Monika Ruddek

„Der Brexit ist ein historischer Fehler“ - Podiumsdiskussion mit David McAllister zur Zukunft der EU

Lilienthal. Nicht zum ersten Mal kritisierte der Europa-Abgeordnete David McAllister (CDU) auf einer Podiumsdiskussion den Austritt Großbritanniens aus der EU mit deutlichen Worten. Martina Michelsen, Leiterin der VHS Lilienthal-Grasberg-Ritterhude-Worpswede, hatte den Leiter des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, David McAllister, im Rahmen des Semesterthemas „Europa“ zur Diskussion in das Kulturzentrum Lilienthals eingeladen.
„Der Brexit ist und bleibt für mich ein historischer Fehler“, antwortete er auf eine gezielte Frage des Moderators der Diskussionsrunde, den ehemaligen ARD-Korrespondenten und Journalisten Hermann Vinke. „Ich vergleiche den Brexit immer mit einer Scheidung. Wir haben nicht darum gebeten“, betonte McAllister. Die negativen Auswirkungen des Brexit für die EU-Bürger und vor allem für die Briten selbst seien möglichst gering zu halten. Die rote Linie, die das Vereinigte Königreich gezogen habe, müsse akzeptiert werden, denn Großbritannien bleibe einer der wichtigsten Handelspartner. Trotzdem sei aber das Dilemma, dass das Vereinigte Königreich nach dem Brexit nicht mehr an gemeinsamen Entscheidungen der EU beteiligt sei. Europa sei die Idee einer Gemeinschaft, die zusammenarbeitet und Entscheidungen gemeinsam trage. Deshalb solle man „nicht zu garstig sein“ und Großbritannien auch weiterhin die Tür nach Brüssel offenhalten. Sollten die Briten in die EU zurückkehren wollen, so müssten sie sich allerdings an die Brüsseler „Hausordnung“ halten.
Wie beurteilen eigentlich junge Menschen den Brexit? Diese Frage richtete Moderator Hermann Vinke direkt an Laura Wanner von den Jungen Europäischen Föderalisten. Viele junge Briten würden inzwischen bereuen, dass sie nicht zur Wahlurne gegangen seien, um gegen den Austritt Großbritanniens zu stimmen. Was wieder einmal zeige, wie wichtig es sei, zur Wahl zu gehen. „Die meisten jungen Leute sehen ihre persönlichen Chancen gerade in der EU“, so Wanner. Offene Grenzen, die freie Wahl des Studienplatzes im europäischen Ausland oder auch der freie Zugang zu einem Arbeitsmarkt über die Grenzen des eigenen Landes hinaus, sei das, was die junge Generation wolle. „Wir müssen uns immer wieder für das Europa einsetzen, das wir wollen“, betonte Laura Wanner und appellierte mit dieser Aussage an junge und ältere Menschen zugleich, sich mehr für Politik und vor allem für Europapolitik zu interessieren. Auch bei der bevorstehenden Europawahl gehe es darum, eine hohe Wahlbeteiligung zu erreichen, um die Weiterentwicklung der EU zu fördern.
Etwas Gutes hätten die Verhandlungen zum Brexit laut Christoph Pohlmann, Leiter der Abteilung Europa im Ministerium für Bundes- und Europa-Angelegenheiten allerdings gehabt. Die Zustimmung zur EU und ihre Wertschätzung seien seit dem Austrittsreferendum im Juni 2016 gestiegen. Dies bedeute auch, dass das Bewusstsein für die Vorteile einer EU-Mitgliedschaft vorhanden sei. Allerdings würden die Leute auch Problemlösungen erwarten, so beispielsweise bei Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes, der Einwanderung oder der Arbeitslosigkeit.



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