Vom Aufregen und Lachen
Ritterhude. Vielen ist der Schauspieler und Komiker Hans-Joachim Heist vor allem als Gernot Hassknecht aus der ZDF-“heute-show“ bekannt. In seinem Bühnenprogramm widmet er sich bissigen, satirischen Gedichten und Geschichten. Im Interview spricht Heist über das Aufregen, das Lachen, seine bekannte Rolle und die Nähe zum Publikum.
Herr Heist, was erwartet das Publikum?
Bissige, satirische Gedichte und Geschichten. Das Programm hat einen hohen Unterhaltungswert mit viel Lachpotenzial – von Tucholsky „Die Kunst zu Reisen“, Eugen Roths Gedichte über die menschliche Natur, bis hin zu den Auswüchsen des typisch deutschen Humors. Einen wichtigen Teil des Programm nehmen Gernot Hassknechts Beschwerdebriefe ein.
Was bringt Hans-Joachim Heist zuverlässig zum Lachen, obwohl es eigentlich gar nicht lustig sein sollte?
Einige satirische Gedichte von Heinz Erhardt, die auch im Programm vorkommen.
Über welche Themen konnten Sie vor zehn oder zwanzig Jahren noch lachen, heute aber nicht mehr? Und andersherum: Worüber können Sie heute lachen, das Sie früher viel zu ernst genommen haben?
Über manche Stammtischwitze vor 20 Jahren kann ich heute leider nicht mehr lachen. Heute kann ich über Satire lachen, die auch Ironie und Witz hat.
Was mögen Sie an Auftritten abseits der ganz großen Metropolen?
Kleine Theater und Kleinkunstbühnen, denen ich auch heute noch treu bin und immer wieder gerne dort auftrete. Ich schätze da die Nähe zum Publikum.
Was müsste am Ende des Abends passiert sein, damit Sie sagen: Ritterhude war ein richtig guter Auftritt?
Viele Lacher und am Ende ein großartiger Applaus.
Wie würden Sie das Programm jemandem beschreiben, der Sie bislang vor allem als Gernot Hassknecht kennt?
Dass ich Satiriker und Autoren zu Wort kommen lasse, die in den letzten Jahrzehnten wunderbare, witzige und gesellschaftskritische Texte und Gedichte geschrieben haben.
Sie haben sehr unterschiedliche Rollen gespielt, trotzdem verbinden viele Menschen Sie sofort mit einer einzigen Figur. Ist eine so erfolgreiche Rolle eher Geschenk oder manchmal auch Einschränkung?
In erster Linie ein Geschenk, aber auch Fluch und Segen zugleich, weil man als Schauspieler auch ganz schnell in einer Schublade landet.
Gernot Hassknecht lebt davon, dass er sich über Dinge aufregt. Worüber regt sich Hans-Joachim Heist tatsächlich auf?
Da ich auf Tour sehr viel mit der Bahn und dem Auto unterwegs bin, gibt es da für mich sehr viele wunderbare Aufreger.
Hören Sie manchmal den Satz „Da kommt jetzt aber der Hassknecht durch“?
Ja, von meiner Frau!
Wenn Sie sich in drei Sätzen jemandem vorstellen müssen, der noch nie zuvor von Ihnen gehört hat, was würden Sie sagen?
Mein Beruf ist Gesichtvermieter und Textaufsager. Ich bringe Menschen von Berufswegen zum Lachen. Es mir eine Freude, Menschen zu unterhalten.
Was waren die drei Momente/Zeiten in Ihrem Leben, die Sie als Mensch privat und beruflich am meisten geprägt haben?
Erstens die Entscheidung, Schauspieler zu werden, zweitens eine Familie zu gründen und drittens immer noch auf der Bühne und vor der Kamera stehen zu dürfen.
Was ist schwieriger auf der Bühne: Menschen zum Lachen zu bringen oder sie erst einmal dahin zu bekommen, das ihnen das Lachen vergeht?
Ganz klar die Leute zum Lachen zu bringen.
Was war das schönste Kompliment, das Sie einmal von einem Zuschauer bekommen haben – und was das merkwürdigste?
Sie sind meine Lieblingsfigur in der „heute-show“! Endlich sehe ich Sie mal lebendig!
Gibt es einen Moment, vor dem selbst ein sehr erfahrener Bühnenmensch noch Respekt hat?
Ein totales Blackout auf der Bühne.
Satire übertreibt. Gleichzeitig ist die Wirklichkeit in den vergangenen Jahren teilweise selbst ziemlich absurd geworden. Wird es dadurch schwieriger, Satire zu machen? Wo ist jetzt noch die Grenze zwischen einer guten Provokation und bloßer Empörung? Muss Satire Ihrer Meinung nach in erster Linie lustig sein oder darf sie auch einfach unangenehm sein?
Ich finde, Satire sollte witzig und dabei auch unangenehm sein. Das eine muss das andere ja nicht ausschließen. Diese sogenannte Sprachpolizei, die sich in den letzten Jahren zu wichtig nimmt. Ich lasse mir ungern vorschreiben, was und wie ich etwas zu sagen habe.
Kurz und knackig: Entweder – oder?
Kaffee oder Tee?
Tee.
Bühne oder Fernsehen?
Bühne.
Applaus oder Gelächter?
Lachen und Applaus.
Improvisiert oder textsicher?
Wer improvisiert, sollte unbedingt textsicher sein.
Einen schlechten Witz erzählen oder einen schlechten Witz erzählt bekommen?
Einen schlechten Witz gut erzählen.
Danke für das Gespräch.
Hans-Joachim Heist tritt am Sonntag, 18. Oktober, um 19.30 Uhr im Hamme Forum auf. Tickets für die Veranstaltung gibt es unter hammeforum.de

