Ersthelfer als Lebensretter

Ute Mahler-Leddin 35
Bei einem Herzstillstand zählt jede Sekunde und genau hier werden Ersthelfer in der Region zum entscheidenden Unterschied.
Ralf Rehbock (Helfer vor Ort) und Yvonne Kühne (Mobile Retter) bedanken sich bei Dr. von Pritzbuer, Robi Schrenk und Eric Wessel für den interaktiven Vortrag.

Ralf Rehbock (Helfer vor Ort) und Yvonne Kühne (Mobile Retter) bedanken sich bei Dr. von Pritzbuer, Robi Schrenk und Eric Wessel für den interaktiven Vortrag.

Bild: Uml

Nordahn. Wenn in der Leitstelle eine Meldung über einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand eingeht, dann zählt jede Minute – ja, sogar jede Sekunde. Durchschnittlich bräuchte der Rettungsdienst in Deutschland etwa neun Minuten, um bei dem Patienten anzukommen – in der Börde Lamstedt sind es meist über 15 Minuten, bevor geschultes Rettungspersonal eintrifft, berichten Eric Wessel und Robi Schrenk vom Rettungsdienst Cuxland beim Infoabend. Ralf Rehbock von den „Helfern vor Ort“ (HvO) in Nordahn hatte in Zusammenarbeit mit Yvonne Kühne, „Mobile Retter“ zu einem interaktiven Austausch mit dem erfahrenen Notarzt Dr. Joachim von Pritzbuer eingeladen und zahlreiche Interessierte, DRK-Bereitschaftler, Feuerwehrleite und DLRG-Mitglieder aus der Region nutzten die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen.

Tatsächlich ist der Herz-Kreislauf-Stillstand nach Rauchen und Alkohol mit etwa 70.000 Toten im Jahr die dritthäufigste Todesursache. Eine sofortige Wiederbelebung erhöht die Überlebensrate enorm und daher zählt jeder Mensch, der als Ersthelfer vor ort mit den drei wichtigsten Maßnahmen startet: „prüfen – rufen – drücken“.

Wenn ein „HvO“ oder „Mobiler Retter“ alarmiert wird, so ist dieser meist in weniger als drei bis fünf Minuten beim Patienten und übernimmt dann den Einsatz. „Prüfen“ bedeutet, ist die Person inzwischen eventuell ansprechbar oder handelte es sich um einen Fehlalarm. „Rufen“ sagt aus, dass der Ersthelfer eine Rückmeldung an die Leitstelle gibt und „drücken“ ist die lebensrettende Maßnahme der Herzdruckmassage, mit der Blut in den Blutkreislauf und somit ins Gehirn gepumpt wird. Wichtig für alle, so Dr. von Pritzbuer, bei einem Herzstillstand muss sofort gehandelt werden: Brustkrob freimachen, Hände mittig aufsetzen und mit gestreckten Armen das Brustbein fünf bis sechs Zentimeter tief, 100 bis 120 Mal pro Minute, kräftig nach unten drücken. Nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft – geschulte Helfer ergänzen die Herzdruckmassage im Verhältnis 30:2 mit Beatmungen.

„Drücken ist wichtiger als beatmen“, sagt von Pritzbuer und zeigt dankbar Respekt vor den anwesenden Ersthelfern. Da die Herzdruckmassage sehr kraftaufwendig und somit anstrengend ist, ist es wichtig, mehrere Ersthelfer vor Ort zu haben – daher kommt auch die dringende Bitte vom Rettungsdienst: als Ersthelfer kann man Leben retten.

Wenn der Rettungsdienst zur Einsatzstelle kommt, sollten die Ersthelfer mit den Maßnahmen so lange weitermachen, bis ein klares Signal der Übernahme kommt. Die Sanitäter freuen sich immer über die Unterstützung der Ersthelfer bei der Reanimation, denn so können sie sich auf die medizinische Versorgung vorbereiten, das Equipment parat legen, den Defi anschließen oder Medikamente geben. Auch die Einweisung des Rettungsdienstes, Betreuung von Angehörigen, Kindern oder Haustieren ist eine wichtige Aufgabe, die von Ersthelfern übernommen werden kann.

Auch in den Landkreisen Cuxhaven und Rotenburg werden regelmäßig Termine zur Erst- und Wiederholungseinweisung angeboten – diese und alle weiteren Informationen sind auf der Homepage mobile-retter.org zu finden.