das ist ein Zeit-Phänomen. Dem wollten Alexandra und ich uns stellen. Wir wollten Mut machen, dagegen anzugehen, nicht aufzugeben.

 

Was gibt es über die Unterschiede in der persönlichen Wahrnehmung zu kommunizieren? Was macht eine Biografie mit einem Autor, was ein Buch über Selbstmord und Depression?

Alexandras Geschichte hat mich für diesen Grenzbereich, in dem sich einige Menschen befinden, einmal mehr sensibilisiert. Ich glaube, dass wir uns diesem Bereich stellen müssen, dass wir noch viel mehr Empathie empfinden müssen. Für die Menschen, die aus dem Leben gehen wollen, die hier nichts mehr hält, möchte dieses Buch die Sinne schärfen für diesen dunklen Bereich des Lebens. Und es möchte Mut machen, zurückzukehren, in den strahlend hellen Teil unseres Lebens.

 

Veranstaltungsdetails

Die Lesung aus der Biografie von Mario Adorf am Sonntag, 3. Mai, beginnt um 18 Uhr. Es wird ein Eintrittsgeld erhoben. Der Besuch der Veranstaltung „Doch noch ein neuer Tag“ am Montag, 4. Mai, beginnt um 19.30 Uhr und ist kostenfrei, Spenden werden erbeten.

Beide Termine finden auf der Kulturbühne in der Bremer Straße 11 statt. Tickets gibt es unter anmeldung@tandem-brv.de. Dort wird für die zweite Veranstaltung auch um eine kostenlose Anmeldung gebeten.


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