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Auf dem Weg zu Leuchtturmregion

Das Gnarrenburger Moor ist für die nächste Runde eines Bundesförderprogramms zur klimaschonenden Moorentwicklung ausgewählt worden. Es geht um 148 Millionen Euro Fördergelder.

Gnarrenburg. Das Gnarrenburger Moor ist seinem Ziel, bundesweite Leuchtturmregion für eine klimaschonende Moorentwicklung zu werden, einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Die Projektskizze „Leuchtturmregion Gnarrenburger Moor“, kurz LeutureGMo, wurde im Interessenbekundungsverfahren des Bundesförderprogramms Palu für das weitere Verfahren ausgewählt. Für das Vorhaben ist eine Fördersumme von rund 148 Millionen Euro beantragt.

Neben Gnarrenburg wurden mit dem Ipweger Moor im Landkreis Wesermarsch und dem Ahlenmoor sowie Bovenmoor im Landkreis Cuxhaven zwei weitere niedersächsische Regionen ausgewählt. Insgesamt haben die drei Projekte Fördermittel von rund 466 Millionen Euro beantragt. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer hat zudem zugesagt, dass das Land bei erfolgreicher Bewerbung jeweils weitere zehn Millionen Euro pro Region aus seinem Klimaschutztopf beisteuert.

Für Gnarrenburg steht hinter der Bewerbung ein Entwicklungsprozess, der bereits vor mehr als 15 Jahren begonnen hat. Von ersten Zukunftskonzepten über Modellprojekte zu Landwirtschaft und Wassermanagement bis zu Vorhaben zur Wiedervernässung und Paludikultur wurden in der Region nach Angaben der Gemeinde schrittweise neue Perspektiven für die Moorlandschaft entwickelt.

 

Landwirtschaft soll Teil der Lösung sein

Eine Besonderheit des Gnarrenburger Konzepts ist die Partnerschaft zwischen der Gemeinde, dem Landvolk Bremervörde-Zeven und der ZukunftMoor Gnarrenburg GmbH. Damit sollen kommunale Steuerung, die Perspektive der Landwirtschaft sowie praktische Erfahrungen mit Wiedervernässung und Paludikultur zusammengeführt werden.

Der Ansatz: Moor- und Klimaschutz sollen nicht gegen Landwirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung ausgespielt werden. Vielmehr sollen neue Formen der Nutzung nasser Moorböden entstehen.

Mit rund 7.900 Hektar Moorboden verfügt die Gemeinde über eine große zusammenhängende Moorregion. Rund 5.578 Hektar land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorflächen sind für die Maßnahmenplanung relevant. Mindestens die Hälfte davon – rund 2.790 Hektar – soll im Rahmen des geplanten Projekts möglichst weitgehend wiedervernässt werden. Die Umsetzung soll freiwillig und gemeinsam mit Eigentümern und Bewirtschaftern erfolgen.

Wiedervernässung soll dabei ausdrücklich nicht das Ende einer wirtschaftlichen Nutzung bedeuten. Torfmooskultivierung, Nasswiesen, extensive Beweidung und weitere Formen der Paludikultur sollen mit neuen regionalen Wertschöpfungsketten verbunden werden. Das Landvolk soll insbesondere Eigentümer und Bewirtschafter frühzeitig einbeziehen und bei der Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger Lösungen unterstützen. Die ZukunftMoor Gnarrenburg GmbH bringt Erfahrungen aus bereits laufender Wiedervernässung und Torfmooskultivierung ein.

 

„Mehr als 15 Jahre Arbeit zahlen sich jetzt aus“

Bürgermeister Marc Breitenfeld sieht in der Auswahl der Projektskizze die Bestätigung des bisherigen Weges. „Das ist ein großer Erfolg für unsere gesamte Region. Mehr als 15 Jahre Arbeit, viele Projekte und unzählige Gespräche mit Landwirtschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zahlen sich jetzt aus. Wir haben immer gesagt: Die Zukunft unserer Moorregion kann nicht allein in der Wiedervernässung liegen. Wir müssen gleichzeitig neue wirtschaftliche Perspektiven für unsere Landwirtschaft und unsere Region schaffen. Genau dafür steht unser Konzept.“

Ziel sei eine Moortransformation, die Klimaschutz, Wassermanagement, Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung zusammendenkt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen nach Vorstellung der Beteiligten auch über Gnarrenburg hinaus genutzt werden können.

Umweltminister Christian Meyer hebt die Bedeutung von Mooren für Klima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt hervor. „Sie speichern nicht nur CO2 in großen Mengen, sondern kühlen auch die Umgebung und tragen als hervorragender Wasserspeicher zur Stabilisierung des Wasserhaushalts bei, wovon auch Landwirte angesichts der vermehrten Trockenperioden großflächig profitieren. Zudem bieten Moore vielen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum“, so Meyer.

 

Praxisraum für andere Moorregionen

Federführend wurde die Projektskizze innerhalb der Gemeindeverwaltung von Klimaschutzmanagerin Simone Kasnitz gemeinsam mit ZukunftMoor und dem Landvolk Bremervörde-Zeven entwickelt. Im Mittelpunkt steht nicht die isolierte Betrachtung einzelner Flächen, sondern die Entwicklung einer gesamten Moorregion.

„Wenn wir mehrere tausend Hektar Moor langfristig verändern wollen, müssen wir gleichzeitig beantworten, wie Landwirtschaft dort künftig funktionieren und wie neue Wertschöpfung entstehen kann. Das Gnarrenburger Moor soll deshalb nicht nur Umsetzungsraum, sondern auch Praxis-, Demonstrations- und Lernraum für andere Moorregionen werden. Die Auswahl unserer Skizze bestätigt diesen gemeinsamen Ansatz“, sagt Kasnitz.Erfahrungen aus Wiedervernässung, Wassermanagement, Paludikultur, Flächenmanagement und Vermarktung sollen deshalb künftig über Praxisflächen, Betriebsbesuche, Führungen und Fachveranstaltungen weitergegeben werden.

Noch ist die Förderung allerdings nicht endgültig bewilligt. Gemeinde, Landvolk und ZukunftMoor müssen ihre Projektskizze nun zu einer vollständigen Vorhabenbeschreibung weiterentwickeln. Erst nach erfolgreichem Abschluss dieses Verfahrens kann die Umsetzung beginnen. Die Projekte werden dabei vom niedersächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium sowie vom Regionalbüro ANK des NLWKN begleitet. Die Vereinbarungen mit dem Bund sollen nach derzeitiger Planung noch in diesem Jahr geschlossen werden. Die Arbeit in den Leuchtturmregionen könnte dann Anfang 2027 beginnen.


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