Ralf G. Poppe

Diskussion über gesundheitliche Versorgung auf dem Land

Bremervörde/Zeven. Beim Besuch von Daniela Behrens im Medizinischen Versorgungszentrum Zeven führte die Redaktion ein Interview mit der niedersächsischen Gesundheitsministerin.

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Der SPD-Landtagsabgeordnete Bernd Wölbern organisierte den Besuch von Daniela Behrens in Zeven.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Bernd Wölbern organisierte den Besuch von Daniela Behrens in Zeven.

Behrens diskutierte vorher mit Landrat Marco Prietz sowie der Geschäftsleitung der Ostemed aus Bremervörde (Geschäftsführer Rainer Röhrs und Siegfried Ristau) inklusive der Personal-Leitung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Organisiert wurde das Treffen vom Landtagsabgeordneten Bernd Wölbern.
 
Frau Behrens, welchen Eindruck haben Sie vom ehemaligen Krankenhaus in Zeven bekommen?
 
Heute ging es darum, dass ich mir das Konzept zur Weiterentwicklung des Standortes vorstellen lasse. Dass man diesen Standort erhält, ist sehr wichtig, nachdem es das Krankenhaus hier nicht mehr gibt. Es ist toll geworden, denn wir haben hier weiterhin niedergelassene Ärzte. Wir haben Pflege- und noch Krankenhaus-Angebote hier. Die Geschäftsführung hier ist sehr kreativ. Es ging heute auch darum, was das Land noch tun kann, um die Weiterentwicklung hier zu stärken, hier weiter zu investieren. Man will das Thema Pflege weiter ausbauen, man will eine Kita drin haben. Es ist ein richtig guter Standort. Ich würde mir wünschen, dass es in vielen ländlichen Bereichen gelingt, einen Standort so weiterzuentwickeln.
 
Glauben Sie, dass man an diesem Standort noch eine 24/7-Notfallversorgung hinbekommen kann?
 
Das war heute nicht das Thema. Hier hat man das vonseiten der Geschäftsführung - so glaube ich - gar nicht vor. 24/7 ist ein schwieriges Thema. Es muss sicherlich gut besprochen werden. Auch mit denen, die es bezahlen müssen – nämlich den Krankenkassen. Dafür braucht es eine intensive Bedarfsanalyse. Doch heute ging es um die Weiterentwicklung hier, um die Arztsitze und Pflege am Ort.
 
Was würden Sie sich für die Weiterentwicklung des Standortes wünschen?
 
Gerade in Niedersachsen haben wir eine sehr intensive Debatte zur Zukunft der medizinischen Versorgung auf dem Lande. Wir haben die Situation, dass viele Ärztinnen und Ärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Dadurch verlieren wir von 5.000 Hausarztsitzen 1.800 in den nächsten zehn Jahren. Nachwuchs ist schwierig – es dauert, bis Ärzte nachkommen. Daher geht es ja gerade auf dem Land darum, dass wir in den nächsten zehn Jahren hier noch alles haben. Und das geht meiner Meinung nach nur, wenn man am Standort verschiedene Themen miteinander verbindet, wie z.B. hier Krankenhausleistung, Ärzte, Pflege. Also das man die Menschen, die in der Fläche da sind, gut vernetzt und einen Ort schafft, zu dem viele Leute hingehen und sich gut versorgen können. Ich finde, dass es hier in Zeven sehr gut gelungen ist.
 
Das ehemalige Krankenhaus hat ein Einzugsgebiet von ungefähr 50.000 Menschen…
 
Die passende Zahl haben sie wahrscheinlich besser im Kopf als ich. Ich komme selbst aus einer ländlichen Region und mache mir viele Sorgen, wie wir die gute medizinische Versorgung auf dem Land sichern können. Auch aufgrund der fehlenden Fachkräfte. Da braucht es gute, innovative Projekte, Rezepte. Ich glaube, die hat man hier in Zeven gefunden. Jetzt geht es darum, wie das Land hier mit Investitionen helfen kann.
 
In Bremervörde (wo die Ostemed ein Krankenhaus betreibt) bekommt man derzeit quasi gar keinen Hausarzt mehr. Haben Sie Ideen, wie man diesbezüglich Abhilfe schaffen kann?
 
Die Sicherung der ärztlichen Versorgung mit Hausarztsitzen ist Sache der landesärztlichen Vereinigung, der KVN. Wir haben den Sicherstellungsauftrag, sind als Land zuständig dafür, dass wir genügend Studienplätze für angehende Ärztinnen und Ärzte haben. Die KVN muss die Arztsitze so gut verteilen, dass wir alle versorgt sind.
 
Wodurch wollen Sie erreichen, dass sich Ärztinnen auf dem Land anstatt in der Stadt ansiedeln?
 
Wir haben viele Förderprojekte, um Ärzte zu unterstützen, wenn sie eine Praxis auf dem Land aufmachen. Zudem haben wir weitere Begleitprojekte. Dennoch ist das Thema eine Herausforderung. Ich glaube, Sie gehen dann in Bremervörde ins Krankenhaus, dort sind viele Ärzte mit untergebracht. Vielleicht kann man sich dann dort gut versorgen.
 
Danke für das Gespräch.


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