

Bremervörde. Die Artothek in Bremervörde gibt es bereits seit etlichen Jahren. Der „Verleih-Service“ bietet Kunst und Kultur zur Ausleihe an – „wie Bibliotheken Bücher“. Arbeiten renommierter Künstler:innen können für die private oder gewerbliche Nutzung ausgeliehen werden und so Wohn- oder Geschäftsräume bereichern. Das Angebot dürfe, sagt Hella Langguth, im Vörder Land gern noch stärker genutzt werden.
Die Kunstwerke der Artothek befinden sich im Bremervörder Rathaus. Kunstliebhaber haben dort die Möglichkeit, Originale unkompliziert auszuleihen und in den eigenen vier Wänden zu präsentieren. Die Artothek ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bremervörder Kultur- und Heimatkreises e. V. (KuH) und der Stadt Bremervörde.
Werke online „probehängen“
Um den Service der KuH-Artothek kümmern sich ehrenamtlich Hella Langguth, Renate Fundheller-Wiehnbröker und Anke Grün. Seitens der Stadtverwaltung ist Sonja Burfeindt Ansprechpartnerin. Sie ist im ersten Obergeschoss des Rathauses in Zimmer 019 zu finden.
Interessierten kann vor Ort ein Großteil der Kunstwerke im Original oder im Katalog gezeigt werden. Darüber hinaus lässt sich die Sammlung auch online mit dem Smartphone ansehen. Mithilfe von AR-Technologie können verfügbare Motive sogar zu Hause virtuell „probegehängt“ werden.
Sind die gewünschten Motive ausgewählt, können sie sicher verpackt im „Artothekenkoffer“ mitgenommen werden. Um das Angebot nutzen zu können, muss zuvor lediglich ein Vertrag abgeschlossen werden. Die Jahresgebühr beträgt 15 Euro für Privatpersonen und 30 Euro für gewerbliche Nutzer. Für Schüler, Studenten, Arbeitslose, Sozialhilfebezieher sowie Wehr- und Zivildienstleistende gilt ein ermäßigter Beitrag von 10 Euro.
Die Ausleihe selbst kostet nichts. Bis zu drei Bilder können gleichzeitig ausgeliehen werden. Möglich ist dies jeweils am ersten Donnerstag eines Monats von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr oder nach Terminvereinbarung.
Die Leihfrist beträgt höchstens drei Monate. Sie kann im Einzelfall einmalig um bis zu acht Wochen verlängert werden. Anschließend wird das Kunstwerk zurückgegeben und kann gegen ein anderes Motiv ausgetauscht werden.
Ziel der Artothek sei es, so Langguth, den Zugang zur Kunst niedrigschwellig zu gestalten und die kulturelle Vielfalt in Bremervörde zu beleben. Der Bestand wächst stetig und umfasst derzeit rund 200 Bilder. Einen Schwerpunkt bilden Werke norddeutscher und regionaler Künstler:innen, die durch die Artothek unterstützt und gefördert werden. Gegründet wurde die Einrichtung von Adolf Heise und Georg Tretzmüller.
„Anderswo“ in Bremervörde
Als Zielgruppe nennt Langguth Kunstliebhaber und kulturell interessierte Bürger:innen, aber auch Unternehmen, Verwaltungen, Arztpraxen und andere Einrichtungen, deren Inhaber ihre Räume ansprechend gestalten möchten. Auf diese Weise würden Originalbilder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ein selbstverständlicher Umgang mit Kunst durch eine preiswerte Ausleihe gefördert.
„Wir möchten möglichst viele Leute ansprechen, bzw. mit unserem Angebot einladen“, so Langguth. „Ein Bummel durchs Rathaus kann sich also lohnen. Viele der Bilder hängen an den Wänden der Flure. Durch die jetzt fertig gestellte neue Beleuchtung sind sie besonders schön zu erleben. Weitere Bilder sind zwar eingelagert, sie können jedoch jederzeit ausgeliehen werden.“
Die Artothek bildet mit Aquarellen, Lithografien, Radierungen, Öl- und Acrylgemälden sowie zahlreichen Mischtechniken unterschiedliche Kunstrichtungen ab. Auch Werke aller bisherigen Bremervörder Stadtmaler:innen sind vertreten.
Auf einem Rathausflur hängen beispielsweise Motive der ehemaligen Stadtmalerin Melanie Siegel aus München. Ihre Arbeiten haben ihren Ursprung in der Realität, sind jedoch auf das Wesentliche zugespitzt. Siegel machte sich vor sieben Jahren mit Kamera und Skizzenbuch auf den Weg durch Bremervörde, um ihre Eindrücke festzuhalten.
Einen Überblick über diese Arbeiten bietet Siegels Bildband „Anderswo“, den der Bremervörder Kultur- und Heimatkreis e. V. anlässlich ihres Arbeitsstipendiums vom 19. August bis 29. September in einer Auflage von 225 Exemplaren herausgegeben hat.
„Künstler-Gespräche“ starten im Oktober
Zeitnah soll nach Angaben Langguths eine neue Veranstaltungsreihe etabliert werden. Unter dem Titel „Was hängt denn da“ will der KuH ab Oktober verschiedene Künstler:innen und ihre Werke vorstellen. Dabei soll es unter anderem um Techniken, Intuitionen und Inspirationen gehen. Weitere Stichworte seien Entdecken und Gestalten, Wege der Malerei sowie ein Kreativ-Atelier.
Noch bevor der KuH offiziell für die Reihe geworben hat, erläuterte Langguth gegenüber dem Anzeiger das Konzept: „Die Artothek lädt Künstler dazu ein, direkt mit den kunstinteressierten Menschen ins Gespräch zu kommen, und die Entstehung ihrer Bilder, ihrer Techniken und Methoden anhand ihrer Werke zu erklären. Die Bilder der jeweiligen Künstler können dann als Originale in der Artothek ausgeliehen werden.“
Die erste Veranstaltung unter dem Titel „Künstler-Gespräche: Die Tropen zu Gast in Bremervörde – Yvette Kiessling – Stadtmalerin jenseits des Äquators“ findet am 6. Oktober um 19 Uhr im Bachmann-Museum, Neue Straße 38, in Bremervörde statt. Der Eintritt beträgt 10 Euro.
Die zweite Veranstaltung der Reihe, „Künstler-Gespräche: Kunst erleben – Techniken entdecken – Sich verzaubern lassen von Siegfried Kröhns Aquarellmalerei“, folgt am 18. November um 19 Uhr am selben Ort. Der Eintritt beträgt ebenfalls 10 Euro.



