Tradition verpflichtet – Zukunft begeistert

Ralf G. Poppe 39
Heilen im Wandel der Zeit: Wie die Alte Apotheke Bremervörde seit 1626 zwischen Fortschritt und persönlicher Nähe balanciert.

Bremervörde. Die Alte Apotheke in Bremervörde wurde am 24. März 1626 gegründet, als der Bremer Erzbischof Johann Friedrich dem Apotheker Caspar Rumpff das Privileg zur Errichtung einer Apotheke in Vörde verlieh, und eine erfolgreiche, bis heute anhaltende, Geschichte ihren Lauf nahm. Seit dem 1. Februar 2021 leitet Apothekerin Kirstin Holst die älteste Apotheke der Stadt.

„Tradition ist für uns nicht, sich auf Vergangenem auszuruhen, sondern Wissen und Werte über Jahrhunderte lebendig zu halten und stetig weiterzuentwickeln“, sagt Holst. Heutzutage haben E-Rezepte, digitale Bestellwege und pharmazeutische Dienstleistungen wie Medikationsanalysen und Grippeimpfungen das Arbeitsfeld erweitert. Doch die traditionellen, individuellen Werte bleiben: Menschen heilen, beraten und begleiten.

 

Vier Jahrhunderte erfolgreiche Heilkunst

„Ich danke allen, die die Alte Apotheke geprägt und unterstützt haben, insbesondere unseren Kundinnen und Kunden für ihre langjährige Treue und meinem Team“, so Holst weiter. Obwohl Nebenkosten steigen, und die örtlichen Apotheken gegen den anonymen Internethandel kämpfen müssen, schaut Holst sehr positiv in die Zukunft. Lediglich Günther Jauch verursacht bei ihr ein schmunzelndes Stirnrunzeln, seit er als Gesicht für Arzneimittelversender agiert, die den Kunden nicht direkt beraten, die keine Notdienste machen und die nicht eben vor Ort ein Rezept individuell anmischen können.

Holst hat trotz ihres jugendlichen Alters in all diesen Belangen bereits eine jahrelange Erfahrung vorzuweisen. Um überhaupt Apothekerin werden zu dürfen, hat sie vier Jahre – also acht Semester – studiert und anschließend ein praktisches Jahr in einer Apotheke in Stade sowie bei der Industrie in Hamburg drangehängt. Nach dem darauffolgenden dritten Staatsexamen hat sie ihre Approbation als Apothekerin erlangt. Von all ihren Kenntnissen dürfen nicht nur die Bremervörder Bürger:innen profitieren, wenn sie die Alte Apotheke besuchen.

Deren ursprünglicher Standort, so Holst, hat wahrscheinlich im Ortskern in unmittelbarer Nähe des damaligen Schlosses gelegen. Die bewegten Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges mit Belagerungen, Besetzungen und Zerstörungen der Stadt ließen bis in das 18. Jahrhundert hinein allerdings keine durchgängig gesicherte Chronologie der hiesigen Apothekengeschichte zu. Ab dem Jahr 1730 trete diese Geschichte jedoch klarer hervor. Mit der erneuten Privilegierung des Apothekers Johann Wilhelm Seidler habe eine Phase größerer Kontinuität begonnen. Ihm folgte 1747 Johann Hinrich Krüger, unter dessen Leitung sich die Apotheke in der Alten Straßen (vermutlich gegenüber der jetzigen Volksbank) befunden hat.

 

Über 250 Jahre in Familienbesitz

Nach weiteren Besitzerwechseln übernahm der Apotheker Hieronymus Wolters 1765 die Geschäfte. Fortan sollte der Besitz der Apotheke mehr als zweieinhalb Jahrhunderte im Besitz einer Familie bleiben. Nach mehr als 50 Jahren trat Johann Hieronymus Wolters 1823 in die Fußstapfen seines Vaters. In jenem Jahr wurde in der Neuen Straße zudem das Apothekengebäude errichtet, in dem sich die Alte Apotheke noch heute befindet.

1877 folgte in nächster Generation Georg Nikolaus Wolters. Dessen Schwiegersohn Friedrich Dedecke übernahm die Apotheke 1901. Dedecke, der sich neben seiner pharmazeutischen Tätigkeit in herausragender Weise für das öffentliche Leben in der Ostestadt engagierte, und mit der Benennung der Friedrich-Dedecke-Straße geehrt wurde, leitete das traditionsreiche Haus bis 1947.

Nach weiteren familiären Übergängen ging die Alte Apotheke 1969 in den Besitz von Carl-Ferdinand Kotthaus über, der die Unternehmungen mit großer Sorgfalt modernisierte, ohne den historischen Charakter zu vernachlässigen. Kotthaus wiederum übergab die Alte Apotheke mit dem 1. Februar 2021 an Kirstin Holst.

 

Innovationen zum Erleben – Die Apotheke heute

Das repräsentative Apotheken-Gebäude bot nicht nur in jungen Jahren Raum für festliche Anlässe. Auch in der Jubiläumswoche von Montag, 23. bis Samstag, 28. März, gibt es hier viel zu erleben. Zwar nicht in Form eines prunkvollen Empfangs, wie es vielleicht vor 200 Jahren üblich war, sondern überaus zeitgemäß mit zahlreichen schönen Aktionen. So gibt es neben Apothekenführungen, die die Besuchenden hinter die Kulissen blicken lassen (bitte Terminwünsche an die unten genannten Kontaktadressen richten) und attraktiven Preisnachlässen für verschiedene Produkte obendrein noch ein paar kleine Geschenke sowie einen exklusiven Jubiläumsschnaps, mit dem Kirstin Holst und ihr Team mit ihren Kunden anstoßen möchten.

Weitere Aktionen und Gewinnspiele runden das sehr gelungene Portfolio der Feierlichkeiten zum unglaublichen 400. Geburtstag ab.

Zu erreichen sind die Mitarbeitenden unter der Telefonnummer 04761/93377, per Mail an service@diealteapotheke.de sowie natürlich am legendären Standort Neue Straße 24 in Bremervörde. Weitere Informationen zur Apotheke gibt es unter www.diealteapotheke.de

 

Protesttag


Bundesweit protestieren die Apotheken am Montag, 23. März, für höhere Apothekenvergütungen und schließen für den tag. Die Alte Apotheke hat jedoch aufgrund des Jubiläums an diesem tag geöffnet, unterstützt den Protest aber ausdrücklich. „Wir möchten auch das nächste Jubiläum noch feiern können und nicht vorher vom System kaputtgespart werden“, sagt Kirstin Holst.