Wenn Hilfe Teilhabe möglich macht

red 17

Was mit einem Kind begann, ist zu einem Angebot an 17 Schulen gewachsen – doch die Zukunft der Schulassistenz ist politisch nicht unumstritten.

Am wichtigsten für das Team um die Koordinatorin Carina Schuller, die Schulassistenz Uta Feig, Koordinatorin Annica Wege und Leitung Eeske Claassen sind die Entwicklungen der Schüler:innen.

Am wichtigsten für das Team um die Koordinatorin Carina Schuller, die Schulassistenz Uta Feig, Koordinatorin Annica Wege und Leitung Eeske Claassen sind die Entwicklungen der Schüler:innen.

Bild: Eb

Bremervörde. Schulassistenzen begleiten Kinder und Jugendliche mit Unterstützungsbedarf durch den Schulalltag an Regel- und Förderschulen. Sie sind keine Lehrkräfte, sondern unterstützen je nach Bedarf im sozialen und emotionalen Bereich, bei pflegerischen Aufgaben oder bei der Organisation des Unterrichts. Dabei halten sie sich bewusst im Hintergrund. Ziel ist es, den Schüler:innen so viel Selbstständigkeit wie möglich zu geben und sie nur dort zu unterstützen, wo Hilfe nötig ist.

„Die Zusammenarbeit mit dem Kind ist so bereichernd. Die enge Verbindung, die sich über die Jahre aufbaut, ist einfach nur schön. Jeder Tag ist anders und ich bin mittendrin im Trubel“,sagt Uta Feigl. Sie war die erste Schulassistentin der Lebenshilfe Bremervörde/Zeven. Sie hatte bereits 2015 zunächst im Angebot „Auszeit“ der Assistenz- und Beratungsdienste MOBILE gearbeitet. Etwa ein Jahr später erhielt die Lebenshilfe die Anfrage für eine Schulassistenz für ein Kinde mit Diabetes-Erkrankung. Weil der Kostenträger dafür eine gelernte Kinderkrankenschwester voraussetzt, kam Feigl für diese Aufgabe infrage. „Nach etwas Bedenkzeit haben wir uns alle dafür entschieden und bereut habe ich es nie“, sagt sie.

 

Starkes Wachstum

Das Angebot hat besonders in den vergangenen rund drei Jahren deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. „Wir erhalten Anfragen von allen Seiten“, sagt Eeske Claassen, die seit Juni 2021 die Schulassistenz leitet. Mittlerweile begleiten 47 Mitarbeitende Schüler:innen an 17 Schulen im Nordkreis. Für das dezentral arbeitende Team sind Austausch und Abstimmung besonders wichtig. Deshalb gibt es alle drei Monate Dienstbesprechungen und kollegiale Beratungen.

Zum Team gehören außerdem drei Bürokräfte, die organisatorische und administrative Aufgaben übernehmen. Eine von ihnen ist Astrid Cordes. Sie ist ebenfalls seit dem Start dabei. „Ich habe den Bereich mit aufgebaut und die Arbeit macht mir nach wie vor sehr viel Spaß.“

Als Koordinatorinnen sind Carina Schuller und Annica Wege tätig. Sie sind Ansprechpartnerinnen für Kostenträger, Eltern und Mitarbeitende, begleiten Hilfeplangespräche und übernehmen die Personaleinsatzplanung.

 

Entwicklung als Erfolg

Für das Team steht vor allem die Entwicklung der begleiteten Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt. „Die Schulassistenz ist wie ein Baby für mich. Ich bin stolz auf das Wachstum und die Erfolge bei den Kindern und Jugendlichen, die wir begleiten“, sagt Koordinatorin Carina Schuller. Uta Feigl beschreibt die Fortschritte der Schüler:innen als wichtige Bestätigung ihrer Arbeit.

Ein Beispiel macht das Team besonders stolz: Ein Kind, das zunächst an einer Förderschule gestartet war, steht inzwischen kurz vor dem Realschulabschluss und kommt mittlerweile ohne Schulassistenz aus.

 

Debatte um Eingliederungshilfe

Ganz sorgenfrei blickt die Lebenshilfe bremervörde/Zeven allerdings nicht auf die weitere Entwicklung. In der aktuellen Sozialstaatsdebatte werde auch darüber diskutiert, Integrationshilfe und Schulassistenz nicht mehr als Aufgabe der Eingliederungshilfe zu führen. Die Unterstützung müsste dann vollständig von den Schulen erbracht werden. „Für eine gemeinsame Weiterentwicklung dieser Form von Bildung und Teilhabe sind wir jederzeit offen, aber nicht für geringere Teilhabemöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf“, fasst Volker Wahlers, Lebenshilfe-Geschäftsführer, zusammen.

Das zehnjährige Jubiläum der Schulassistenz wird im kleinen Kreis gefeiert. Außerdem plant das Team einen Fachtag, der im September stattfinden soll. „Sobald wir nähere Informationen habe, geben wir diese umgehend weiter“, erklärt Eeseke Claassen.