Über Widerstand und Verantwortung
Thilo Bode, geboren 1947, ist einer der einflussreichsten politischen Aktivisten der vergangenen Jahrzehnte. 1989 wurde er Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, von 1995 bis 2001 von Greenpeace International. 2002 gründete Bode die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch e. V., die er bis 2017 als Geschäftsführer leitete. Anschließend war er bis 2021 Direktor von Foodwatch International.
Kürzlich veröffentlichte er sein Buch „Resist! Aufruf zum Widerstand“. Die Redaktion sprach anlässlich seines Besuchs in Bremervörde, am Mittwoch, 18. Februar, um 19.30 Uhr auf der Kulturbühne des Tandem e. V. vorab mit dem Buchautoren.
Anzeiger: Was erwartet uns auf der Kulturbühne in Bremervörde, wenn Matthias von Hellfeld den Abend moderiert?
Thilo Bode: Es geht um meine Tätigkeit als Aktivist, vorwiegend im Umwelt- und Verbraucherschutz. Wir haben große Erfolge gezielt. Aber die Meta-Ziele Klimaschutz, Erhalt der Artenvielfalt, Schutz der Meere und Wälder haben wir nicht erreicht. Wir müssen uns auch fragen, ob wir als NGOs die Sache besser hätten machen können.“
Im Vorwort Ihres Buchs schreiben Sie, dass unsere „Macht“ in der Konfrontation besteht, nicht in der Kooperation. Sollte man nicht mit der Gegenseite (Politik, Regierungen, Wirtschaft) kommunizieren, um zu Lösungen zu kommen? Wie könnte man das am besten anfangen? Es gehören auch Kompromisse dazu, oder?
Ich habe in dem Buch klargemacht, dass die Versuche über Zusammenarbeit zu Lösungen in Kommissionen oder auch in internationalen, nationalen Konferenzen nichts gebracht haben. Die NGOs (Nichtregierungsorganisationen) haben die Aufgabe, die Regierenden vor sich hertreiben zu müssen. Es ist dann die Politik, die Kompromisse machen kann. Man kommt am weitesten, wenn man konfliktbereit handelt und sich nicht von vornherein als Politiker fühlt. Das ist ein völliges Missverständnis von der Rolle der NGOs.
Sie schreiben, heutzutage weiß man besser, was zu tun ist, um etwas zu verändern. Nun haben wir Donald Trump. Es ist anzunehmen, dass es in den nächsten drei Jahre noch viel mehr Probleme geben wird, um für die Verbraucher etwas mehr herauszuholen. Sehen Sie das ähnlich?
Europa stellt sich nicht als handlungsfähiger Länderverbund dar, sondern reichlich hilflos und zersplittert. Die NGOs müssen sich deshalb dafür einsetzen, dass Europa stärker wird und in der Weltpolitik mehr mitreden kann. Das geht aber nicht dadurch, dass man einfach sagt, wir brauchen die Vereinigten Staaten von Europa. So schnell geht das nicht.
1995 gab es eine erfolgreiche Greenpeace-Aktion gegen Shell, um zu verhindern, dass der in der Nordsee schwimmende Öltank Brent Spar versenkt wird, anstatt ihn fachgerecht zu entsorgen. Meinen Sie, dass man aus dieser Aktion noch mehr lernen könnte, um den Widerstand besser zu organisieren?
Die Menschen waren durch die Aktion in der Öffentlichkeit damals auf der Seite von Greenpeace. Konflikte und Konfrontationen müssen im Namen des Rechtsstaates erfolgen. Man muss darauf achten, dass man die Bevölkerung dabei mitnimmt. Damals haben sich sogar plötzlich Politiker, einer nach dem anderen, mit Greenpeace solidarisiert. Von Bundeskanzler Helmut Kohl angefangen, bis zur Umweltministerin Angela Merkel. Sie haben sich dafür ausgesprochen, dass die Plattform nicht versenkt wird.
Wo sollte man ansetzen?
Viele NGOs sitzen heute lieber in Kommissionen und haben den Konflikt als Treiber für gesellschaftlichen Fortschritt nicht mehr in ihrer Strategie. Gesellschaftlicher Fortschritt geschieht immer über Konflikte, weil es einen Teil der Menschen gibt, die wollen, dass es so bleibt, wie es ist. Und ein anderer Teil will, dass sich was ändert. Eine Konfliktstrategie ist besser als eine Konsens-Strategie und ist grundsätzlich eine positive, wirksame Herangehensweise.
Vielen Dank für das Gespräch.
Tickets für die Veranstaltung sind im Vorverkauf bei der Volksbank eG Geschäftsstelle in Bremervörde und in der Buchhandlung Morgenstern erhältlich.

