Wenn die Lust auf der Strecke bleibt

Sandra Fricke Neu

Burn & Learn - Die Stresskolumne von Sandra Fricke.

Stress und Sex – ein heikles Thema. Wer spricht schon gerne darüber, dass es im Bett nicht klappt? Dabei ist Sexualität für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil einer Beziehung. Fehlt sie dauerhaft, kann das eine Partnerschaft massiv belasten oder sogar zum Scheitern bringen.

Wer kennt es auch: Unter Stress habe ich schlicht keine Lust. Und das ist völlig normal.

Wer in der Steinzeit ein Mammut jagen oder mit einem Säbelzahntiger kämpfen musste, brauchte der Körper sämtliche Reserven für diese Überlebensmomente – Fortpflanzung hatte da keine Priorität. Danach kam die Regeneration, die Ruhephase, das Wiederauftanken. Nur: Was passiert, wenn es diese Pausen nicht mehr gibt? Wenn der Alltag eine einzige Abfolge von Terminen, Druck und Sorgen ist? Dann bleibt auch für Zweisamkeit keine Energie übrig.

Was unseren Körper angeht leben wir immer noch in der Steinzeit. Selbst wenn der Kopf wollte – der Körper macht nicht mit. Denn bei Dauerstress regieren Hormone wie Cortisol und Adrenalin. Sie halten uns im „Kampf- und Fluchtmodus“. Lusthormone wie Testosteron oder Östrogen geraten ins Hintertreffen. Das Resultat: sexuelle Unlust, Funktionsstörungen, Frust auf beiden Seiten.

Dass Stress tatsächlich ein Lustkiller sein kann, belegen auch wissenschaftliche Untersuchungen: In einer 14-tägigen Studie mit Paaren zeigte sich, dass höheres Stressniveau mit weniger sexuellem Verlangen und geringerer Erregung einherging – besonders bei Frauen.

Und Stress hört nicht an der Schlafzimmertür auf. Wenn Überforderung, Ängste oder Sorgen den Alltag bestimmen, fehlt oft auch die Nähe im Alltag: das Gespräch, die Umarmung, die Intimität. Sex wird dann zur Pflicht oder verschwindet ganz – und beide Partner fühlen sich unverstanden.

Immer wieder im Leben gibt es Zeiten, da spüren wir, das die Verbindung fehlt, weil wir nur noch funktionieren. Erst wenn wir den Stress im Alltag reduzieren und bewusst Pausen zulassen, entsteht auch wieder Raum für Lust und Nähe.

Mein Tipp:

Plant feste Paarzeiten ein – Momente ohne Termindruck, ohne Handy, ohne Verpflichtungen. Zeit nur für Gespräche, Nähe, gemeinsames Lachen. Manchmal ist schon ein Spaziergang oder ein Abend ohne Ablenkung der erste Schritt zurück zu einem erfüllten Miteinander. Denn Lust entsteht nicht auf Knopfdruck: Sie wächst dort, wo Raum, Ruhe und echte Verbindung vorhanden sind.