Eine Kutterfahrt fürs Glück
Bremervörde. Thomas Lippert aus Bremervörde ist schwer an Krebs erkrankt. Ihm bleibt vermutlich nicht mehr viel Zeit. Einen letzten großen Wunsch hat sich der 66-Jährige aus dem Hospiz zwischen Weser und Elbe nun trotzdem noch erfüllt: Der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bund Niedersachsen e. V. (ASB) hat es dem Palliativpatienten ermöglicht, noch einmal in See zu stechen. Mit dem Kutter „Claudia“ ging es für ihn entlang der Wurster Nordseeküste.
Mit einem echten Kutter fahren, davon träumt Lippert schon lange. Aus verschiedenen Gründen konnte er sich diesen Wunsch jedoch nie erfüllen. Jetzt, wo er im Hospiz lebt, hat er Bezugspflegekraft Kathrin Buck von seinem Traum erzählt. Sie zögert nicht lange und holt den Wünschewagen vom ASB sprichwörtlich ins Boot.
Innerhalb weniger Tage organisiert das Wünschewagen-Team aus Hannover eine Kutterfahrt und heuert mit René Schmidt und seiner Mannschaft von „Direkt vom Kutter“ an der Wurster Nordseeküste eine großartige Crew an. Exklusiv legt die „Claudia“ schließlich ab und macht eine zweistündige Tour bis zu den Containerschiffen in Bremerhaven – vorbei am Leuchtturm „Kleiner Preuße“, an Krabbenkuttern und gleitet durch die plätschernden Wellen. Die Gicsht spritzt Thomas Lippert ins Gesicht. Er genießt jeden Moment in vollen Zügen, guckt aufs Wasser und zum Horizont. Mit den beiden ehrenamtlichen Wunscherfüllerinnen Steffi Täubert und Bärbel Harjes schreibt er eine Flaschenpost, „Hoch im Norden“ von Santiano ertönt aus den Lautsprechern – ein echter Gänsehautmoment. Nach der Kutterfahrt geht es noch in das Restaurant „Wremer Fischstube“, das extra für die Reisegruppe öffnet, denn Meeresluft macht hungrig.
Der ASB-Wünschewagen
Thomas Lippert ist der 716. Gast, für den eine Wunschfahrt des niedersächsischen ASB-Wünschewagen organisiert wurde. Seit 2017 erfüllen die Samariter mit ihrem Ehrenamtsprojekt die letzten Wünsche von Sterbenden. Die Touren führen die besonderen Reisenden auf ihre letzten Wunschwege – wenn es der gesundheitliche Zustand erfordert auch im Rollstuhl oder mit Beatmungsgerät und Magensonde. Denn das Fahrzeug ist kein normaler Krankenwagen, sondern gänzlich auf die speziellen Bedürfnisse der Gäste konstruiert. Ausgestattet ist er unter anderem mit notfallmedizinischer Ausstattung, spezielle Stoßdämpfern, einer Musikanlage und einem harmonischen Arrangement aus Licht und Glas, das die Reise zum Wohlfühl-Erlebnis werden lässt.
Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Spenden und ASB-Mitgliedsbeiträge und wird ermöglicht durch das Engagement freiwilliger Wunscherfüller – qualifizierte medizinische Fachkräfte, die die Fahrten begleiten. Reisenden und ihren vertrauten Begleitpersonen entstehe keine Kosten. Mehr Informationen gibt es unter wünschewagen-niedersachsen.de.

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