Wind um die Nase und Kuchen am Ziel
Selsingen. Frische Luft, ein leises Surren und ein Stück Kuchen mit Aussicht: Was nach einem perfekten Nachmittag klingt, bietet Nina Grünewald aus Selsingen älteren Menschen an – ehrenamtlich und mit viel Herz. Ihr „Omatorrad“, ein elektrischer Dreirad-Roller, ist eine Einladung, noch einmal aufzusteigen und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Inzwischen hat die Idee weit über die Samtgemeinde hinaus Aufmerksamkeit gefunden. Im Gespräch mit Lars Feldmann erzählt die ausgebildete Seniorenbegleiterin, wie alles begann.
Frau Grünewald, „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ – daran erinnert der Name. Wie kam es zum Omatorrad?
Das Lied kennen viele, und genau dieses Bild hatte ich im Kopf. Seit 2009 bin ich ehrenamtlich als Seniorenbegleiterin unterwegs. Immer wieder habe ich gehört, dass ältere Menschen sich wünschen, noch einmal Motorrad zu fahren, in die Natur zu kommen oder ein leckeres Eis zu genießen. Dann durfte ich selbst im Frühling mit Freunden in deren Cabrio mitfahren, mit Kuchen und Kaffee in einem Café an der Oste. Pure Freude, Freiheit und Glück – dieses Gefühl wollte ich weitergeben.
Was genau steckt hinter dem Omatorrad?
Ein elektrischer Dreirad-Roller mit Platz für mich als Fahrerin und einen Mitfahrer oder eine Mitfahrerin. Es geht mit maximal 25 Stundenkilometern gemütlich über Geh- und Radwege. Helme oder Gurte sorgen für Sicherheit, und im Stauraum findet sogar der Rollator Platz. Als die Helme geliefert wurden, war das ein kleiner Festtag.
Wohin führen die Ausfahrten?
Das richtet sich nach den Wünschen der Fahrgäste: eine Fahrt ins Blaue durch Feld, Wald und Wiesen, ein Eis oder ein Besuch im Oste-Café in Eitzmühlen. Mit zwei Personen reicht der Akku für rund 20 Kilometer, deshalb bleiben die Ziele in einem Umkreis von etwa zehn Kilometern um Selsingen. Schöne Ecken gibt es dort zum Glück reichlich.
Was kostet so eine Ausfahrt?
Die Ausfahrten sind gegen Spende buchbar. Gebucht wird für eine Person, und natürlich sind auch Opas herzlich willkommen. Wer jemandem eine Freude machen möchte, kann außerdem einen Gutschein verschenken.
Wer darf mitfahren?
Alle, die gern rauskommen und etwas erleben möchten, mit einer Einschränkung leben und deshalb nicht selbst fahren können oder sich über ein nettes Gespräch bei Kaffee und Kuchen am Ziel freuen, sind herzlich willkommen. Auch Angehörige und Freunde melden sich, die etwas Abwechslung verschenken möchten. Wichtig ist mir die Sicherheit: Ich nehme regelmäßig an Erste-Hilfe-Schulungen teil.
Im September war das Omatorrad im LandPark Lauenbrück zu Gast. Wie kam es dazu, und was war das für ein Tag?
Als langjährige Mitarbeiterin des LandParks lag die Idee nahe, auch dort Ausfahrten mit dem Omatorrad anzubieten, denn ich kenne den Park gut und die Wege sind barrierearm angelegt, sodass ich überall fahren konnte. Mit dem Anhänger zog das Omatorrad dann Anfang September von Selsingen in den LandPark Lauenbrück. An festen Terminen habe ich Entdeckertouren mit dem Omatorrad angeboten. Die Ausflüge konnten vorab gebucht werden und dauerten anderthalb Stunden – ganz entspannt und leise vorbei an den Tieren, durch die Gärten und mit spannenden Geschichten aus dem LandPark. Zum Schluss gab es meist Kaffee und Kuchen und ein Erinnerungsfoto an den Ausflug. Insgesamt haben zehn Mitfahrende, 13 Begleitpersonen und vier Hunde den LandPark mit dem Omatorrad entdeckt. Jede einzelne Tour war toll und irgendwie besonders: Eine Gruppe Freundinnen, die gemeinsam eine schöne Zeit im Park verbringen wollte; ein langjähriger ehemaliger Mitarbeiter und seine Frau besuchten den Park nach vielen Jahren noch einmal, und auch sehr junge Mitfahrerinnen und Mitfahrer gab es, die ohne das Omatorrad sicher nicht so viel Spaß gehabt hätten. Denn im Park war das Gefährt oft auch ein „Entdecker-Mobil“ für alle, die nicht so gut zu Fuß sind.
Am 10. Oktober lief in der NDR-Sendung „Nordtour“ ein Beitrag über das Omatorrad. Wie kam es dazu?
Der Redakteur rief mich an, weil er von dem Projekt gelesen hatte. Zu dem Zeitpunkt war das Omatorrad zu Gast im LandPark, daher verabredeten wir uns für den Dreh dort. Über Social Media habe ich dann nach einer netten „Oma“ oder einem netten „Opa“ als Mitfahrerin oder Mitfahrer gesucht – und auch schnell gefunden. Monika Schottke fuhr mit ihrem Hund Maxi mit, und wir drehten gemeinsam mit dem Filmteam eine Entdecker-Runde durch den Park. Das war natürlich sehr spannend, und wir waren etwas aufgeregt, aber alle – auch die tierischen Akteure im Park – haben es toll gemacht! Nach der Ausstrahlung gab es einige Anfragen, und auch Bekannte hatten das Omatorrad im Fernsehen gesehen und sprachen mich begeistert auf die „coole Aktion“ an.
Was ist Ihnen bei den Touren besonders wichtig?
Der Alltag vieler älterer Menschen ist von Eintönigkeit und Einsamkeit geprägt. Das möchte ich ändern, auch wenn es nur für ein paar Stunden ist. Zum Omatorrad gehören deshalb gute Gespräche, ein offenes Ohr für Geschichten und Wünsche und am Ziel gern ein Stück Kuchen. Das kenne ich auch aus meinem tiergestützten Ehrenamt mit meiner Hündin Karla.
Wie lässt sich das Projekt unterstützen?
Mehrere Förderer aus der Region sind schon dabei, dafür bin ich sehr dankbar. Wer das Omatorrad als Förderer ab 100 Euro unterstützt, erscheint mit Namen oder Logo auf der Website und als Aufnäher auf der Omatorrad-Kutte. Eine Spendenbescheinigung kann ich leider nicht ausstellen, weil es mein privates Projekt ist. Auch Senioren- und Tagespflegeeinrichtungen sind als Partner willkommen, um ihren Bewohnerinnen und Bewohnern etwas Besonderes zu bieten.
Was wünschen Sie sich für die Ausfahrten?
Dass die Mitfahrenden genau dieses Gefühl von Freiheit und Freude erleben und wir gemeinsam ein paar tolle Stunden genießen. Es muss ja nicht gleich der Hühnerstall sein.

