Musik kommt nach Hause
Bremervörde. Einer der besonderen Höhepunkte des diesjährigen Bremervörder Kultursommers ist das Gastspiel von Jörn Schlüter. In Bremervörde aufgewachsen, hat der Musiker und Rolling-Stone-Autor mit seiner Band Someday Jacob über deutsche Landesgrenzen hinaus für Furore gesorgt. Nun hat er ein Soloalbum aufgenommen, das am Freitag, 19. Juni, offiziell veröffentlicht wird.
Bremervörder Musikfans dürfen die Songs bereits am Mittwoch, 10. Juni, hören, denn dann kommt Jörn Schlüter zu einem Konzert auf die Kulturbühne. Bei gutem Wetter, so Andreas von Glahn vom Veranstalter Tandem, könne das Konzert gegebenenfalls auch Open-Air im Kulturgarten stattfinden. Der Anzeiger stellte Schlüter vorab einige Fragen.
Anzeiger: Einige Titel des neuen Albums „The Other Mile“ erinnern latent an die beste Phase von Neil Young. Inwiefern hat dich der „alte Held“ inspiriert?
JS: Ich liebe die Musik von Neil Young, und ich liebe auch den Künstlertyp, für den er steht – diese konsequente Suche nach einer Melodie, einem Gefühl, einer Energie, die er spürt – einer Resonanz. Und ich liebe ganz grundsätzlich den Sound der US-Westcoast der frühen Siebziger – die Künstler:innen des Laurel Canyon. Ich habe während der Produktion von ‚The Other Mile‘ oft Neil Youngs Album ‚Comes A Time‘ gehört – das hat bestimmt meine eigenen Arrangements beeinflusst.
Der Song „Springtime“ erinnert zudem an R.E.M. – hat das damit zu tun, dass ihr mit Someday Jacob zu Lesungen von Birgit Fuß Songs von R.E.M. gecovert habt?
Das Album war schon fertig aufgenommen, als wir die Abende mit Birgit begonnen haben. Aber es stimmt, dass ich mich in den letzten zwei Jahren mehr als früher mit R.E.M. befasst habe – ich habe mich neu in ihre Musik verliebt.
Im Gegensatz zu den Mitmusikern bei Someday Jacob halfen dir auf „The Other Mile“ Musiker von Son Volt (USA), Niels Frevert und Roger Cicero. Wie hat das die Musik verändert?
Als ein Großteil der Songs entstand, hatten wir bei Someday Jacob schon mit der Arbeit an einem neuen Album begonnen – es wird Anfang 2027 erscheinen. Die Songs, die jetzt auf ‚The Other Mile‘ erscheinen, wiesen in eine andere Richtung. Die Freunde, die mit mir ‚The Other Mile‘ aufgenommen haben, haben ihre Persönlichkeit und ihre Perspektive auf die Songs eingebracht – das hat das Album entscheidend geprägt. Man sucht immer nach einem gemeinsamen Sound, einer gemeinsamen Haltung. Für mich war es großartig, nach vielen Jahren mit der Band meine Songs mit anderen Musikern zu spielen – ein Abenteuer.
Gemischt hat das Album Wilco-Produzent Tom Schick in Chicago. Was macht das mit deiner Musik, die Du ja in Bremen im Studio Nord aufgenommen hast?
Der Mix ist ein entscheidender Schritt der Albumproduktion – ein Antlitz wird deutlich, ein Gefühl transportiert sich. Ich bin ein Riesenfan der Band Wilco, deren Produzent Tom Schick ist. Ich wusste ungefähr, was er tun würde, wie er arbeitet. Ich finde, er hat das großartig umgesetzt.
Früher hast Du in unmittelbarer Nähe zu Bremervörde deine Songs in Behrste aufgenommen. Der Klang hat damals sogar den Producer der Beastie Boys, von Johnny Cash, Adele, Linkin Park, den Red Hot Chili Peppers und Gossip, Rick Rubin, so beeindruckt, das er nachfragte, wie Du das hinbekommen hast. Richtig?
Das Studio von Detlef Wiedeke ist ein magischer Ort, und Detlef ist ein großartiger Produzent und toller Mensch. Ich habe dort viel gelernt, viele tolle Momente erlebt. Und ja, manchmal haben Kollegen nachgefragt, wie er die eine oder andere Aufnahme hingekriegt hat.
Mit Someday Jacob hast Du seit 2012, als ihr am Vörder See Selig supportet habt, bestimmt vier, fünf Mal in deiner Heimatstadt gespielt. Was wird beim Solokonzert anders sein?
Es sind die Songs meines Soloalbums – ich zeige mich von einer etwas anderen Seite. Auf dem Album geht es darum, wie man mit schwierigen, vielleicht traumatischen Situationen umgehen kann – wie man etwas transformieren kann. Die Menschen in diesen Songs erleben etwas, das Leonard Cohen mal mit dem Satz ‚There‘s a crack in everything / That’s how light gets in‘ beschrieben hat. Sie können nicht länger vor einer Angst, einer Depression oder einer Trauer weglaufen, und das ist ein fürchterlicher Moment. Aber gleichzeitig entsteht etwas anderes – vielleicht eine Dankbarkeit, sich selbst einen Schritt näher zu kommen und etwas weniger ferngesteuert oder an Marionettenfäden durchs Leben zu laufen.
Wird es im Bremervörder Konzert Cover-Versionen von Folk-Klassiker zu hören geben?
Ich gehe nie ohne ein, zwei Neil-Young-Songs aus dem Haus.
Tickets sind in der Buchhandlung Morgenstern, sowie bei der BBG erhältlich. Das Konzert beginnt am Mittwoch, 10. Juni, um 19.30 Uhr. Veranstaltungsort ist entweder die Kulturbühne oder der direkt davor liegende Kulturgarten am EIGENART Kunstraum in der Bremer Straße 11.
