Ralf G. Poppe

Bremervörder gründen Interessengemeinschaft Pflege

Bremervörde. Betroffene können sich auf einer Webseite der IG Pflege anonym austauschen und sich darüber informieren, wie sie sich rechtlich gegen Missstände in der Pflege wehren können.

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Manfred Bordiehn (li.) und Hans Luettge wollen den Pflegenotstand in der Stadt minimieren.  Foto: rgp

Manfred Bordiehn (li.) und Hans Luettge wollen den Pflegenotstand in der Stadt minimieren. Foto: rgp

Manfred Bordiehn verlor seine Schwiegermutter als direkte Folge eines Corona-Ausbruchs in einem hiesigen Pflegeheim. Auch Hans Luettge beklagt den Tod seiner Mutter in einem Seniorenzentrum der Stadt. Nun möchten beide sich parteipolitisch unabhängig und ergebnisoffen zusammen mit weiteren Bremervörder:innen darum kümmern, den Pflegenotstand in der Ostestadt zu minimieren, bzw. schlechte Arbeitsbedingungen thematisieren.
Ins Rollen kam die Gründung der Interessengemeinschaft, als Bordiehn Mitte Januar in einem Printmedium einen Leserbrief veröffentlichte. Bordiehn: „Meine Frau und ich wurden seitdem oft angesprochen.“
 
Aus der Seele gesprochen
 
Die Resonanz bezüglich der Gründung einer Interessengemeinschaft sei enorm groß und positiv gewesen. Eine Anruferin bedankte sich nach einem Telefonat z.B. mit den Worten: „Sie haben mir aus der Seele gesprochen.“ Nach anfänglichem Zögern verzeichne auch die dafür neu ins Leben gerufene Internetseite mittlerweile stabil steigende Besucherzahlen, berichten die IG-Gründer.
An sie herangetragen worden seien unter anderem schon Beschwerden über Heim-Stationsleiter, die einem Ehepaar kein Doppelzimmer geben wollten, weil sich das „nicht mehr lohnen“ würde oder die Kritik an schlechten Arbeitsbedingungen im Krankenhaus.
Doch Hans Luettge freut sich auch über Lob für die Altenpfleger:innen auf der Webseite. Denn um ein sachlich-fachlich richtiges Bild der Umstände repräsentieren zu können, seien alle Rückmeldungen, egal ob positiver oder negativer Natur, eminent wichtig, sind sich Luettge und Bordiehn einig.
 
Diskreter Erfahrungsaustausch
 
Leider werde aber in fast allen Bereichen der Pflege (und das nicht nur in Bremervörde) größtenteils eher permanent von Überlastung und/oder Personalmangel berichtet. Das Wissen um diesen Notstand sowie die eigenen Erfahrungen als direkte Angehörige hat Bordiehn und Luettge den Antrieb verliehen, für die Region eine Plattform zu entwickeln, auf der sich Betroffene austauschen können.
Die beiden Bremervörder wünschen sich einen ungezwungenen, freien, aber auch kritischen Erfahrungsaustausch, um fair und respektvoll gegenseitige Unterstützung erfahren zu können. Um den hiesigen, akuten Pflegenotstand beseitigen zu können, arbeiten sie an der Vernetzung von Gleichgesinnten.
„Wir haben das Ziel, zusammen mit anderen existierenden Interessengemeinschaften so stark zu werden, dass zuständige Politiker:innen und Institutionen unsere Forderungen nach einer besseren Pflege und deren Kontrolle ernst nehmen müssen. Das ist keine parteipolitische Forderung, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit sein“, so die IG-Gründer. Jede:r möchte doch im Alter auch trotz körperlicher Einschränkungen einen angenehmen und würdevollen Lebensabend verbringen. Deshalb sei dieses Thema so wichtig.
Wer sich bei der IG melde, solle keine Angst haben, über eigene Erfahrungen zu berichten. Nichts gerate namentlich nach draußen. Die Berichte könnten jedoch anderen Betroffenen helfen, und somit größeres Leid vermeiden, sind Luettge und Bordiehn sich sicher.
 
Direkter Kontakt
 
Doch diskutieren allein helfe nicht. Nun müsse gehandelt werden. „Wir erhalten immer mehr Rückmeldungen über unser Formular auf der Homepage. Aber auch telefonisch oder persönlich bekunden uns zunehmend mehr Interessierte und Betroffene ihre Bereitschaft, gemeinsam für Abhilfe der vielen Probleme sorgen zu wollen.“
Durch Expert:inneninformationen wollen die beiden fortan eine Entwicklung von Handlungsinitiativen starten. Untätig jammern oder wehklagen bringe schließlich nichts – schon gar nicht den Familienmitgliedern, die sich einen entspannten Umgang bzw. gute Pflege redlich verdient hätten. Und die für ihre Unterbringung zudem gutes Geld zahlen müssten.
Neben dem Erfahrungsaustausch berichten die IG-Gründer auch konkret, wie sie sich rechtlich gegen Missstände gewehrt haben.
Weitere Informationen und Tipps gibt es per Mail an kontakt@ig-pflege.de und unter www.ig-pflege.de.


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