

Bremervörde. Anlässlich des „Equal Pay Day“ hatte die Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft zum „Mittags-talk“ eingeladen und zahlreiche Frauen – und ein Herr – waren der Einladung gefolgt und jeder Platz im Besprechungsraum war besetzt.
Symbol für die Lohnlücke
Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen rechnerisch länger arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahreseinkommen von Männern zu kommen. Er macht damit auf die bestehende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam und fordert gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit.
In diesem Jahr fiel der Equal Pay Day auf den 27. Februar – umgerechnet arbeiten Frauen für durchschnittlich 16 Prozent weniger Gehalt oder 58 Tage ohne Entlohnung. Leiterin der Ko-Stelle, Ilka Holsten-Poppe, freute sich über den großen Zuspruch zu diesem wichtigen Thema.
Ehegattensplitting im Fokus
Silke Sylvester, Steuerberaterin aus Basdahl, erklärte das Thema des Tages: „Setzt das Ehegattensplitting die richtigen Anreize für berufstätige Frauen?“
Mit einfachen Spielfiguren wurden die unterschiedlichen Steuerklassen anschaulich erklärt und die Versorgungslücke farblich markiert. Dabei wurde deutlich, dass das Ehegattensplitting zwar kurzfristig steuerliche Vorteile bringen kann, langfristig jedoch Auswirkungen auf Rente, Absicherung und finanzielle Unabhängigkeit haben kann. Umso wichtiger ist es, die eigene Situation gemeinsam mit dem Steuerberater des Vertrauens auf Augenhöhe zu prüfen und individuelle Lösungen bewusst zu gestalten.
Im interaktiven Austausch wurden anschließend die Gründe, Folgen und Lösungsansätze erarbeitet. Zu den von den Teilnehmenden genannten Gründen gehörten die fehlende Aufklärung zu den Themen Einkommen, Steuern, Rente und Verdienstausfall sowie die klassischen Frauenberufe, Teilzeitarbeit und Rollenverteilung in der Familie und das Verlassen auf die Kompetenzen des Ehemannes in diesem komplexen Bereich.
Die Folgen sind oftmals vielschichtiger als gedacht –so ist die Rentenlücke und die Gefahr der Altersarmut gerade bei Frauen unverhältnismäßig hoch, die Abhängigkeit vom Ehemann oder Versorger bleibt bestehen und die Existenzgefährdung bei Krankheit oder Trennung ist nicht selten.
Politische Forderung und Bildung
Zusammen mit den anwesenden Politikerinnen und Politikern wurden Lösungsansätze diskutiert: Finanzielle und bürokratische Dinge sollten gemeinsam besprochen und behandelt werden – jeder Partner sollte über die familiäre Situation bescheid wissen und agieren können. Frauen sollten – auch in Elternzeit – in sich und ihre eigene Weiterbildung investieren und egal in welchem Alter, für später vorsorgen. Das Thema „Finanzielle Bildung“ sollte bereits in der Schule in den Lehrplan aufgenommen werden, damit in jungen Jahren die zukunftsträchtigeren Entscheidungen getroffen werden können.
Die Problematik der Kinderbetreuung wurde ebenso diskutiert wie eine gewünschte Elterngeldreform.
Bei einem anschließenden gemeinsamen Snack kamen die Mitarbeiterinnen der Ko-Stelle, Ilka Holsten-Poppe, Johanna Meeske und Frauke Siems, sowie die Anwesenden miteinander ins Gespräch und es wurden untereinander viele Tipps ausgetauscht.
Weitere Angebote und Termine der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft sind unter frauenundwirtschaft-lkrow.de zu finden.


