Anja Kalski

Was geht für Werder nach der verkorksten Hinrunde?

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Foto: Tevarak Phanduang by unsplash

Die Hinrunde der Bundesliga Saison 2019/20 verlief für Werder Bremen gar nicht nach Plan. Nachdem man in der vergangenen Spielzeit noch an den Europapokalplätzen kratze, lief in der aktuellen Spielzeit nahezu alles schief. Nach einer katastrophalen ersten Saisonhälfte müssen die Bremer auf einem Abstiegsplatz überwintern. Wir werfen einen Blick auf die verkorkste Hinrunde und schauen, was sich in der Winterpause ändern muss.

Eine Hinrunde zum Vergessen

Die Winterpause konnte für Werder Bremen nicht früh genug kommen. Schon der Saisonstart ging mit zwei Niederlagen kräftig daneben. Zwar gelang mit den beiden Erfolgen gegen Augsburg und Union Berlin ein kleiner Befreiungsschlag, doch der Sieg an der Alten Försterei sollte für lange Zeit der letzte Dreier der Bremer bleiben. Stattdessen folgte eine Serie von sieben sieglosen Spielen, unter anderem das Heimspiel gegen Schalke 04. Der hart erkämpfte 2:3 Auswärtserfolg bei VfL Wolfsburg am 13. Spieltag sollte eigentlich die Schlussoffensive für die Hinrunde einläuten, doch stattdessen verlor man die letzten Spiele, teils mit deftigen Pleiten und rutschte bis auf den 17. Tabellenplatz ab. Und obwohl Werder eine der schlechtesten Hinrunden der Vereinsgeschichte ablieferte, galt Trainer Florian Kohfeldt bis zuletzt als unumstritten. Von dieser Hinrunde dürften wohl viele Fußballexperten und Tippspieler überrascht worden sein.

Die große Verletztenmisere bei Werder

Trotzdem machten sich die Verantwortlichen natürlich an die Ursachenforschung. Im Trainingslager auf Mallorca trat Sportchef Frank Baumann dann vor die Presse und präsentierte die Ergebnisse. Dabei kämen verschiedene Umstände zusammen, die letztlich zu dem schlechten Abschneiden der Mannschaft geführt hätten. Allen voran müssen die zahlreichen Verletzungen genannt werden. So sieht es auch Baumann: „Die Verletztenmisere hat uns in einer noch nie da gewesenen Form getroffen", wird der Bremer Sportchef vom NDR zitiert. Durch die Ausfälle von Leistungsträgern wie Fin Bartels, Niclas Füllkrug oder Kevin Möhwald seien Automatismen verloren gegangen, was zu Fehlerketten in allen Mannschaftsteilen führte. In der Tat musste Florian Kohfeldt zeitweise auf bis zu zehn Spieler verzichten.

Ursachenforschung bei den Verantwortlichen

Dies wirft eine weite Frage auf: Haben es die Verantwortlichen verpasst, den Kader im Sommer richtig aufzustellen? Natürlich kann man nicht mit einer solch umfangreichen Verletztenmisere rechnen, allerdings sind ein paar Versäumnisse bei der Kaderplanung nicht zu verkennen. Zwar hat man im Sommer auf den Abgang von Max Kruse reagiert, indem mit Niklas Füllkrug und Leonardo Bittencourt zwei Offensivkräfte verpflichtet hat, allerdings ist gerade im Abstiegskampf deutlich geworden, dass ein dominanter Führungsspieler wie Kruse fehlt. Der Stürmer war zwar nicht immer der einfachste Charakter, allerdings ist er jene Art von Lautsprecher, die den Bremern momentan fehlt.

Die Mischung macht’s

Ähnlich sieht es auch Baumann, der zwar erklärte, dass man bei der Kaderzusammenstellung auf verschiedene Facetten wie Kadergröße, Alters- und Gehaltsstruktur und charakterliche Eigenschaften schaue. Allerdings gab der Sportdirektor auch zu, dass diese Mischung zur Zeit nicht ganz optimal sei. Demnach seien die gewünschten charakterlichen Grundsätze in der Mannschaft nicht ausreichend abgedeckt. Nun geht es also in der Winterpause darum, trotz eines relativ kleinen Budgets einen Führungsspieler zu verpflichten, der ähnlich wie Max Kruse im vergangenen Jahr vorangeht und den Ton auf dem Platz angibt. Eigentlich sollte dieses Vakuum von Niclas Füllkrug gefüllt werden, doch der Stürmer laboriert immer noch an den Folgen seines Kreuzbandrisses. Eine Rückkehr ist noch nicht abzusehen, allerdings äußert er sich im Gespräch mit Deichstube zuversichtlich.

Werder nimmt den Abstiegskampf an

Denn eines ist klar: In der Rückrunde darf man sich keine Ausrutscher mehr erlauben. Bremen muss sich auf den Abstiegskampf einlassen und mit Mentalität bzw. Kampfgeist überzeugen. Das wissen auch die Verantwortlichen und Spieler. Dabei sei es laut Trainer Kohfeldt wichtig, sich der drohenden Abstiegsgefahr bewusst zu machen. Gegenüber der Bild am Sonntag sagte er: „Es steht nirgends geschrieben, dass Werder nicht absteigen darf. Das ist im Bereich des Möglichen. Wichtig ist, sich das zu vergegenwärtigen“, so der Trainer im Interview mit der Sonntagszeitung. Tatsächlich steht für die Bremer trotz aller Probleme in der Liga noch ein kleines Highlight an. Im DFB-Pokal treffen die Hanseaten auf den BVB, der bei den Sportwetten von Betway mit einer Quote von 5,50 zu den Favoriten auf den Titel zählt (Stand: 13.1.). Auch letztes Jahr kam es schon zu dieser Begegnung, damals mit dem besseren Ende für Bremen.

Zum Rückrundenauftakt nach Düsseldorf

Aber zunächst geht es um einen gelungenen Start in die Rückrunde. Am besten wäre es, wenn Werder zum Rückrundenauftakt gegen Fortuna Düsseldorf sofort drei Punkte mitnehmen könnte. Die Rheinländer liegen derzeit auf Platz 16 und sind somit direkter Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt. Wir drücken dem WSV die Daumen, damit in der 120-jährigen Geschichte kein weiterer Abstieg hinzukommt.
 


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