Kleine Helden, großer Einsatz
Landkreis.Ob Löschangriff mit der Kübelspritze, Basteln am Nachmittag oder der erste stolze Blick ins Feuerwehrhaus: Die Kinderfeuerwehren in unserer Region erleben derzeit einen echten Zulauf. Was vor einigen Jahren noch als kleines Nischenangebot einzelner Ortswehren begann, hat sich längst zu einer festen Größe im Vereinsleben entwickelt – mit Wartelisten, neuen Gruppen und jeder Menge Begeisterung.
Niedersachsen setzt auf Nachwuchs
Der Trend zeigt sich nicht nur vor Ort, sondern in ganz Niedersachsen. Ende 2025 gehörten den 1.246 Kinderfeuerwehren im Land 22.493 Mädchen und Jungen an – ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zusammen mit den Jugendfeuerwehren kommt Niedersachsen mittlerweile auf fast 55.000 junge Mitglieder, gut ein Drittel davon Mädchen. Der Landes-Kinder- und Jugendfeuerwehrwart spricht von einer beeindruckenden Entwicklung, die zeige, wie attraktiv das Angebot für junge Menschen inzwischen geworden ist.
Spiele, Wettbewerbe und viel Begeisterung im Kreis
Auch im Landkreis Rotenburg (Wümme) ist die Nachwuchsarbeit spürbar gewachsen. Die Kreis-Kinder- und Jugendfeuerwehr koordiniert und unterstützt die Ortsgruppen mittlerweile kreisweit. Ein schönes Beispiel lieferte kürzlich Visselhövede: Bei den „Spielen ohne Grenzen“ traten die Kinderfeuerwehren aus neun Orten – darunter Bothel, Scheeßel, Zeven und Visselhövede selbst – erstmals gegeneinander an. Becherschießen mit der Kübelspritze, ein Wasser-Parcours und der berühmte Golfball im Feuerwehrschlauch sorgten für leuchtende Augen bei den Kleinen, die am Ende alle stolz mit Urkunde und Medaille nach Hause gingen.
Ähnliches berichtet der Nachbarkreis Osterholz: Dort setzt man angesichts des demografischen Wandels bewusst früh an und macht schon Sechs- bis Zehnjährigen spielerisch Lust auf „ihre“ Feuerwehr. Dass das Konzept ankommt, zeigen die Rückmeldungen aus den Ortswehren: In Osterholz-Scharmbeck bedankte sich die Kinderfeuerwehr zuletzt bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern, in Neu Sankt Jürgen wurde sie im vergangenen Jahr erfolgreich neu aufgestellt.
Im Gespräch mit der neuen Kinder- und Jugendwartin
Wie groß die Begeisterung vor Ort tatsächlich ist, weiß Lina Kuschel aus erster Hand. Sie hat kürzlich die Aufgabe der Kinder- und Jugendwartin der Freiwilligen Feuerwehr Zeven übernommen und damit die Verantwortung für die Nachwuchsarbeit in der Samtgemeinde. „Mein Ziel ist es, die Kinder- und Jugendarbeit in der Samtgemeinde Zeven weiter zu stärken und zukunftsfähig aufzustellen“, sagt Kuschel. Dabei möchte sie die Zusammenarbeit zwischen den Ortsfeuerwehren fördern und den Kindern und Jugendlichen mithilfe engagierter Betreuer-Teams attraktive, abwechslungsreiche Aktivitäten bieten. Eine Herausforderung bleibe die Konkurrenz zu anderen Freizeitangeboten: „Umso wichtiger ist es, eine moderne, offene und lebendige Kinder- und Jugendarbeit anzubieten, in der Gemeinschaft, Spaß und persönliche Entwicklung im Mittelpunkt stehen. So schaffen wir die Grundlage dafür, auch in Zukunft engagierte Nachwuchskräfte für die Feuerwehr zu gewinnen.“ Im Gespräch erzählt sie außerdem, was die Kinderfeuerwehr so besonders macht:
Frau Kuschel, warum sind die Sechs- bis Zehnjährigen mit so viel Begeisterung dabei?
„Ich glaube, die Mischung macht es aus. Die Kinder erleben spannende und abwechslungsreiche Dienste, können spielerisch die Feuerwehr kennenlernen und selbst aktiv werden. Gleichzeitig steht der Spaß immer im Vordergrund.“ Besonders wichtig sei aber das Gemeinschaftsgefühl, betont Kuschel: „Die Kinder schließen Freundschaften, lernen im Team zusammenzuarbeiten und merken, dass jeder wichtig ist. Sie dürfen Neues ausprobieren, kleine Herausforderungen meistern und wachsen dabei über sich hinaus.“
Was möchten Sie den Kindern über das Feuerwehrwissen hinaus mitgeben?
„Wichtig ist, den Kindern Werte wie Teamgeist, Hilfsbereitschaft, Respekt, Verantwortung und Zuverlässigkeit mitzugeben. Sie lernen, dass man gemeinsam mehr erreicht, Rücksicht aufeinander nimmt und sich gegenseitig unterstützt.“ Gleichzeitig stärkten die Kinder ihr Selbstvertrauen, indem sie neue Aufgaben meistern und Verantwortung übernehmen – Erfahrungen, die ihnen nicht nur in der Feuerwehr hülfen, sondern auch im Alltag: in der Schule, im Umgang mit anderen Menschen und später im Berufsleben.
Was raten Sie Eltern, deren Kinder Interesse haben, aber noch unsicher sind?
„Schauen Sie es sich gemeinsam mit Ihrem Kind einfach einmal an. In der Kinderfeuerwehr geht es nicht darum, sofort Feuerwehrfrau oder Feuerwehrmann zu werden, sondern darum, spielerisch zu lernen, Freundschaften zu knüpfen und Teil einer starken Gemeinschaft zu sein.“ Jedes Kind werde entsprechend seines Alters gefördert, so Kuschel. Wer einmal reinschnuppern möchte, sei herzlich willkommen – oft merke man schon nach den ersten Treffen, wie viel Freude die Kinder daran haben.
Der Einstieg ist denkbar einfach
Mitgliedsbeiträge werden in der Regel nicht erhoben, Übungsmaterial und Kleidung stellt die jeweilige Kommune. Ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr können Kinder mit dem Einverständnis der Eltern einsteigen, mit zehn Jahren steht dann der Wechsel in die Jugendfeuerwehr an – für viele der Beginn einer langen Geschichte im Ehrenamt. Wer neugierig geworden ist, muss dafür nicht lange suchen: Die Ortsfeuerwehren freuen sich über kleine Gäste, die einfach mal reinschnuppern wollen




