Andreas Klüh

Tag des offenen Denkmals 2019 - Landesweite Eröffnung fand im Rathaus Worpswede statt

Worpswede (aklü). Modern ist das, was gerade neu ist und von dem wir denken, es werde die Zukunft prägen. Wir wollen komfortabler wohnen, kostengünstiger, energieunabhängig und werterhaltend. Dabei lohnt ein Blick in die europäische Baukunst als stetiger Aufstieg zu einem besseren Lebens- und Wohnstil. Architekten haben zu jeder Zeit Grandioses geschaffen und viele dieser Bauten bewundern wir bis heute.

Bilder
Für die eindrucksvolle musikalische Unterhaltung an dem Abend sorgte Rene Rooimans an der Hammond-Orgel.  Foto: aklü

Für die eindrucksvolle musikalische Unterhaltung an dem Abend sorgte Rene Rooimans an der Hammond-Orgel. Foto: aklü

Die klassische Moderne begann in den 1920er Jahren. Mit dem Bauhaus etablierte sich die Architektur der neuen Sachlichkeit. 1919 in Weimar gegründet und ab 1925 in Dessau angesiedelt, war das Bauhaus die einflussreichste Schule für Gestaltung Deutschlands, bis sie von den Nazis 1933 verboten wurde. Unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Kultur“ hatten das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und die Gemeinde Worpswede am vergangenen Sonntag zum Tag des offenen Denkmals geladen, der ganz im Zeichen des 100-jährigen Jubiläums der Bauhausgründung stand.
Das Jubiläum nahm das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege zum Anlass die erwachende Moderne im Land Niedersachsen zu betrachten - ist doch Walter Gropius` Fagus-Werk in Alfeld von 1911 der Schlüsselbau der frühen Moderne. Das Bauhaus vor dem Bauhaus, wie es Frau Doktor Annette Schwandner, Abteilungsleiterin Kultur im Niedersächsischen Ministerium Wissenschaft und Kultur in ihrer Begrüßungsrede vor Vertretern und Vertreterinnen des Landes, des Landkreises, der Gemeinde, den geladenen Gästen und zahlreichen Besuchern beschrieb. Sie hob die Bedeutung des Fagus-Werks als ersten Industriebau der Moderne hervor, das mittlerweile von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Außerdem erwähnte sie die zahlreichen Jahrestage 2019, angefangen mit dem Bauhausjubiläum, einhundert Jahre Weimarer Reichsverfassung, 80 Jahre nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, 75 Jahre 20. Juli 1944, 70 Jahre nach Gründung des Grundgesetzes, 30 Jahre nach dem Mauerfall und würdigte das Bauhaus als einflussreichste Institution für die Entwicklung der Architektur. Auf welcher Grundlage bauten Walter Gropius und die Künstler der Moderne und wo finden wir in Niedersachsen Zeugnisse dieser facettenreichen Entwicklung? In der Zeit des Umbruchs wirkten viele namhafte Architekten in Niedersachsen, die als kreative Wegbegleiter der modernen Architektur des 20. Jahrhunderts galten. Zu ihnen gehörte auch Bruno Taut, nach dessen Plänen der Schriftsteller Edwin Koenemann die Worpsweder Käseglocke als Wohnhaus für sich und seine Frau Editha erbaute. Viele der Gebäude jener Zeit besitzen bis heute einen hohen Stellenwert. Bundesweit sind am Tag des offenen Denkmals etwa 8.000 Bauten frei zugänglich.
 
Hohe Besuchszahlen
Landrat Bernd Lütjen jonglierte mit den hohen Besucherzahlen in den vergangenen Jahren. Allein in Niedersachsen wurden mehrere 100.000 Besucher gezählt. Darüber hinaus wies er ausdrücklich auf den Bekanntheitsgrad des Künstlerdorfes Worpswede deutschland- und europaweit hin. Dabei warnte er vor dem Stillstand Worpswedes als Museumsdorf und ermutigte weiterhin Interessantes und Neues einfließen zu lassen. Friedrich-Karl Schröder vertrat am Sonntag den Worpsweder Bürgermeister und erfreute mit seinen plattdeutschen Einlagen. Er hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für das Findorffjahr 2020 anlässlich des 300. Geburtstages des Moorkolonisators Jürgen Christian Findorff, der die Region maßgeblich prägte. Bauhaus sei nicht jedem geläufig und nicht zuletzt erinnerte Schröder an das liebe Geld. „Denkmal erhalten sei teuer!“
 
Podiumsgespräch
Es folgte das Podiumsgespräch zum Thema des Tages, moderiert von dem Bremer Kunstkritiker und Kulturjournalisten Dr. Rainer Beßling. Auf dem Podium agierten Frau Dr. Christina Kraftszyk, Präsidentin Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Rainer Stamm, Direktor Niedersächsischer Landesmuseum für Kunst und Kultur, Dr. Hans-Eckhard Dannenberg, Geschäftsführer Landschaftsverband Stade und Katharina Ritter, Künstlerische Leiterin Künstlerhäuser Worpswede e.V. im Wesentlichen zu der Fragestellung der Gründerzeit, wie wollen wir leben und wohnen? Inwieweit prägt die Moderne unsere Wirklichkeit? Lassen sich Lösungsansätze für die Gegenwart entwickeln?
Die Beiträge zeigten Eigenschaften, aber auch Widersprüchlichkeiten der Wirkungsgeschichte des Bauhauses auf und führten sukzessive in die Region. Besonders in Worpswede zeige sich das Bauhaus Konzept, Künstler und Handwerker zusammenzubringen. Exemplarisch dafür wurde das Wirken Heinrich Voglers mit seinen Werkstätten für Alltagsmöbel benannt neben weiteren namhaften Künstlern.
 
Worpswede ein Weltdorf
Der heutige Tag soll Bauwerke öffnen, sichtbar machen, schützen und erhalten unabhängig vom Label. Katharina Ritter sprach sich dafür aus, kulturelles Erbe nicht nur zu erhalten und zu pflegen, sondern für die Jetztzeit zu nutzen und unterschiedlichen Generationen zugänglich zu machen. Worpswede sei längst ein Weltdorf. Dieses müsse in der Weiterentwicklung des Ortes viel mehr Beachtung finden, damit es für die Zukunft besser aufgestellt sei.
Die musikalische Umrahmung während der knapp eineinhalbstündigen Eröffnungsfeier war dem Orgelbauer Arp Schnitger gewidmet, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 300. Mal jährt, und wurde von Rene`Rooimans an der Hammond-Orgel präsentiert, der statt der erwarteten Klassik interessanterweise auch jazzige Musikstücke darbot.
In einem Tagesprogramm wurde interessierten Besuchern Gelegenheit gegeben, sich in der Ausstellung „Auf dem Weg zum Bauhaus“ und am Informationsstand des Netzwerkes Baukultur in Niedersachsen e.V. umfassend zu informieren. Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege präsentierte im obersten Stockwerk des Rathauses Baudenkmale vom 19. Jahrhundert bis zum Beginn der 1930iger Jahre, als mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten die Entwicklung der Moderne eine neue Wende nahm.


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