Patrick Viol

Suche nach dem Sinn des Lebens -  „Plattmüüs“ zeigen Festival-Beitrag „Nix! Wat wichtig is in’t Leven“

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Der Berg der Bedeutung wächst, selbst der exhumierte Sarg des vermissten toten Bruders des einen, bedeutet dem anderen nichts. Die TiO-Theaterjugend spielt ein aufwühlendes Stück.   Foto: ek

Der Berg der Bedeutung wächst, selbst der exhumierte Sarg des vermissten toten Bruders des einen, bedeutet dem anderen nichts. Die TiO-Theaterjugend spielt ein aufwühlendes Stück. Foto: ek

Osterholz-Scharmbeck (ek). Das Niederdeutsche Jugendtheaterfestival steht vom 21. bis zum 23. Juni auf dem Programm im Varel, und alle Jugendtheatergruppen des Niederdeutschen Bühnenbundes Niedersachsen und Bremen e.V. waren aufgerufen, sich mit einem kurzen Stück zu beteiligen. Natürlich sind die Plattmüüs des TiO dabei.
Die Theatergruppe entschied sich in einem „demokratischen Prozess“, wie es Regisseur Kian Pourian beschrieb, für ein nicht gerade lustiges Stück: „Nix! Wat wichtig is in’t Leven“ stammt im Original von der dänischen Autorin Janne Teller. Die Theaterversion von Damien und Sandra Revol erfuhr eine sehr freie Bearbeitung und eine Übersetzung des TiO-Mitglieds Carsten Mehrtens ins Plattdeutsche. Man kann das anspruchsvolle Stück zur Premiere im heimischen Gut Sandbeck anschauen, am Mittwoch, 19. Juni um 19.30 Uhr. Danach wird es erst mal exportiert nach Varel, denn am Samstag, 22. Juni, wird es von den Plattmüüs in der Aula im Schulzentrum in Varel vor den schätzungsweise 150 jungen Schauspielkollegen der Region gezeigt (um 20.45 Uhr).
Rückzug auf einen Baum
Die Geschichte des Schülers der siebten Klasse Pierre Anton, der die Überzeugung entwickelt hat, dass nichts im Leben von Bedeutung ist und der sang- und klanglos die Klasse verlässt, um sich auf einen Pflaumenbaum zurückzuziehen, wird von seinen Mitschülern in Rückblenden erzählt. Ihr Versuch, ihn von der Bedeutung ihrer für sie so wichtigen Dinge wie ihre Lieblingsbücher, ihren Fußball oder ihr Kuscheltier zu überzeugen, scheitert. Ihre „Opfer“, die förmlich zu einem „Berg der Bedeutung“ wachsen, werden immer spektakulärer und für die Mitschüler immer brutaler. Nach dem Gebetsteppich des muslimischen Mitschülers, den abgeschnittenen blauen Haaren der Mitschülerin oder nach dem Lieblingshamster, ist es der exhumierte Sarg des verstorbenen jüngeren Bruders eines anderen Klassenkameraden, der die Polizei und die Presseöffentlichkeit auf den Plan ruft. Was die Welt aus dem Berg der Bedeutung auch macht - Pierre Anton lässt es kalt, bis die Situation unter den jungen Leuten gänzlich eskaliert.
Bewegendes Stück
Den Schauspielern zwischen elf und 20 Jahren hat die Stückauswahl sehr zugesagt. „Der Sinn des Lebens, das ist auch, was mich beschäftigt“, sagt Julia. Denise, die in ihrer vorigen Schule Mobbing am eigenen Leib erfuhr, konnte in diesem Stück spielerisch die andere Seite des Mobbings erfahren. „Das hat mir die Augen geöffnet“, sagt sie. Ein für andere banales Buch oder ein Spielzeug zu opfern, sei für Einzelne eine echte Überwindung gewesen, beobachtet Paula: „Was im Leben wichtig ist, wird so besonders klar“, findet sie. Und zu sehen, wie schnell sich eine Gruppendynamik in eine Gewaltspirale steigern kann, das hat Tjark sehr beschäftigt.
Und dann einer Macht einer Gruppe gegenüberzustehen: „Das können manche Leute nicht verstehen, wie es sich anfühlt, ausgegrenzt zu werden“, bedauert Tetje. Die Dinge der Bedeutung seien im Buch unheimlich krass dargestellt. „Das haben wir im Hinblick auf unsere jüngeren Zuschauer und Mitspieler schon entschärft“, sagt Regisseur Pourian. „Man muss es vielleicht so weit steigern, bis der Mensch das realisiert“, sinniert Julia weiter.
Die Vorstellungen
Dieses in jeder Hinsicht interessante Theater-Mikrostück wird als Ensemblestück gezeigt: „Die Erzähler springen in konkrete Rollen und zurück“, sagt der Regisseur. Trotz gewissem Platz für komische Momente bliebe es eindeutig ein Stück zum Nachdenken. Der Metallica-Song „Nothing else matters“ spielt hier ebenfalls eine wichtige Rolle. Wer sehen möchte, was die jungen Leute um uns herum bewegt und beschäftigt, hat dazu Gelegenheit am Mittwoch, 19. Juni um 19.30 Uhr im Gut Sandbeck. Weitere Vorstellungen sind geplant am Montag, 24. Juni um 18 Uhr in der IGS Buschhausen und am Mittwoch, 26. Juni um 19.30 Uhr noch einmal auf Gut Sandbeck.



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