Gutes Storchenjahr
Landkreis Osterholz. „Im Landkreis Osterholz gibt es zurzeit zirka 80 Storchenbrutpaare“, berichtete Ortwin Vogel, Storchenbeauftragter im Landkreis Osterholz vom NABU. „1996 waren es nur noch drei Brutpaare.“
Der rasante Anstieg sei darauf zurückzuführen, dass in Spanien nach seinem Eintritt in die EU 1986 ein tödliches Heuschreckengift verboten wurde. Das töte nämlich auch die durchziehenden Störche, die die toten Heuschrecken fraßen. Nach dem Verbot habe sich der Storchenbestand wieder erholt.
Zusätzlich mussten bis 2012 in Niedersachsen alle tödlichen Mittelstromleitungen unter die Erde verlegt werden. In südlichen Ländern wurden diese gefährlichen Leitungen zum Teil entschärft. Ein großes Glück für die imposanten Vögel.
Zwei Neuansiedlungen
Die ersten Störche kamen, wie in den vergangenen Jahren, Anfang Februar aus ihren Winterquartieren in Spanien und Frankreich zurück. Anschließend traf der Hauptwestzug der Störche aus Westafrika, aus Marokko, dem Senegal und umliegenden Staaten, ein.
Ab Mitte März kamen die sogenannten „Ostzieher“ aus dem Sudan, Südafrika und Umland, um ihre Brutnester im Landkreis Osterholz aufzusuchen. Es wurde Zeit, denn schon Mitte Mai war wieder Schluss mit einer erfolgreichen Storchenbrut. „Die Jungstörche aus den letzten beiden Jahren kommen auch jetzt noch in Trupps an.“ Was Ortwin Vogel in diesem Jahr auffällt, ist, dass die Jungstörche ohne Bruterfolg im letzten Jahr ihre damaligen Nester nicht mehr aufsuchen, sondern die Nester von Altstörchen besiedeln, die nicht heimkehrten. „Die fehlenden Altstörche fielen offenbar der Vogelgrippe in Afrika zum Opfer“, so der Storchenexperte.
Zwei Neuansiedlungen von Störchen verzeichnete er bisher an der Seeberger Landstraße und in Osterholz-Scharmbeck auf dem Schornstein der ehemaligen Zigarrenfabrik.
Zwölf besetzte Storchennester zählt er zurzeit im Tierpark Ludwigslust. In den Nestern auf unterschiedlichen Höhen und einem Nest am Boden kann man den dicken flauschigen Nachwuchs der Adebars besonders gut bewundern.
Während ihrer Verweildauer im Landkreis Osterholz ernähren sich Störche im Frühjahr hauptsächlich auf den Wiesen von Regenwürmern und Käfern. Heuschrecken und Mäuse stehen außerdem bis zum Spätsommer auf der Speisekarte. „Frösche weniger, da es diese nicht mehr so reichlich gibt“, stellte Ortwin Vogel fest.
Im Herbst fliegen alle Störche wieder in ihre wärmeren und nahrungsreicheren Überwinterungsgebiete.

