Vom Wegesrand ins Buch
Bremervörde (rgp). Was viele als Unkraut abtun, wird in Bremervörde zum Ausgangspunkt eines Buches über Heilpflanzen und neue Naturerfahrungen.
Manche Projekte beginnen nicht mit einem Plan, sondern mit einer inneren Bewegung. Bei Marcel Plagmann war es die wachsende Hinwendung zu den Pflanzen am Wegesrand – zu dem, was viele Menschen übersehen oder achtlos als „Unkraut“ bezeichnen. Denn diese Pflanzen sind seit Jahrhunderten Teil menschlicher Heilkunde. Der Bremervörder entwickelte aus einer immer tieferen Beschäftigung mit heimischen Wildpflanzen heraus mit persönlichem Austausch und Erfahrung das Projekt „Heilkraft des Unkrauts“.
Begegnung mit Naturerfahrungen
Inzwischen ist daraus ein Buch geworden. Auf 160 Seiten stellt der Künstler und Gestalter jeweils auf einer Doppelseite mit botanischer Illustration anhand von kompakten und gut zugänglichen Texten 42 heimische Wildpflanzen dar. Dabei geht es um Erkennungsmerkmale, Sammelzeiten, Standorte, Inhaltsstoffe, traditionelle Verwendung und Verwechslungsgefahren. Aus dem sehr persönlichen Zugang zu Wildpflanzen ist mittlerweile ein regional getragenes Projekt geworden, das Begegnung und Naturerfahrung miteinander verbindet. „Das Buch ist nicht nur aus eigener Erfahrung und Recherche entstanden, sondern auch aus vielen Gesprächen, Begegnungen und einem regionalen Austausch. Das die Heilkraft des Unkrauts nun auch hier vor Ort wahrgenommen wird, freut mich deshalb ganz besonders“, so Plagmann.
Ergänzt wird das Buch durch Hinweise zu den Punkten Sammeln und Sicherheit, Grundrezepte, häufige Doppelgänger sowie einen Anhang mit heilkundlichen Bezügen, unter anderem zu Hildegard von Bingen, Maria Treben, Paracelsus und Sebastian Kneipp.
Doch Plagmanns „Heilkraft des Unkrauts“ ist nicht nur ein Nachschlagewerk. Das Buch trägt zudem einen persönlichen Kern in sich. Es ist Ausdruck eines Weges, auf dem sich Naturbeobachtung, künstlerisches Arbeiten und persönliche Erfahrung miteinander verbunden haben. Für Plagmann wurde die Beschäftigung mit den Pflanzen nicht nur zu einem Wissensfeld, sondern zu einer Form der Annäherung an das, was still wächst, oft übersehen wird und doch eine eigene Kraft in sich trägt.
Das gerade daraus in Bremervörde ein sichtbares Projekt werden konnte, liegt unter anderem am Austausch mit anderen Personen. Die „Heilkraft des Unkrauts“ wuchs im Umfeld der Initiative "Bremervörde vernetzt sich“, in der sich Interessierte in einer WhatsApp-Gruppe vernetzten und sich über Wildkräuter, Funde, Erfahrungen und sicheres Bestimmen austauschten. Im Ergebnis entstand daraus zunächst eine kostenlose PDF-Datei, später folgten Kräuterwanderungen und Kräutervorträge in der Region, nun schließlich das Buch.
Bremervörde vernetzt sich
Marcel Plagmann arbeitet seit vielen Jahren zwischen analogen und digitalen Ausdrucksformen. Er ist gelernter Maler und Lackierer, war Teil der Tetjus-Tügel-II-Malschule im Hesedorfer Bahnhof und hat sich darüber hinaus auch in der 3D-Modellierung einen Namen gemacht. Zugleich ist er als freischaffender Künstler tätig und Initiator der WhatsApp-Community „Bremervörde vernetzt sich“.
Mit „Heilkraft des Unkrauts“ führt er verschiedene Linien seines Schaffens zusammen: Gestaltung, Naturverbundenheit, Vermittlung und den Wunsch, Menschen wieder näher an das heranzuführen, was direkt vor ihrer Haustür wächst. Die Resonanz darauf ist bereits spürbar. Das Buch ist online sowie in der Bremervörder Buchhandlung Morgenstern erhältlich. Auch die Kräutervorträge und -wanderungen werden gut angenommen. Die nächste Kräuterwanderung ist nach aktuellem Stand für die Samstage, 18. und 25. April, jeweils um 15 Uhr am Vorwerk geplant. Wer teilnehmen möchte, kann sich per E-Mail an info@heilkraftdesunkrauts.de anmelden. Weitere Informationen gibt es unter heilkraftdesunkrauts.de

