Zwei Wege, ein Amt

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Im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck kandidieren Pastorin Lara Schilde und Oberkirchenrat Marcus Garras für das Amt des Superintendenten.

Osterholz-Scharbeck. Pastorin Lara Schilde und Oberkirchenrat Marcus Garras haben für sich in zwei Aufstellungsgottesdiensten der Gemeinde präsentiert. Beide fanden in der St.-Willehadi-Kirche in Osterholz-Scharmbeck statt.

Zur Wahl am 10. April hat der Wahlausschuss des Kirchenkreises beide vorgeschlagen, wie die Vorsitzende Heike Schumacher mitteilte. Die neue Leitungsperson wird von den 50 Mitgliedern der Kirchenkreissynode in einer kirchenrechtlich vorgesehenen, nicht-öffentlichen Sitzung gewählt.

Blick nach vorn

Der Aufstellungsgottesdienst von Pastorin Lara Schilde fand am Sonntag Okuli statt. Die 41-Jährige ist seit zehn Jahren Pastorin in Bexhövede und Bramel und bringt Leitungserfahrung aus dem Kirchenkreis Wesermünde mit, unter anderem als stellvertretende Superintendentin, frühere Kirchenkreisjugendpastorin und Vikariatsleiterin.

In ihrer Predigt sprach sie über den „Blick nach vorn“ in der Nachfolge Jesu und fragte danach, wo Menschen heute ihren Fokus setzen – bei Sorgen, bei Einflussmöglichkeiten oder im eigenen Verantwortungsbereich. Beispiele aus Social Media, Ehrenamt und eigener Biografie verband sie zu einem Bild von Glauben, der im Alltag ansetzt und dort kleine, aber spürbare Kreise zieht.

Bild der Mutter

Eine Woche später, am Sonntag Lätare, hielt Oberkirchenrat Marcus Garras seinen Aufstellungsgottesdienst. Garras (58) arbeitet seit 2018 im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland in Hannover und leitet dort das Regionalreferat für Nord-, Mittel- und Südamerika; zuvor war er Gemeindepfarrer in Wilstedt/Tarmstedt im Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck und hat in der ökumenischen Arbeit des Missionswerks ELM, unter anderem in Peru, gewirkt.

Seine Predigt spannte den Bogen von Glücksmomenten, die man am liebsten anhalten würde, über den Fall der Berliner Mauer und aktuelle gesellschaftliche Spannungen bis hin zu biblischen Erfahrungen von Vertreibung, Rückkehr und neuer Hoffnung. Er beschrieb Gottes Zuspruch mit dem Bild einer Mutter, die ihr Kind hält, wenn nichts mehr zu erklären ist.

Beide Gottesdienste wurden von viel Musik, der Scharmbecker Kantorei und der Organistin Caroline Schneider-Kuhn geprägt; die Kirche war jeweils sehr gut gefüllt. Im Anschluss blieb die Gemeinde bei Kaffee, Tee und Gebäck beisammen, nutzte die Zeit zum Kennenlernen, zum Wiedersehen und zu ersten Gesprächen über das Gehörte. So entstand ein Raum, in dem sich zwei unterschiedliche Biografien und Predigtstile zeigen konnten, ohne in Konkurrenz gesetzt zu werden.

Am Ende werden die Synodalen entscheiden, wem sie das Amt der Leitung des Kirchenkreises anvertrauen. Die Eindrücke aus den Aufstellungsgottesdiensten und aus den Begegnungen an diesen Nachmittagen geben ihnen dafür ein kleines Bild mit auf den Weg zur größeren Vorstellung während der Sitzung.