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„Es ist knapp kalkuliert“

Timm Haberland vom neu gegründeten Förderverein Waldbad Gnarrenburg spricht im Interview über die Vereinsgründung, erste Erfolge und die Zukunft des Bades.
Timm Haberland im Waldbad Gnarrenburg.

Timm Haberland im Waldbad Gnarrenburg.

Bild: Lf

Gnarrenburg. Das Waldbad Gnarrenburg gibt es seit rund sechs Jahrzehnten. Mitte der 1960er-Jahre am Rand des Eichholzes errichtet, ist die Anlage mit ihren rund 13.650 Quadratmetern Gesamtfläche und etwa 1.250 Quadratmetern Wasserfläche längst mehr als ein Freibad – für viele Gnarrenburger ist sie ein Stück Kindheit und Heimat. Doch die Bausubstanz ist in die Jahre gekommen, ein Neubau würde nach aktuellen Schätzungen zwischen sieben und zehn Millionen Euro kosten. Um das Bad für die Region zu erhalten und ihm neues Leben einzuhauchen, haben 32 engagierte Bürgerinnen und Bürger im Februar dieses Jahres den Förderverein Waldbad Gnarrenburg gegründet. Vor wenigen Wochen ist der Verein nun ins Vereinsregister eingetragen und als gemeinnützig anerkannt worden – er darf also offiziell Spenden sammeln und Spendenbescheinigungen ausstellen. Wir haben mit Timm Haberland gesprochen, der im Vorstand für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

 

Bremervörder Anzeiger: Herr Haberland, seit wann ist der Förderverein offiziell eingetragen?

Timm Haberland: Das ist erst drei, vier Wochen her. Es hat sich bei den Behörden noch ein bisschen verzögert, aber jetzt ist es geschafft: Wir sind eingetragen, und die Gemeinnützigkeit ist erklärt. Das heißt, wir können jetzt auch offiziell Spenden akquirieren und Spendenbescheinigungen ausstellen.

 

Und das zahlt sich direkt aus, oder?

Ja, wir haben schon die erste größere Spende bekommen. REWE Köstermann hatte eine Pfandbon-Aktion gestartet, bei der Kundinnen und Kunden ihre Pfandbons statt einzulösen in eine Spendenbox stecken konnten. Dabei sind 600 Euro von verschiedenen Gnarrenburgern zusammengekommen. Inhaber Matthias Köstermann hat dann noch einmal 400 Euro aus eigener Tasche draufgelegt – macht zusammen 1.000 Euro für den Förderverein. Ein guter Anfang, für den wir sehr dankbar sind!

 

Wie viele Mitglieder hat der Verein inzwischen?

Wir liegen aktuell bei knapp 64. Überwiegend Gnarrenburger, bunt gemischt von jung bis alt. Letzten Freitag hatten wir unsere erste Mitgliederversammlung, da waren auch schon die ersten neuen Gesichter dabei. Jetzt geht es darum, uns für die Zukunft aufzustellen – da sind viele Ideen am Start.

 

Bevor wir zu den Ideen kommen: Warum überhaupt ein Förderverein? Was ist das Problem mit dem Bad?

Das Bad ist in die Jahre gekommen, und über allem schwebt ein bisschen das Damoklesschwert, ob es irgendwann abgerissen werden muss oder ob wir es sanieren, beziehungsweise neu bauen können. Besonders kritisch sind die Beckenköpfe – die bekommt man nicht mehr nachgefertigt. Die Restbestände, die es überhaupt noch gibt, sind längst aufgekauft und eingelagert, und die Beckenköpfe gehen über den Winter durch Frost auch immer wieder kaputt. Wenn die irgendwann aufgebraucht sind, gibt es keine mehr. Ein Neubau liegt nach aktuellen Schätzungen zwischen sieben und zehn Millionen Euro, und das kann die Gemeinde nicht einfach so aus eigener Tasche stemmen.

 

Wie groß ist die Gefahr, dass das Bad tatsächlich schließen muss?

Die Brisanz ist schon hoch, das sollte man nicht unterschätzen. Aktuell ist das Bad noch betriebsfähig und kann auch im nächsten Jahr weiterlaufen. Aber es ist knapp kalkuliert: Wenn bestimmte Dinge kaputtgehen und nicht ersetzt werden können, kann das Bad von einem Sommer auf den anderen zu sein. Deshalb mein Appell: Man spricht immer über Straßen, Kindergärten und Feuerwehrhäuser – aber ein Freibad ist genauso ein wichtiger Ort, an dem Menschen zusammenkommen, und da muss auch investiert werden. Wir hatten dieses Jahr fast 20.000 Besucher hier, diese Zahlen zeigen, wie wichtig das Waldbad für die Gnarrenburger ist.

 

Und wo kommt der Förderverein da ins Spiel? Fördertöpfe für Sanierungen gibt es doch eigentlich, oder?

Die Gemeinde versucht seit Langem, über verschiedene Fördertöpfe an Geld zu kommen. Aber für ein Freibad ist das erfahrungsgemäß schwierig – und wenn, dann meistens nur, wenn schon ein fertiges Konzept in der Schublade liegt. Es gab in den letzten Jahren schon mehrere Planungsstufen mit unterschiedlichen Kostenschätzungen, die aktuell noch einmal überarbeitet werden. Der Neubau und Betrieb sind aber ganz klar Sache der Gemeinde, damit haben wir als Verein nichts zu tun. Wir wollen die Gemeinde und die Besucher unterstützen – mit Dingen, die über den normalen Verantwortungsbereich der Gemeinde hinausgehen: Attraktionen, Veranstaltungen, Investitionen, die das Bad noch runder machen.

 

Was schwebt Ihnen da konkret vor?

Früher gab es hier ein kleines Restaurant beziehungsweise einen Imbiss, wo man Pommes und Eis bekommen hat, vorne stand ein Kicker – dieses Flair wollen wir zurückholen. Der Kioskbetreiber macht in diesem Jahr zum Glück wieder mit. Darüber hinaus wollen wir Veranstaltungen organisieren, zum Beispiel eine Kinonacht oder Spieleturniere. Wir wollen höhere Sitzbänke auf der Liegewiese anschaffen, gerade für ältere Leute, und denken über einen Liegenverleih nach – gegen eine kleine Spende von einem Euro könnte man sich dann eine Liege ausleihen, statt direkt ins Gras zu müssen. Und langfristig wünschen wir uns natürlich auch neue Attraktionen, wie sie moderne Bäder heute haben – etwa ein Splash-Becken mit Wasserpilzen für die Kinder.

 

Am 12. September steht schon die nächste Aktion an.

Genau, das Abbaden – der letzte Badetag der Saison. Los geht es ab 15 Uhr, bis etwa 18 Uhr. Man kann in seiner Kleidung ins Wasser springen, es gibt aber auch einen Kostümwettbewerb, bei dem der Gewinner eine Jahreskarte gewinnt. Dazu gibt es Musik, Getränke, Kaffee und Kuchen sowie Eis und Slush-Eis zu kaufen – ein kleines Rahmenprogramm für die ganze Familie.

 

Zum Schluss: Was würden Sie den Lesern gerne noch mitgeben?

Ein Förderverein lebt von seinen Mitgliedern – von aktiven, die zum Beispiel Anfang des Jahres mit anpacken, ein paar Bäume pflanzen oder Blumenbeete anlegen, aber genauso von passiven Mitgliedern, die das aus Zeit- oder Altersgründen nicht können. Der Jahresbeitrag liegt bei gerade einmal 36 Euro. Wir wollen dafür sorgen, dass man in Zukunft nicht auf das Waldbad verzichten muss. Wenn hier nur noch 5.000 Besucher im Jahr kämen, ließe sich aus der Fläche vielleicht auch Bauland machen – das wäre für die Gemeinde am Ende lukrativer. Wir wollen das Bad für uns erhalten, weil so viele Menschen hierherkommen. Wer sich engagieren möchte, findet uns unter www.foerderverein-waldbad-gnarrenburg.de.

 

Herr Haberland, vielen Dank für das Gespräch.


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