Nadine Schilling

Darum gibt es in Deutschland keine Live Casinos mehr 

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Live Casinos gehörten lange zu den beliebtesten Online-Glücksspielen in Deutschland. Doch seit einer Reform im letzten Jahr sind die meisten Angebote aus dem Netz verschwunden. Das sorgt bei Casino-Fans für Verwirrung und Ärger. Warum es in Deutschland keine Live Casinos mehr gibt, und wie zahlreiche Nutzer trotzdem einen Weg gefunden haben, weiterzuspielen, wird hier erklärt. 

 

Bundesländer beschlossen das Aus für Live Casinos 

Nach langem Tauziehen beschlossen die Bundesländer 2020 eine Reform des deutschen Glücksspielrechts. Seitdem ist es erstmals in ganz Deutschland erlaubt, im Online Casino zu spielen. Allerdings sahen die Ministerpräsidenten, darunter auch Stephan Weil, auch die Notwendigkeit, die staatlichen Spielbanken zu schützen. Diese verdienen ihr Geld vor allem mit den klassischen Tischspielen, zu denen Poker, Roulette und Blackjack zählen. Um zu verhindern, dass die Spielbanken ihre Kunden an Online-Angebote verlieren, wurden einige Einschränkungen beschlossen. Dazu zählt auch die Abschaffung von Live Casinos. Betroffen sind nicht nur klassische Casinospiele, sondern auch Neuschöpfungen wie die verschiedenen Glücksrad-Variationen. Die Durchführung von Glücksspielen per Streaming ist für Anbieter mit einer deutschen Lizenz nicht mehr zulässig. 

 

Verbraucher zeigen sich verärgert über den Schritt 

Bei den Nutzern von Online Casinos stieß dieser Schritt größtenteils auf Ablehnung. Denn Live-Spiele haben gegenüber virtuellen Spielen zahlreiche Vorteile. So können die Spieler sich im Live Casino mit dem Croupier unterhalten und sich auch mit ihren Mitspielern austauschen. Das verleiht den Spielen einen geselligen Charakter, der bei virtuellen Spielen nicht möglich ist. Außerdem vertrauen nicht alle Spieler den Algorithmen bei computergesteuerten Casinospielen. Im Live Casino können die Teilnehmer hingegen nachvollziehen, ob der Croupier seine Arbeit korrekt macht. Schließlich vermitteln Live-Spiele auch eine echte Casino-Atmosphäre, die den Spielern bei virtuellen Spielen fehlt. Trotz der Kritik an der Reform von Seiten der Verbraucher halten die Länder aber am Verbot von Live Casinos fest. 

 

Anbieter mit EU-Lizenz offerieren weiterhin Live Casinos 

Das hat dazu geführt, dass viele Nutzer auf Plattformen mit einer EU-Lizenz ausgewichen sind. Denn in Ländern wie Malta oder im holländischen Überseegebiet Curaçao sind Live Casino Angebote nach wie vor erlaubt. Seiten wie UberLucky, WoopWin oder Rant Casino haben auch deutschsprachige Angebote und sind daher hierzulande besonders beliebt. Auf diesen Webseiten werden oft dieselben Live-Spiele angeboten, die vor der Gesetzesänderung auch in Deutschland verfügbar waren. Dazu zählen auch die Spiele des Marktführers Evolution Gaming, der mit Lightning Roulette und Power Blackjack den deutschen Markt erobert hatte. Auch den deutschen Behörden ist mittlerweile aufgefallen, dass viele Spieler auf diese Alternativen ausweichen. Das könnte zu einer weiteren Gesetzesänderung führen. 

 

Lenken die Länder ein? 

Schließlich entgehen den Ländern erhebliche Steuereinnahmen dadurch, dass Spieler ausländische Webseiten bevorzugen. Vermutlich bewegen sich die jährlichen Verluste im zweistelligen Millionenbereich. Früher oder später müssen die Länder auf dieses Problem reagieren. Eine mögliche Lösung wäre, dass sie ihre eigenen Spielbanken ermächtigen, Live-Spiele im Internet durchzuführen. Auf diese Weise würden sie gleichzeitig das staatliche Geschäft schützen und die Nachfrage des Marktes bedienen. Allerdings ist vorerst nicht mit einem solchen Schritt zu rechnen. Denn aktuell sind die Länder noch mit der ersten Runde der Lizenzvergabe für Online Casinos beschäftigt. In der Zwischenzeit müssen sich die Fans von Live Casinos also gedulden, wenn sie auf deutschen Plattformen spielen möchten. 


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