Starker Partner der Natur
Osterholz-Scharmbeck. Tatsächlich standen gleich drei Meilensteine im Mittelpunkt: 40 Jahre Vereinsgeschichte, 25 Jahre Koordinationsstelle für naturschutzfachliche Verbandsbeteiligung (KNV) und 10 Jahre ökologische Station. Zusammen sind das 75 Jahre gelebter Einsatz für Natur- und Umweltschutz in der Region.
Der Vorstandssprecher Dr. Hans Gerhard Kulp und Geschäftsführerin Dr. Christina Muck begrüßten zahlreiche Gäste aus Politik, Bildung und Naturschutz, darunter Vertreter der Trägervereine, der 20 BIOS-Schulen und der Naturschutzbehörden.
Vom Graswurzelprojekt zum Kompetenzzentrum
Was in den 1980er Jahren aus einer überverbandlichen Graswurzelinitiative entstand, ist heute eine vielseitige Institution: Naturschutzzentrum, Gutachtenbüro, Umweltbildungsstätte und Koordinationsstelle. Die BIOS, mit Sitz in der denkmalgeschützten Mühle von Rönn, betreut als ökologische Station mit Landesförderung sämtliche Schutzgebiete im Landkreis Osterholz und im Südkreis Cuxhaven – insgesamt 15.000 Hektar. Ihr leistungsfähiger Gutachtenbereich arbeitet von Naturerbeflächen bis zur Nationalparkverwaltung im Wattenmeer. Dank eingeworbener Drittmittel wurden in den letzten Jahren rund zwei Millionen Euro in Maßnahmen vor Ort investiert. Ein Meilenstein war auch die Gründung der KNV im Jahr 2000 durch BUND, NABU und die Jägerschaft. Heute bündelt das Netzwerk neun Verbände, um als schlagkräftiger Partner für die Natur aufzutreten. Ein früher Erfolg: 2005 wurde ein geplanter Torfabbau verhindert, nachdem ehrenamtliche Begehungen nachwiesen, dass es sich um schützenswertes Nassgrünland und ein Brutgebiet des Kiebitzes handelte. Heute ist die Fläche Teil eines Landschaftsschutzgebietes.
Umweltbildung, die Spuren hinterlässt
Ein Herzstück der BIOS ist die Umweltbildung. Unter dem Motto „Lernen mit Gummistiefeln“ werden Kinder und Jugendliche für die Natur begeistert. „Ein Arbeitsblatt über das Moor ist super – aber mit Gummistiefeln im Moor ist unvergesslich“, brachte es ein Redner auf den Punkt. Allein 2027 wurden über 360 Bildungsangebote durchgeführt. Projekte wie „Weltkids“ oder das Apfelsaftpressen schaffen eine starke emotionale Bindung und zeigen, dass eigenes Handeln Wirkung entfaltet. Jedes Grundschulkind aus der Stadt nimmt im Laufe seiner Schulzeit siebenmal an BIOS-Projekten teil, doch die Nachfrage übersteigt die Kapazitäten.
Naturschutz im Spannungsfeld
Fachvorträge beleuchteten die aktuellen Herausforderungen. Während sich der Schwarzstorch erholt, stehen zahlreiche Arten auf der Roten Liste. Naturschutzgebiete sind oft zu klein und isoliert. Besonders kritisch sehen Experten die politische Entwicklung auf Bundesebene: Unter dem Stichwort „Beschleunigung“ droht durch die Ampelkoalition eine Aushöhlung des Artenschutzes, etwa durch die Öffnung von Landschaftsschutzgebieten für Windenergie und den Abbau von Umweltprüfungen. Kritiker befürchten, dass die seit fast 50 Jahren bewährte Eingriffsregelung, die einen Ausgleich für Eingriffe in die Natur vorschreibt, aufgeweicht werden könnte.
Angesichts dieses politischen Gegenwinds sei das lokale Engagement umso wichtiger, so der Tenor der Veranstaltung. Die BIOS beweist mit ihrem Team aus über 30 Mitarbeitenden und vielen Ehrenamtlichen, wie erfolgreicher Naturschutz und Umweltbildung funktionieren können. Nach dem Festakt im Rathaus lud die BIOS die Gäste zu einem Fußmarsch zur Mühle ein, wo der Tag bei einem Mittagsimbiss, einem Konzert des „Orchesters des Wandels“ und Kaffee und Kuchen ausklang. Als symbolisches Geschenk der Stadt für die Zukunft wurde bereits ein Baum auf dem BIOS-Gelände gepflanzt.

