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Lena Stehr

Alt und arm

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer und sind häufiger von Altersarmut betroffen.

Frauen sind trotz Arbeit häufig von 
Altersarmut betroffen

Frauen sind trotz Arbeit häufig von Altersarmut betroffen

Bild: www.depositphotos.com/weyo

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer und sind häufiger von Altersarmut betroffen. Darauf wird mit dem „Equal Pay Day“ am 7. März und dem Internationalen Weltfrauentag am 8. März hingewiesen.

Der „Equal Pay Day“ markiert symbolisch die geschlechtsspezifische Lohnlücke, den sogenannten Gender-Pay-Gap. Laut Statistischem Bundesamt liegt dieser aktuell in Deutschland bei 18 Prozent. Die Gründe, warum Frauen weniger verdienen als Männer sind vielfältig: Sie arbeiten häufiger in Branchen und Berufen, in denen schlechter bezahlt wird, sie erreichen seltener Führungspositionen, übernehmen mehr unbezahlte Arbeit (Kinderbetreuung, Hausarbeit, Pflege von Angehörigen) und arbeiten daher häufiger als Männer in Teilzeit und in Minijobs oder unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit (häufiger und länger) und verdienen deshalb im Durchschnitt pro Stunde weniger.

 

Weniger Gehalt bedeutet auch weniger Rente

 

Das hat zur Folge, dass sie später auch weniger Rente bekommen als Männer. In Deutschland beträgt die Rentenlücke, der sogenannte Gender Pension Gap, im Durchschnitt 49 Prozent. Frauen erhalten also 49 Prozent weniger Rente als Männer.

Besonders alarmierend: Jede dritte Frau mit einer Vollzeitstelle in Deutschland steuert laut Bundesarbeitsministeriums auch nach 40 Arbeitsjahren auf eine Rente von weniger als 1.000 Euro netto zu. Rund 2,7 Millionen Frauen sind davon betroffen. In Niedersachsen erhielten laut DGB Rentenreport 2020 71 Prozent aller Frauen, die 2018 in Niedersachsen in Altersrente gingen, Bezüge unterhalb von 900 Euro.

 

Strukturen müssen sich ändern

 

Besonders problematisch sei das für Frauen, die jahrelang finanziell abhängig vom Ehemann waren und sich kein eigenes finanzielles Polster gebildet hätten, sagt Miriam Bömer, die als Frauensekretärin bei der DGB-Region Bremen-Elbe-Weser im Bereich Gleichstellungspolitik auch für die Regionen Osterholz und Rotenburg zuständig ist. „Unser System ist leider immer noch so ausgerichtet, dass es zu viele Anreize gibt, sich auf den Mann zu verlassen, aber Ehen werden nun mal immer häufiger auch geschieden“, sagt Bömer und spricht insbesondere das Ehegattensplitting an.

Natürlich sei es wichtig und hilfreich, wenn Frauen privat vorsorgen, doch es dürfe nicht den Frauen angelastet werden, dass sie in Altersarmut rutschen, findet Miriam Bömer. Stattdessen müssten sich die Strukturen grundlegend ändern und ein Kulturwandel stattfinden. Unter anderem sollte die Elternzeitregelung - zum Beispiel nach finnischem Vorbild - paritätischer verteilt werden, sagt Bömer. Die volle Zeit würde es dann nur geben, wenn Mütter und Väter sie genau gleich unter sich aufteilen. Dadurch wäre dann auch das Risiko für Arbeitgeber in Bezug auf die Familienplanung immer gleich hoch, egal ob ein Mann oder eine Frau eingestellt würde.

Für mehr Gleichstellung würden auch Tarifverträge sorgen, denn Frauen seien häufig schlechter als Männer darin, ihr Gehalt selbstbewusst zu verhandeln, sagt Miriam Bömer. Zudem sollten Gehälter noch transparenter werden und das typisch deutsche Tabu über Gehälter zu sprechen, sollte endlich fallen. „Grundsätzlich sollten Frauen sich politisch dafür engagieren, dass die Strukturen sich ändern, der Internationale Frauentag ist ein guter Anlass das zu tun“, sagt Bömer.

 

Keine falsche Scham

 

Und sie sollten auch mutiger werden und verstehen, dass sie sich nicht schämen müssten, wenn sie von Altersarmut betroffen sind, betont Wolf-Rüdiger Baumgarten vom Seniorenbeirat Bremervörde. Aus seiner Erfahrung seien viele Frauen, denen womöglich mehr Geld im Alter zusteht, eher zurückhaltend und zögern, sich Hilfe zu suchen. Häufig seien es daher deren Angehörige, die sich bei den Ehrenamtlichen vom Seniorenbeirat melden. „Wer in einer Notlage ist und nicht weiter weiß, kann sich vertraulich an uns wenden“, sagt Baumgarten. Manchmal gebe es doch noch Möglichkeiten, unterm Strich mehr Geld herauszubekommen.

Um Frauen zu bewegen, sich selbst abzusichern, verteilt die Osterholzer Gleichstellungsbeauftragte Katja Lipka übrigens anlässlich des Frauentags Broschüren mit Finanztipps speziell für Frauen an alle Mitarbeiterinnen der Kreisverwaltung. Die Tipps gibt es auch online auf www.mein-geld-meine-entscheidung.de.

 

Hilfe für Seniorinnen

 

Wolf-Rüdiger Baumgarten vom Seniorenbeirat steht Seniorinnen unter Tel. 04761/2289 mit Rat und Tat zur Seite.

In Osterholz-Scharmbeck ist Harry Schnakenberg als Vorsitzender des Seniorenbeirats unter der Telefonnummer 0172/4220159 zu erreichen.


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