Ralf G. Poppe

Engagiert gegen Lebensmittelverschwendung

Bremervörde. Doris Brandt macht mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz vor, wie wichtig es ist, sich gerade in schwierigen Zeiten für andere einzusetzen.

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Koch in der Krise für Bedürftige. Foto: rpg

Koch in der Krise für Bedürftige. Foto: rpg

„Unseren Lebensmitteln muss mehr Wertschätzung entgegengebracht werden. Wir müssen einfach verhindern, dass genießbares Essen weggeworfen wird“, sagt Doris Brandt. Die dritte stellvertretende Bürgermeisterin von Bremervörde hat sich in den vergangenen Krisen-Monaten besonders intensiv mit dem Thema beschäftigt, weil sie während des Lockdowns im Frühjahr plötzlich zur Köchin für die Tafel wurde. Sie möchte auch andere ermutigen, sich nicht unterkriegen zu lassen und sich für andere einzusetzen.
 
„Hauptsache man hilft“
 
„Ich würde sofort wieder kochen wollen, wenn meine Hilfe gebraucht wird“, sagt Doris Brandt. „Unter Umständen gibt es aber auch ganz andere Arbeiten, die gemacht werden müssen. Egal, ob ich mich beim Landkreis anbiete, um bei der Nachverfolgung von Corona-Ketten zu helfen, oder etwas anderes mache. So oder so – Hauptsache, man hilft“, lautet die Devise der Sozialdemokratin.
Und das hat Doris Brandt im Verlaufe des ersten Lockdowns in und um Bremervörde fast acht Wochen getan. Als sie ihrer Selbstständigkeit in der Lebensmittelbranche nicht mehr nachkommen durfte, hat sie sich relativ spontan entschlossen, bedürftigen Menschen direkt zu helfen.
Aus der Sicht der Selbstständigen war der erste Lockdown eine schwierige Zeit, weil damals - wie heute - fast alles abgesagt wurde. „Ich war von heute auf morgen auf null gesetzt“, sagt Doris Brandt, die in ihrem Job bei Verkostungen kocht.
 
Gespräch mit Tandem
 
In einem Gespräch mit dem Leiter der Tandem e.V. Begegnungsstätte bzw. der Tafel in Bremervörde, Andreas von Glahn, ging es darum, junge Leute zu finden, die ehrenamtlich helfen wollten. Die örtliche Tafel war geschlossen worden – auch weil eben dort viele Personen der Corona-Risikogruppe beschäftigt sind. Brandt konnte einen jungen Helfer aus ihrer Partei organisieren. Doch das reichte ihr nicht.
Obwohl sie selbst zur Risikogruppe gehört, wollte sie unbedingt selbst helfen. Und weil sie bereits die richtige Ausrüstung hatte und neben einem Gesundheitszeugnis sogar einen Hackfleischschein vorweisen konnte, wurde sie als Köchin angeheuert.
Obendrein hat Brandt dann von ihren Geschäftspartnern (Lebensmittelhändler) kostenlos Waren abholen dürfen, die nicht mehr verkauft werden durften, weil sie teilweise kleine Mängel aufwiesen.
 
Unterstützung beim Gemüse schneiden
 
Bei der Essenszubereitung für bedürftige Menschen wurde Doris Brandt zudem von ihren Fraktionskolleg*innen unterstützt, unter anderem beim Gemüse schneiden. Die Fraktion hatte zudem einstimmig beschlossen, dass Waren, die für die Zubereitung von Speisen aus den gespendeten Lebensmitteln hinzugekauft werden müssten, von der SPD-Fraktion gestiftet würden.
Der 60-Liter-Topf auf ihrem Herd war übrigens so groß, dass Doris Brandt eine Trittleiter benötigte, um hineinzusehen. Sie kochte Eintöpfe und manchmal auch einen Braten mit allem Drum und Dran. „Die Geschäfte haben mir sogar extra Fleisch mitgegeben, weil ich für die Tafel-Kunden nicht nur vegetarisch kochen sollte. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Doris Brandt.
Über die Gemüsereste freuten sich später dann die Hühner von Bekannten. „Wenn es geht, arbeite ich nachhaltig bis zum letzten Stückchen“, freut sich Brandt.
 
„Echte Dankbarkeit gespürt“
 
Auf die Frage, warum sie ihr Engagement erst jetzt, auf Nachfrage, kommunizierte, entgegnete Brandt: „Ich glaube, dass ich mich einfach in einer derartigen Situation nicht in den Vordergrund stellen will. Jeder hat in Krisenzeiten die Pflicht, etwas zu tun, damit das Leben weiterläuft. Der Mensch zählt – und ich habe etwas zu tun! Die Leute haben auf die Mahlzeiten gewartet, sich wahnsinnig über die verschiedenen Gerichte gefreut. Man durfte ehrliche Dankbarkeit spüren.“ Manche der Tafel-Kunden hätten sich in den Zeiten des Lockdowns auch nicht wirklich täglich ein nahrhaftes Essen leisten können, denn sie haben ja nicht mehr finanzielle Unterstützung bekommen, als die Arbeit der Tafel eingestellt worden war. Vielleicht steht Doris Brandt bei Erscheinen dieses Artikels bereits wieder privat am Herd, da ihr Gewerbe abermals zum Erliegen gekommen ist.
 
Zu gut für die Tonne
 Übrigens: Für den „Zu gut für die Tonne!“-Bundespreis können sich Menschen, Unternehmen, Initiativen und Einrichtungen mit ihren Ideen und Aktivitäten noch bis zum 13. November 2020 bewerben. www.zugutfuerdietonne.de.


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