Zwischen Werkhalle und Verantwortung

Eva Kairies 19
Der Regionalausschuss Osterholz der IHK Elbe-Weser traf sich zu seiner jüngsten Sitzung in den Sozialräumen des Betriebes Schrage GmbH Metallspritz- und Schweißtechnik.
Ulrike Schrage führte den IHK-Regionalausschuss durch ihre Schweiß- und Metallspritzhallen. Hinter ihr die Vorsitzenden Birgit van Aken und Simone Schröter.

Ulrike Schrage führte den IHK-Regionalausschuss durch ihre Schweiß- und Metallspritzhallen. Hinter ihr die Vorsitzenden Birgit van Aken und Simone Schröter.

Bild: Ek

Osterholz-Scharmbeck. „Frauen in Führung“ sei das Wunschthema der beiden Vorsitzenden des ehrenamtlichen Regionalausschusses, Birgit van Aken und Simone Schröter. „Hierbei soll es nicht um Emanzipation oder Gleichstellung gehen, sondern um das, was wir Frauen können und was wichtig ist“, sagt van Aken. „Und dass es Frauen geben muss, denn der weibliche Faktor ist wichtig.“ Die Frau an der Spitze von Schrage GmbH, Ulrike Schrage, führte ihre rund 20 Gäste durch die Schweißerei, die eigene Firma Anlagenbau, zeigte die Geräte und Einrichtungen für Metallspritztechnik und führte durch die konventionelle Dreherei und Fertigstellung. Schrage könne hochklassig klassisch schleifen, aber auch genau mit der CNC-Technik arbeiten. Auf er Schrage-Homepage wird erklärt: „Seit fast 50 Jahren halten wir industrielle Maschinen und Antriebe funktionsfähig und schützen sie vor Verschleiß und Korrosion. Nachhaltig ihre Produktivität zu erhalten ist seit jeher unser Unternehmenszweck.“ Kurz: „Meine Schlosser machen aus Scheiße Gold“, sagt die alleinige Gesellschafterin stolz während der Führung durch die 3.500 Quardatmeter große Halle, die in knapp 50 Jahren Stück für Stück gewachsen sei. Jedes Stück, jede Maschine, jeden Arbeitsschritt kannte die 57-jährige studierte Volkswirtschaftlerin.

Im Sommer 1971 hatte Otto Schrage seine Firma Metallspritztechnik gegründet und die Halle Stein auf Stein mit nur einem Mitarbeiter ohne großartigen finanziellen Background aufgebaut. „Das war der Anfang für die heutige Schrage-Gruppe, einer Holding mit der Schrage GmbH und der Anlagenbau GmbH.“ 2009 war ihr Vater verstorben. Ulrike Schrage lebte zu der Zeit noch in Nordrhein-Westfalen mit zwei Kindern und Ehemann und bekam den Anruf, bei dem sich gleich die Frage anschloss: „Was machen wir mit der Firma?“ Sie habe vorher nichts mit der Firma am Hut gehabt, denn „mein Vater duldete niemanden neben sich.“ Ulrike Schrages Schwester war für die Übernahme nicht in Frage gekommen und so sagte sie sich „Ich mach‘s“. Damit war sie eingetreten in einen männerdominierten Beruf mit 65 Mitarbeiterin inklusive acht Azubis und hatte von Maschinenbau keine Ahnung. „So habe ich mir zwei Geschäftsführer geholt und bin wissbegierig mitgegangen, bis ich nicht mehr hinterherlief, sondern mich auf gleicher Höhe befand.“

Das technische Wissen werde sie sich in diesem Leben nicht mehr aneignen können, aber „ich habe gelernt, das muss ich auch gar nicht. Ich musste hier nicht die Beste sein, sondern in der Lage, die Besten zu vereinen.“ So habe sie jahrelang zwei bis drei Tage die Firma in Norddeutschland geführt, den Rest der Zeit die Familie in Duisburg. Erst vor fünf Jahren hat sie ihren Wohnsitz in die Kreisstadt verlegt. „Dass das funktioniert hat, habe ich meiner großartigen Mannschaft zu verdanken.“ Heute ist sie die einzige Geschäftsführerin und alleinige Gesellschafterin, unterstützt unter anderem von Fertigungsleiter Jörg Schrage (der zufälligerweise den selben Nachnamen trägt) und Betriebsleiter Torsten Spalek – „die brauche ich auch“. Bei Frauen in Führungspositionen gehe es nicht um Männer gegen Frauen, sondern „es geht um Kompetenzen“. Es sei an ihrem Anfang auch nicht einfach gewesen, „aber ich bin nun mal wie ich bin. Authentisch, sabbeln kann ich. Und ich brenne für diese Firma.“

Im Anschluss tauschten sich die IHK-Ausschussmitglieder über Details aus, die gut übernommen werden könnten. Nicola Illing von der Metropolregion Nordwest konnte die Anwesenden über Projekte und Akteure unterrichten und auch, dass man auf der Suche nach Projekten sei, die ausdrücklich keine Frauenprojekte seien. „Wir wollen Berufsorientierung ohne Klischees bieten, Frauen sichtbarer machen.“ Die Stimme der regionalen Wirtschaft soll in Berlin mithilfe der IHK hörbar gemacht werden, „dazu bietet sich das Ehrenamt in der IHK an“, warben Birgit van Aken und Simone Schröter.