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Gedenken zur Pogromnacht - BürgerInnen kamen am Mahnmal zusammen

Osterholz-Scharmbeck (jm). Mit einer Gedenkveranstaltung am jüdischen Mahnmal in der Bahnhofstraße erinnerte die Stadt Osterholz-Scharmbeck am vergangenen Samstag an die Reichspogromnacht vor 81 Jahren.
 

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Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung riefen die Jusos aus der Kreisstadt zu einer Lichterkette auf, an der sich rund 150 Bürgerinnen und Bürger beteiligten.  Foto: jm

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung riefen die Jusos aus der Kreisstadt zu einer Lichterkette auf, an der sich rund 150 Bürgerinnen und Bürger beteiligten. Foto: jm

„Auch in Osterholz-Scharmbeck wurden am 9. November 1938 die Fenster von jüdischen Geschäften eingeworfen und jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus ihren Häusern gejagt, öffentlich gedemütigt und zusammengeschlagen“, sagte Bürgermeister Rohde in seiner Rede. Am Platz des heutigen Mahnmals in der Bahnhofstraße wurde 1865 eine Synagoge errichtet - die insgesamt dritte und letzte im damals noch eingeständigen Ort Scharmbeck. „Die Synagoge sollte niedergebrannt werden. Verhindert wurde dies nur durch das mutige und energische Eingreifen des damaligen Brandmeisters Fritz Torbohm - er befahl die Löscharbeiten gegen den Befehl der SA und der Polizei.“ Torbohm wurde wenige Tage später seines Ehrenamtes enthoben und für „politisch unzuverlässig“ erklärt. Das beschädigte Gebäude wurde 1939 durch die Stadtverwaltung unter Anwendung der „Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens“ gekauft und umgebaut. 2004 wurde das Gebäude abgerissen. Das Mahnmal aus 19 Granitstehlen und einem großen Gedenkstein wurde vom Steinmetzmeister Wolfgang Strauß gearbeitet und steht seit 2006 an seinem heutigen Platz.
„Es ist beschämend und traurig, dass nach diesem schrecklichen Kapitel deutscher Geschichte immer noch Synagogen und jüdische Schulen bewacht werden müssen, dass sich Menschen in Deutschland nicht sicher fühlen können“, sagte Rohde mit Blick auf den jüngsten Anschlag in Halle. Der rechtsextreme Täter war mit seinem Plan, am jüdischen Feiertag Jom Kippur in die örtliche Synagoge einzudringen und ein Massaker anzurichten, gescheitert und erschoss später zwei Menschen. „Die Zahl der Angriffe, Anfeindungen und Bedrohungen für Menschen jüdischen Glaubens in der Bundesrepublik ist seit Jahren hoch. Solchen Entwicklungen müssen wir beherzt und mit Überzeugung entgegentreten. Wir dürfen es nicht wieder zulassen, dass Fremdenhass und Antisemitismus gesellschaftsfähig werden können“, so Rohde weiter.
Nach der Rede des Bürgermeisters verlasen Volker Müller und Ulrich Marahrens die Namen der jüdischen Opfer aus Osterholz-Scharmbeck, die während der Nazi-Herrschaft ermordet wurden. Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung riefen die Jusos aus der Kreisstadt zu einer Lichterkette auf, an der sich rund 150 Bürgerinnen und Bürger beteiligten.


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