Ein Café für alle

Eva Kairies 13
Ein neues Café in Worphausen öffnet seine Türen und setzt auf Begegnung, Teilhabe und gemeinsames Erleben.
Kann losgehen! Betriebsstättenleiterin Louisa Happe und Vorstand Stiftung und Leben Ralf Demuth.

Kann losgehen! Betriebsstättenleiterin Louisa Happe und Vorstand Stiftung und Leben Ralf Demuth.

Bild: Ek

Worphausen. Was für ein schönes Gebäude und ein Café: Unter einem großzügigen Schmetterlingsdach hat die Stiftung Leben und Arbeiten an ihrem Standort in Worphausen, dem Niels-Stensen-Hau, ein lichtdurchflutetes Café in hellen bunten Farben eingerichtet. Das Beste daran: Es ist offen für alle – für Menschen mit und ohne Behinderung.

„Dieses Gebäude ist als Café bereits 2019 geplant und gebaut worden“, erzählt Louisa Happen, Betriebsstättenleiterin der Werkstätten. „Im Herbst nach der Errichtung hatten wir einen internen Anlauf mit Frühstück und Café für Klienten, Bewohner und Beschäftigte. Wenn alles intern eingespielt gewesen wäre, sollte unser Café Niels öffentlich werden.“ Doch Corona machte dem Café Niels einen Strich durch die Rechnung. Vorstand Ralf Demuth, selbst erst seit zwei Jahren beschäftigt bei der Stiftung, lernte das Gebäude als Büro und Räumlichkeiten für Seminare für die Heilerziehungspflegerausbildung kennen.

 

Ort für Begegnung

Nun wurde die Ursprungsidee seit dem Spätsommer des vergangenen Jahres wieder kräftig angeschoben, denn „Worphausen ist in reiner Durchfahrtsort ohne Ortskern. Das Niels-Stensen-Haus könnte so ein Ortskern werden, denn es zieht mit dem Europa-Rundweg und dem Versorgungszentrum durchaus Menschen von außerhalb an. Das Café ist da eine sehr gute Ergänzung“, sagt Happe. Demuth führt aus, dass das Niels-Stensen-Haus eine tolle Einrichtung sei, die bei zu wenigen Menschen bekannt sei. „Wi denken über einen Tag der offenen Tür nach, da ist so ein Café ein sehr guter Verstärker.“

Im September 2025 verlor das Gebäude den Büro-Charme, als die Drucker und die Schreibtische geräumt wurden. „Wir haben alles geputzt und gestrichen, und dann wurde das Café ausgestattet mit Tresen, Geschirr, Geräten und Mobiliar unter anderem aus Kreuzfahrtschiffen oder Privatspenden.“ Die zukünftigen Mitarbeitenden des Cafés, allesamt Bewohner und Beschäftigte der Stiftung Leben und Arbeiten, wurden geschult im Umgang mit Geld, Lebensmitteln sowie Hygiene und durchliefen vor der Einstellung ein grundlegendes Praktikum, ob sie für diesen Job geeignet sind. Diese Café-Arbeit verbinde viele Entwicklungsziele der Beschäftigten mit den Werkstattangeboten, so Happen. „Und mit dem Kassensystem umzugehen macht den Café-Mitarbeitenden besonders Spaß“, verrät Demuth.

 

Angebot aus eigener Produktion

Auf den rund 100 Quadratmetern der beiden hellen, lichten Räume können ab sofort um die 40 Besucher Platz finden. Dienstags bis freitags von 8.30 bis 16.30 Uhr, also in den normalen Werkstattzeiten der Besucher und Bewohner, gibt es hier kleine Frühstücksangebote wie belegte Brötchen oder Bowls und Waffeln, Kuchen und Kaffeespezialitäten. Die Bio-Backstube am Mühlenberg, die auf dem Gelände in kleinem Rahmen selbst produziert, liefert eine Großteil der Kuchen und Brötchen. Die Kaffeerösterei Utamtsi, die ebenfalls auf dem Gelände röstet, wird den Kaffee bringen. Ein Mittagstisch wäre natürlich auch schön, „Ideen haben wir noch viele“, versichert der Stiftungsvorstand. Doch Cappuccino, Kaffe Crema und Gebäck werden zunächst die Speisekarte füllen, bis neue Ideen dazukommen.

Die Regale entlang der Wände, teils angefertigt in der eigenen Werkstatt, können nun dauerhaft die Produkte aus allen Werkstätten der drei Standorte der Stiftung, Johannishag, Parzivalhof und Niels-Stensen-Haus, präsentieren: Federmäppchen und Geschirrhandtücher aus der Weberei, Bienenwachskerzen aus der Kerzengießerei, Holzspielzeug und Küchenbrettchen aus der Tischlerei, Grußkarten und bunte Perlenketten aus der bunten Ma(h)lerei, gefilzte Wärmflaschen und Sets aus der Textilwerkstatt und vieles mehr. Die meisten Artikel, ausgestattet mit einem persönlichen Etikett des Herstellers, können hier nun rund ums Jahr erworben werden.

 

Raum für Ideen

Die einladenden Café-Räume können auch für Veranstaltungen wie Geburtstage gebucht werden. „Wir können uns hier auch sehr gut Wochenend-Veranstaltungen wie Kunstausstellungen, Lesungen, Kurse oder andere Treffen vorstellen2, sagt Louisa Happen.

Anfragen und Wünsche können an cafe-niels@leben-arbeiten.de gerichtet werden. „Wir hoffen auf ganz viele Gäste“, freuen sich die beiden, die für ihre 32 Bewohner und 76 Werkstatt-Mitarbeitenden sprechen. Alle Beteiligten freuen sich darauf, ihre und die besonderen Kompetenzen ihrer Bewohner stolz zeigen, anbringen und weiterentwickeln zu dürfen.