Altes Feuerwehrhaus saniert
Hönau-Lindorf. Im Juni 2023 geriet das alte Feuerwehrgebäude des Ortsteils in die Schlagzeilen. Der Bremervörder Anzeiger und die Hamburger Morgenpost berichteten zeitgleich über das Haus im Ortsmittelpunkt, weil am Schlauchturm ein großes Hakenkreuz zu sehen war. Nun ist die Immobilie vollständig saniert und Ortsvorsteherin Bianka Grieschow-Pülsch hat sich in einer Ansprache offiziell vom Symbol für Unrecht, Ausgrenzung und Leid distanziert.
Die Vorgeschichte
Das Feuerwehrhaus mit Schlauchturm wurde 1936 zur NS-Zeit errichtet. Das Hakenkreuz wurde nach dem Krieg von den Alliierten überstrichen. Allerdings war die Farbe mit der Zeit verblasst, wodurch das Symbol wieder sichtbar wurde. Das Problem sei dem Verein Club der Urgemütlichkeit (CdU), der die Immobilie 2005 von der Stadt Bremervörde erworben hat, spätestens seit 2018 bewusst gewesen. Es sollte entsprechend mit einer kompletten Sanierung behoben werden. „Das Überstreichen des Hakenkreuzes war eine Reaktion auf Ihren Artikel und sollte ein klares Zeichen setzen, dass wir uns von der NS-Zeit und dem rechten Gedankengut distanzieren. Nichtsdestotrotz war dies für uns nur eine vorübergehende Maßnahme. Eine dauerhafte Lösung wurde unsererseits klar angestrebt“, so Patrick Mahlandt, 1. Vorsitzender des CdU.
Die Planung für eine Sanierung sei bereits im Herbst 2022 gestartet. Die soziale Dorferneuerung in den Norddörfern von Bremervörde habe die Möglichkeiten geboten, das Dach zu sanieren. Im Frühjahr 2023 wurde ein Förderantrag erstellt, im Spätsommer 2023 eingereicht. „Leider mussten wir den ersten Antrag nach Förderzusage zurückziehen, da die Finanzierung nicht final geklärt war.“ Ein zweiter Antrag folgte im Spätsommer 2024. Dieser wurde im Mai 2025 genehmigt. Die Umsetzung erfolgte fast bis in den November 2025.
Die Faktenlage
Bis 1998 hat die örtliche Feuerwehr das Gebäude genutzt. Ab 2001 erfolgte die Nachnutzung als Jugendtreff. Mit dem Erwerb durch den Club der Ungemütlichkeit im Jahre 2005 wurde die Fahrzeughalle zum zweiten Aufenthaltsraum ausgebaut. 2011 erfolgte die Sanierung des ursprünglichen Aufenthaltsraums sowie der Toiletten. Zudem wurde eine Gas-Therme installiert. 2016 wurde der Eingangsbereich saniert, nun folgt die abschließende Dachsanierung. Für diese Baumaßnahmen, die von Juli bis Oktober 2025 erfolgten, arbeiteten 28 Helfer ehrenamtlich etwa 750 Stunden, um in Eigenleistung die anfallenden Aufgaben zu erledigen. Unterstützt wurde der Umbau von einer Förderung durch das Amt für Regionale Landesentwicklung. Die gesamte Sanierung beinhaltet ein Gesamtvolumen von rund 900 Arbeitsstunden. „Damit ist das alte Feuerwehrhaus als Treffpunkt für Jung und Alt für die Zukunft gerüstet“, so Mahlandt weiter.
Ansprache der Ortsvorsteherin
Bianka Grieschow-Pülsch ließ anlässlich der Feierlichkeiten, die zum Abschluss der Arbeiten stattfanden und mit dem jährlichen Grillfest im Ortsteil verbunden waren, die Ereignisse Revue passieren. „Wir stehen hier vor einem Gebäude, das weit mehr ist als nur ein altes Feuerwehrhaus aus den 1930er Jahren“, so die Ortsvorsteherin. „Im Juni 2023 wurde die Geschichte wieder präsent. Das Symbol aus der Zeit des Nationalsozialismus, das lange Zeit verborgen war, wurde durch die jahrelangen Witterungseinflüsse wieder sichtbar. Ein Symbol, das für Unrecht, Ausgrenzung und Leid steht. ich möchte an dieser Stelle noch einmal klar und unmissverständlich sagen: Dieses Zeichen seht nicht für unseren Ort, nicht für unsere Gemeinschaft und nicht für die Werte, die wir heute leben. Unsere Haltung dazu war und ist eindeutig.“
Die Situation im Sommer vor knapp drei Jahren habe den Ortsteil vor Herausforderungen gestellt. Nicht nur im Umgang mit der Öffentlichkeit, sondern ebenso im Umgang mit der eigenen Geschichte. Man habe Verantwortung übernommen. „Gerade mit dem Blick auf das heutige Weltgeschehen wird deutlich, wie wichtig diese Haltung ist. Wir erleben in vielen Teilen der Welt, dass Ausgrenzung, Extremismus und das Infragestellen demokratischer Werte wieder zunehmen. Umso mehr ist es – auch hier im Kleinen – unsere Aufgabe, klar Position zu ziehen. Für Respekt, Zusammenhalt und für eine offene, demokratische Gesellschaft.“
Dank des großen Engagements des Vereins CdU, dem dieses Gebäude gehört, durch die Unterstützung des Landes und nicht zuletzt durch das Engagement des TSV Hönau-Lindorf konnte abschließend das Dach der Immobilie vollständig erneuert werden. „Heute können wir mit Stolz sagen: Wir haben nicht nur ein Dach erneuert, sondern gezeigt, wie wir mit unserer Geschichte umgehen“, so Grieschow-Pülsch. Auch Bremervördes Bürgermeister Michael Hannebacher richtete einige Grußworte an die Hönau-Lindorfer, bevor der offizielle Teil der Veranstaltung beendet wurde.
