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Mareike Kerouche

Aus einem vielfältigen Leben - Reiner Schöne beim Horizonte Festival

Reiner Schöne singt, plaudert und spielt den Blues beim Horizonte-Festival.  Foto: ls

Reiner Schöne singt, plaudert und spielt den Blues beim Horizonte-Festival. Foto: ls

Aus einem vielfältigen Leben
Reiner Schöne beim Horizonte Festival
von Lutz Schadeck
Reiner Schöne singt, plaudert und spielt den Blues beim Horizonte-Festival. Foto: ls
Bremervörde. „Werd’ ich noch jung sein, wenn ich älter bin?“ Eine Antwort auf diese Frage gab es von Reiner Schöne bei der vierten Veranstaltung des diesjährigen Horizonte Festivals nicht. Dafür aber viele Geschichten aus seinem Leben.
Reiner Schöne kam mit Gitarre und Buch und las im Plauderton aus eben diesem mit der oben genannten Frage als Titel. Es ist so etwas wie eine Biografie. Schöne gibt damit Einblicke in sein Leben.
Verstärkt kommen die Erlebnisse seines knapp 20-jährigen Amerika-Aufenthaltes zu Wort. So erfahren die Zuhörer im Ratssaal, dass es schon außergewöhnlich ist, in Los Angeles zu Fuß zu gehen. Eigentlich ist man nur im Auto unterwegs. Doch Schöne sieht Amerika nicht nur rosig. Er unterbricht seine Erzählung mit selbst geschriebenen Musiktiteln, greift zur Gitarre, die er gut beherrscht, und singt. In diesem Fall mit einem sehr kritischen Text. Er verurteilt, ja prangert an, dass in Amerika jeder mit einer Waffe herumlaufen dürfe. Folge sei, dass unschuldige Menschen getötet werden. So auch ein Freund von ihm, den man tot auffand.
Schöne bekommt die Kurve zu Heiterem. Er ist wieder in Deutschland, in Hamburg auf dem Fischmarkt. Seine Wege führen ihn weiter nach Berlin und München. Er scheint rastlos. Begonnen hat diese Odyssee in der DDR. Damals wuchs er in Weimar auf. Dann die Flucht in den Westen und die „Weltreise“ begann.
Zwischendurch scheint die Stimmung im Ratssaal etwas runter zu gehen. Reiner Schöne fängt an, Witze zu erzählen. „Witze sind immer gut, heben die Stimmung.“ Einer Zuschauerin scheint das anders zu sehen. Sie geht. Schöne ist verblüfft, fragt, was los sei. „Ist nicht mein Ding“, bekommt er zur Antwort. Der Künstler ist echt konsterniert. Er bittet das Publikum: „Ihr müsst mich jetzt lieb haben. Ich bin betrübt.“ Aufmunterndes Klatschen aus dem Publikum baut ihn wieder auf.
In der Pause gesteht eine Zuschauerin, dass sie den Künstler als unvorbereitet empfindet. „Vieles wirkt improvisiert.“ Sie bleibt trotzdem. Und die Mehrheit des Publikums hat offensichtlich Spaß an diesem Abend.
Nach der Pause hat Schöne ein Kissen auf seinem Stuhl bekommen. Der war ihm nämlich zu hart. „Vielleicht bin ich einfach schon zu alt dafür“, sinniert er. Er erzählt weiter aus seinem Leben in Amerika, wie die Filmszene in Hollywood tickt. „Regel ist, dass es keine Regeln gibt.“
Immer wieder zückt er zwischendurch die Gitarre, spielt mal ein Schlaflied für seine Tochter oder einen Blues. Besonders sammelt er Punkte beim Publikum mit dem Thüringer Fernwehblues. Schöne klärt auf, dass der Text nicht sächsisch, sondern thüringisch ist, wenn er unter anderem intoniert: „...in Weimar war meine Stimmung im Eimar...“ Lachen auch im Publikum, wenn er seine leicht schlüpfrige Anekdote über Kondome mit Erdbeergeschmack erzählt.
Es folgen weitere Geschichten und Erlebnisse von seinen Arbeiten als Schauspieler im „Jedermann“, wo er den Tod spielt, oder aus Bad Segeberg bei den Karl-May-Festspielen. Fast zum Abschluss intoniert der vielseitige Künstler noch das Lied, zu dem Konstantin Wecker den Text schrieb: „Werd’ ich noch jung sein, wenn ich älter bin“. Doch so ganz sollte dies nicht das letzte Lied sein. „Bevor ich mich hier auf der Bühne verheddere, spiel ich Euch noch eins.“ Das diesmal wirklich letzte Lied „Rock me baby“ animierte das Publikum, mit zu klatschen.


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