Ralf G. Poppe

Endlich „Zuhause“!

Bremervörde. Hein Meyer bereitet der Stadt ein unglaubliches Geschenk: Das „Alte Rathaus“ ist fortan ein neues „Zuhause“ für (unzählige Arbeiten von) Tetjus Tügel.

Bilder
Museumsgründer Hein Meyer neben einem Selbstporträt von Tetjus Tügel.  Foto: rgp

Museumsgründer Hein Meyer neben einem Selbstporträt von Tetjus Tügel. Foto: rgp

Wie oft hat man in den letzten Jahren gehört, der Innenstadt würde ein besonderes Highlight fehlen, das auch Menschen von außerhalb dazu bringen könnte, Bremervörde einen Besuch abzustatten. Nun bekommt die City ein richtiges Highlight. Wenngleich es sich zurzeit um ein rein privates, nicht kommerzielles Museum handelt.
 
Das Museum
 
Hein Meyer hat das Museum jedoch nicht nur für sich selbst realisiert. Sondern auch „Für die alten Bremervörder, die sonst nach Worpswede oder Bremen fahren müssten, um einmal eine Tetjus-Tügel-Ausstellung besuchen zu können“, sagt der Kunstsammler. Der 73-Jährige kann sich vorstellen, dass er - sobald es die Pandemie zulässt - sein Museum möglicherweise samstags von 13 bis 18 Uhr, sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr für Kunstfreunde zugänglich macht. Derzeit arbeitet der Museumsgründer daran, sein Vorhaben durch den Aufbau einer Stiftung für die Zukunft langfristig abzusichern.
 
Die Museumsgründung
 
Bereits in jungen Jahren wurden Meyer qualitativ hochwertige, handgemalte Bilder - wie zum Beispiel jene von Tetjus Tügel - als Wertanlage empfohlen. So hat er sich erste „Tügels“ gekauft und in Worpswede einige Kunstwerke aus Speichern gerettet. Seine Ehefrau Marianne teilt die Freude an seinen Ideen. Sie sorgte letztendlich sogar dafür, dass das Museum „Otto Tetjus Tügel Zuhause“ in Angriff genommen wurde. Denn sie schenkte ihrem Ehemann seinerzeit ein wunderbares Gemälde von Tetjus Tügel - und damit begann letztendlich die Sammelleidenschaft richtig. Durch glückliche Zufälle war Hein Meyer auf einmal auch in der Lage, gute Arbeiten von Tetjus Tügel anzukaufen. Es fehlte lediglich noch der passende Rahmen.
Den fand er, als er im Frühjahr 2020 das alte Bremervörder Rathaus kaufte. Ein Freund hatte Ehefrau Marianne darauf aufmerksam gemacht, dass das Gebäude zum Verkauf stand. Mit Unterstützung von Bürgermeister Detlev Fischer bekam Meyer dann den Zuschlag.
„Jetzt wird was Ordentliches gemacht. Das Haus muss erhalten bleiben“, sagte er sich. „Dort kommen nun all die Bilder von Tetjus Tügel hinein. Wir machen ein Museum daraus.“ Meyer renovierte das legendäre Gebäude. Im Erdgeschoss wurde ein neues „Zuhause“ für viele Meisterwerke des Malers Otto Tetjus Tügel erschaffen.
 
Resonanz
 
Darüber zeigt sich unter anderem auch der Bremervörder Heimatforscher Rainer Brandt, Erster Stadtrat a.D., sehr erfreut: „Das `Alte Rathaus´ wurde nach einer wechselvollen Geschichte aus einem `Dornröschen-Schlaf´ erweckt und mit großer Tatkraft zum `Tügel-Haus´ restauriert.“ Im Erdgeschoss sei ein Museum mit zahlreichen, bemerkenswerten Bildern des bedeutenden Künstlers Otto Tetjus Tügel und einigen anderen Kunstmalern enststanden.
Diesen Schatz an Bildern habe Meyer vielerorts erworben und sich mit diesem hervorragenden Projekt in die besondere Reihe der Mäzene wie Rolffs, Hagenah oder Trendwedel eingebracht. Der Dank der Bremervörder Bürger und der künftigen Besucher dieser Dauerausstellung sollte ihm dafür gewiss sein“, meint Brandt.
 
Der Maler und Poet
 
Otto Tetjus Tügel (* 18.11.1892 in Hamburg) besuchte 1908 die Kunstgewerbeschule in Hamburg. Ab 1909 lebte Tügel als freischaffender Künstler in Worpswede, bevor 1914 die Rückkehr in die Hansestadt erfolgte. Von 1916-18 diente der Maler und Poet als Soldat. Dann zog es ihn abermals nach Worpswede.
In den 1930er Jahren richtete Tügel sich dort eine Einsiedelei ein. Ab 1939 arbeitet Tügel als Zeichenlehrer an einem Gymnasium in Bederkesa. 1951 zog er dann auf den Quickhof nach Oese und tauchte damit quasi in die Bremervörder Kulturszene ein. Dort, in Bremervörde, starb der Künstler am 23. Oktober 1973. Und in dieser Stadt soll er, bzw. zumindest ein Teil seiner Werke, nun langfristig ein „Zuhause“ bekommen.


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