Ulrich Evers

„Der Klimapakt ist ein Witz“  Prof. Dr. Lemke referierte auf Einladung der Grünen zum Klimawandel

Bremervörde. Auf Einladung des Ortsverbandes Bremervörde der Bündnis 90/Die Grünen referierte der Klimaforscher Prof. Dr. Peter Lemke zum aktuellen Stand in Sachen Klimawandel. Viel Neues hatte er nicht zu berichten, was aber die Fakten, die er seinem Publikum im Haus am See offerierte, nicht weniger brisant machten.

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Präsentierte den Klimawandel in sachlichen Zahlen und Fakten: Auf Einladung des Ortsverbandes Bremervörde der Bündnis 90/Die Grünen referierte der Klimaforscher Prof. Dr. Peter Lemke im Haus am See zum aktuellen Stand in Sachen Klimawandel.  Foto: ue

Präsentierte den Klimawandel in sachlichen Zahlen und Fakten: Auf Einladung des Ortsverbandes Bremervörde der Bündnis 90/Die Grünen referierte der Klimaforscher Prof. Dr. Peter Lemke im Haus am See zum aktuellen Stand in Sachen Klimawandel. Foto: ue

Peter Lemke ist Professor für Physik von Atmosphäre und Ozean an der Universität Bremen. Bis zu seiner Pensionierung war er Leiter des Fachbereiches Klimawissenschaften am Alfred-Wegner-Institut. In seiner langjährigen Arbeit und bei diversen Expeditionen in Arktis und Antarktis konnte er umfassende Daten sammeln, die beweisen, dass der Klimawandel menschengemacht ist, was heute wohl nur noch nicht mehr ernst zu nehmende Zeitgenossen bestreiten mögen.
Zunächst führte er in grundlegende Wechselwirkungsprozesse unseres Planeten ein und erläuterte, wie die Sonne seit Anbeginn der Welt als Energielieferant für uns dient. „Wir hätten genug Energie, wenn wir nur wüssten, wie wir rankommen“, so sein süffisantes Resümee. Allein der Golfstrom transportiere ein Terrawatt an Energie, die das Meer von der Sonne aufgenommen habe. Das sei die Kraft von einer Million Kernkraftwerken, so Lemke weiter.
Die Menschheit habe schon vor 10.000 Jahren begonnen, in das Klimasystem des Planeten einzugreifen, als „wir sesshaft wurden und die Landwirtschaft entwickelten.“
Besonders wirke sich das Schmelzen heller Eisflächen an den Polen auf das Klima aus. Dunkle Flächen absorbieren mehr Sonnenlicht, was eine Erwärmung wiederum beschleunige. „Unser Planet wird dunkler und dadurch wärmer“, so Peter Lemke.
Der Mensch habe durch sein massives Bevölkerungswachstum die Erdoberfläche ganz entscheidend verändert. Er prognostizierte ein Ansteigen der Erdbevölkerung von jetzt acht auf bis zu elf Milliarden Menschen.
Aus Eiskernbohrungen wisse man inzwischen, wie sich der Anteil an Treibhausgasen in den letzten 860.000 Jahren entwickelt habe. Demnach habe es immer eine Abfolge von Warm- und Eiszeiten gegeben. Hierbei lagen die Schwankungen von Treibhausgasmengen innerhalb von 20.000 Jahren um etwa 100 ppm (Parts per Million). Die Menschen haben nach Worten Lemkes diesen Wert in nicht einmal 100 Jahren auf 400 ppm erhöht: „Die Menge und die Geschwindigkeit sind das Problem. Wir haben es in 50 Jahren von 310 auf 410 ppm geschafft“, so seine beunruhigende Aussage.
„Wir verheizen mit Öl, Kohle und Gas in 50 Jahren fossile Stoffe, die die Natur in Millionen von Jahren eingelagert hat.“ Und zurzeit, so seine klare Botschaft, sehe die Wissenschaft keinerlei Entspannung.
Die Klimatologen überbieten sich seit einiger Zeit mit einem Klimarekord nach dem anderen: Extrem heiße Sommer und Trockenheiten nehmen zu. So sei der Niederschlagsmangel des Sommers des letzten Jahres durch die inzwischen gefallenen Niederschläge noch immer nicht ausgeglichen. „Das war der zweitheißeste Sommer seit 1881 in Niedersachsen. Wir beenden gerade die wärmste Dekade überhaupt.“
Gletscher schmelzen, das Poleis geht zurück und schafft damit noch mehr Wärme auf dem Planeten. „Das Eis kommt nicht mehr in einen Normalzustand. Wenn wir so weiter machen wie bisher, ist die Arktis bis 2050 im Sommer komplett eisfrei“, so Lemke weiter.
Was die Anrainernationen als großen wirtschaftlichen Erfolg sehen, bedeutet in Wirklichkeit einen bedrohlichen Anstieg des Meeresspiegels und das Auftauen von Permafrostböden, was wiederum unglaubliche Freisetzungen des Treibhausgases Methan nach sich ziehen würde - eine Kettenreaktion.
Die Aussichten für die Zukunft sind düster: „Wenn wir so weitermachen, steigt die Temperatur um vier bis sechs Grad und das Meer um mindestens 1,20 Meter“, sagte Peter Lemke. Nur massive Einsparungen könnten das angestrebte zwei Grad-Ziel noch möglich machen.
Doch seit den ersten Klimakonferenzen von Kyoto und Rio, ja seit den ersten Hinweisen auf die Gefahr eines Klimawandels durch den Club of Rome in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, blieb jede weitere Klimakonferenz nur ein Lippenbekenntnis der weltweit politisch Verantwortlichen.
So war die Einschätzung Prof. Dr. Peter Lemkes zu den jüngsten Klimabemühungen der Bundesregierung auch ernüchternd deutlich: „Der Klimapakt der Bundesregierung ist ein Witz. Das reicht überhaupt nicht!“ Damit, so ist er sich sicher, werde der Klimawandel nicht abzuschwächen sein.


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