Zuhause seit dem ersten Tag
Bremervörde. Caroline Scheele steht am Eingang und hat für jeden Gast etwas vorbereitet. Mit einem kleinen Körbchen in der Hand verteilt sie selbstgemachte bunte Armbänder an die Besucher. Rund 80 Menschen sind gekommen, um mit ihr und den anderen Bewohnern das 40-jährige Bestehen des Lebenshilfe-Wohnhauses an der Heinrich-Zille-Straße zu feiern.
Für Scheele ist das Haus vor allem eines: ihr Zuhause. „Ich mag es sehr gerne hier“, sagt sie. Besonders wichtig sind ihr die Unternehmungen. Sie liebe Pferde und freue sich, dass sie gemeinsam mit Mitarbeiterin Monique Tietjen regelmäßig beim Reitverein Barchel reiten könne. Auch mit dem Fahrrad sei sie viel unterwegs, etwa zum Einkaufen. Bei der Kommunikation unterstützt sie ein Talker.
An diesem Nachmittag geht es allerdings erst einmal in den Garten. Dort wird gemeinsam gegessen, erzählt und gelacht. Familien und Angehörige, Freunde, Nachbarn und Mitarbeiter feiern mit den Bewohnern. Auch Bremervördes Bürgermeister Michael Hannebacher ist unter den Gästen.
Vom Doppelzimmer zum eigenen Rückzugsort
Am 1. Januar 1986 öffnete das Haus als zweites Wohnangebot der Lebenshilfe Bremervörde/Zeven. Damals zogen 15 Menschen ein, überwiegend in Doppelzimmer. Ein weiteres Zimmer war für Kurzzeitaufenthalte vorgesehen. Zehn Jahre später wurde angebaut. Heute leben 17 Menschen auf zwei Etagen in eigenen, individuell eingerichteten Zimmern. Hinzu kommen gemeinsame Wohn- und Essbereiche, Terrasse und Garten.
Vieles habe sich in vier Jahrzehnten verändert, sagt Sylvia Heitmann, eine der dienstältesten Mitarbeiterinnen. Eines sei jedoch geblieben: „Das hier ist ein Zuhause. Wir haben keinen Heimcharakter.“ Neue Bewohner brächten immer wieder frischen Wind mit. Besonders schätze sie die Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft untereinander. Heitmann kennt das Haus beinahe von Anfang an. Im April 1986 begann sie dort als Praktikantin, später kehrte sie als Heilerziehungspflegerin zurück. Was sie bis heute motiviert, seien die kleinen Entwicklungsschritte der Bewohner. „Du bekommst bei unserer Arbeit so viel zurück“, sagt sie. Zugleich sei die Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten deutlich bürokratischer geworden.
„Alle sind nett“
Auch für Helmut Tiedemann ist die Heinrich-Zille-Straße längst mehr als eine Adresse. Seit elf Jahren lebt er dort. Besonders wichtig seien ihm die gemeinsamen Mahlzeiten in der festen Gruppe. Über sein Leben im Wohnhaus verliert er nicht viele Worte. Dafür sind sie eindeutig: „Die Mitarbeitenden und auch alle, die hier mit mir wohnen, sind nett.“
Dass das Miteinander den Alltag prägt, zeigt sich auch bei der Jubiläumsfeier. Zwischen Cocktailstand, Grillbuffet und Gesprächen im Garten wird weniger eine Einrichtung gefeiert als ein Ort, an dem Menschen seit 40 Jahren gemeinsam leben.

