Ute Mahler-Leddin

Früher Einsatz für junge Wildtiere

In Hollen haben Jäger, Landwirte und mehr als 30 Ehrenamtliche mit einer besonderen Aktion Rehkitze vor dem Tod bewahrt. Die erfolgreiche Aktion soll im nächsten Jahr fortgeführt werden.
(v. l.) Dennis Müller, Günter Tiedemann, Claudia Tiedemann, Katharina Stelling und Tobias Wehber konnten schon so einige Kitze retten.

(v. l.) Dennis Müller, Günter Tiedemann, Claudia Tiedemann, Katharina Stelling und Tobias Wehber konnten schon so einige Kitze retten.

Bild: Uml

Hollnseth. Jahr für Jahr sterben tausende Wildtiere, darunter insbesondere Rehkitze und Hasen, auf den Feldern, wenn die Landwirte für den ersten Schnitt ihre Weiden mähen. Die Kitze haben ein natürliches Verhalten, sich bei Gefahr reglos ins hohe Gras zu ducken und dort auch liegen zu bleiben, wo die Ricke das Kitz am Abend abgelegt hat und zu warten, bis das Muttertier e genau dort wieder abholt. Der Lärm von herannahenden Maschinen schreckt sie nicht und in der Vergangenheit wurde genau das vielen Tieren zum Verhängnis.

Früher wurden, sofern möglich, die Weiden noch von Familienangehörigen vor der Mahd abgesucht – aber gerade im hohen Gras kann man einen Meter an einem Kitz vorbeigehen, ohne es zu bemerken.

Inzwischen haben sich die Landwirte mit den Jägern zusammengeschlossen und die Weiden werden nachts, kurz vor Arbeitsbeginn, mit Drohnen abgesucht. In Hollen hat sich die Jagdgenossenschaft eine Drohne mit Wärmebildgebung im Wert von 9.000 Euro angeschafft. Zur Hälfte wurde sie von der Bingo Umweltstiftung bezahlt. Die Spadaka Börde-Lamstedt und die Volksbank Stade-Cuxhaven haben ebenfalls einen großen Teil dazugegeben, sodass der fehlende Betrag durch Spenden der Landwirte und Hollner erbracht werden konnte.

Einer der Hollener Jäger, Uwe Müller, hat die Organisation der Kitz-Suchen übernommen und durch eine Vorabfrage eine WhatsApp-Gruppe mit inzwischen über 30 freiwilligen ehrenamtlichen Helfer:innen – vorrangig Frauen – aber auch den Drohnenpiloten und Landwirten erstellt.

Die Ausbildung zum Drohnenpilot haben Dennis Müller, Dennis Staffeldt, Heinz Kohrs und Harald Kohrs absolviert und sich morgens bei der Suche abgewechselt. Die Landwirte haben sich jeweils rechtzeitig am Tag vor der Mahd bei Müller gemeldet und so wurde kurzerhand eine Abfrage in der Gruppe erstellt und die Uhrzeit (meist gegen 3 oder 4 Uhr morgens) sowie der Treffpunkt für die benötigten Unterstützer:innen bekannt gegeben.

Der Drohnenpilot überfliegt die betreffenden Weiden und meldet Wärmequellen an die Helfer:innen, die dann dort hingehen und gucken, ob es ein Kitz ist. Das Kitz wird dann unter einer größeren Wanne „festgesetzt“, das heißt, die Wanne wird über das Kitz gestülpt und mit auffälligen Markierungspfählen festgemacht. So kann der Landwirt beim Mähen direkt sehen, wo er ausweichen muss. Nachdem die Weide gemäht ist, wird die Wanne wieder entfernt, sodass die Ricke ihr Kitz am festgelegten Ablageplatz wieder abholen kann.

Über 570 Hektar wurden in den vergangenen vier Wochen abgesucht – dabei wurden 27 Kitze festgesetzt und sieben größere, die nicht mehr liegen blieben, aus der Gefahrenzone vertrieben. Viele Dorfbewohner:innen nahmen regen Anteil an den Suchen und Fundmeldungen und so manches Mal wurden die Freiwilligen mit einem Frühstück oder Picknickkorb für ihr frühes Aufstehen belohnt.

Ein besonderer Dank gilt allen Helferinnen und Helfern sowie den Landwirten, die die Aktion tatkräftig unterstützt haben. Im Namen der Jägerschaft Hollen zeigt sich Uwe Müller beeindruckt von der großen Resonanz: „Eine derart engagierte und unkomplizierte Zusammenarbeit hätte ich so nicht erwartet.“ Die erfolgreiche Initiative soll auch im nächsten Jahr fortgeführt werden. Interessierte, die das Projekt durch ihre Mithilfe oder finanzielle Unterstützung fördern möchten, können sich jederzeit an Uwe Müller wenden.


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