Forschung auf dem Schulhof

red Neu
NABU Umweltpyramide bringt mit einem neuen Projekt einsehbare Nisthilfen an Schulen – und macht die verborgene Entwicklung von Wildbienen für Kinder direkt erlebbar.

 

Die Kinder der Garten- und Nachhaltigkeits-AG nehmen freudig die Forscher-Nisthilfen von der NABU Umweltpyramide entgegen.

Die Kinder der Garten- und Nachhaltigkeits-AG nehmen freudig die Forscher-Nisthilfen von der NABU Umweltpyramide entgegen.

Bild: Eb

Bremervörde. Mit dem Projekt „Wildbienen-Detektive – forschendes Lernen an Nisthilfen“ möchte die NABU Umweltpyramide gemeinsam mit drei Schulen Nisthilfen für Wildbienen erproben, an denen Schüler:innen eigenständig die Bedürfnisse dieser Insekten erforschen können.

Zum Einsatz kommen einsehbare Bienenbrettchen, in denen sich die Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt beobachten lässt. Den Kindern und Jugendlichen eröffnet sich damit ein blick auf etwas, das sonst im Verborgenen stattfindet. Auch andere Insekten wie Solitärwespen werden die Nisthilfe nutzen. Sie können gefahrlos betrachtet werden, denn anders als staatenbildende Bienen und Wespen verteidigen Insekten, die ihre eier in solch einer Nisthilfe ablegen, ihre Brut nicht.

 

Lernen durch Beobachtung

Indem die Schüler:innen die Entwicklung der Larven beobachten und dokumentieren, können sie den Nutzen von Nisthilfen unmittelbar erleben und reflektieren, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Besiedlung nötig sind. Bettina Schroeder, Biologin und pädagogische Leitung der NABU Umweltpyramide, erklärt: „Folgt man der ursprünglichen Idee, sollen mit einem Insektenhotel, oder besser ausgedrückt einer Wildbienen-Nisthilfe, solitär lebenden Wildbienen in unserer aufgeräumten Natur Möglichkeiten zur Eiablage angeboten werden.“

Bei der überwiegenden zahl selbstgebauter oder zum Kauf angebotener Nisthilfen würden jedoch eher Materialien wie Holzwolle für Ohrwürmer oder bloße Ansammlungen unterschiedlicher Naturmaterialien in Fächergepackt. Wildbienen sei damit gar nicht geholfen.

 

Was Wildbienen tatsächlich brauchen

„Wildbienen benötigen eine Vielzahl an länglichen Hohlräumen, mit einem Durchmesser von drei bis neun Millimeter“, berichtet die Biologin. „Hat ein Weibchen eine geeignete Röhre entdecket, fertigt eis ein Liniennest an, das heißt, es deponiert gesammelte Pollen, legt ein Ei und bringt eine Zwischenwand an. Dies wiederholt sich, so dass mehrere Brutkammern hintereinander entstehen.“

Dabei wolle sie nicht belehrend auftreten, sondern Kindern und Jugendlichen die Chance geben, selbst Ideen zu entwickeln, wie sinnvolle Nisthilfen aussehen könnten. „Selbstgewonnene Erkenntnisse werden als wertvoller und anwendbarer empfunden, sie motivieren zu weiterem Lernen und schaffen eine tiefere emotionale Verbindung zu dem Thema – insgesamt wichtige Voraussetzungen, um sich auch künftig auch richtige Art und Weise im Naturschutz zu engagieren.“

 

Unterstützung für Schulen

„Mit der EWE-Stiftung haben wir einen Förderer für unsere Projekt-Idee gefunden, so dass wir drei Schulen die Forscher-Nisthilfen kostenlos zur Verfügung stellen können“, so Schroeder. Berücksichtigt werden musste zudem ein heimisches Blühpflanzangebot als Nahrungsquelle für die Wildbienen – je vielfältiger, desto besser. Dafür wandte sich Bettina Schroeder an den NABU Bremervörde-Zeven, der die Schulen und das Projekt mit Regio-Saat für Blütenpflanzen unterstützt.

Die Findorff-Realschule in Bremervörde hat nun die erste von drei Nisthilfen erhalten. Dort findet regelmäßig eine Garten- und Nachhaltigkeits-AG statt, in deren rahmen auch ein Bereich des Schulhofs gestaltet werden darf.

Maren Jebram als Leitungs und die Kinder nahmen die Forscher-Nisthilfe in Empfang. „Dieses Jahr sind Kinder aus den 5. bis 7. Klassen in der AG“, berichtet Jebram. „Sie freuen sich riesig, dass sie sich mit diesem Projekt auch für den Schutz der Wildbienen einsetzen können.“ Gemeinsam wurde ein guter, sonniger Platz ausgesucht, an dem die Nisthilfe demnächst aufgestellt und neue Blumenbeete angelegt werden sollen – rechtzeitig, bevor sich die ersten Wildbienen auf die Suche nach Nistplätzen und Nahrung machen.