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Trauriges Bild für Industriestandort

Bremervörde. Die Initiative für einen ökologischen, nachhaltigen Personen- und Güterverkehr wendet sich mit einem offenen Brief an Ministerpräsident Weil, der am 24. August in Bremerväörde die Wasserstoffzüge iLint den Elbe-Weser-Verkehrsbetrieben (EVB) übergibt.
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Mehr als acht Jahre sind vergangen, ohne dass die von der EU mitfinanzierte Ertüchtigung der Strecke Bremerhaven - Bremervörde - Rotenburg für den Güterverkehr abgeschlossen wurde.

Mehr als acht Jahre sind vergangen, ohne dass die von der EU mitfinanzierte Ertüchtigung der Strecke Bremerhaven - Bremervörde - Rotenburg für den Güterverkehr abgeschlossen wurde.

Foto: Manfred Schuster

„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
wie wir der örtlichen Presse entnehmen konnten, werden in der kommenden Woche, am 24. August die Wasserstoffzüge iLint von Ihnen im Namen der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) den Elbe-Weser-Verkehrsbetrieben (EVB) für den Betrieb übergeben.
Wir von der Initiative für einen ökologischen, nachhaltigen Personen- und Güterverkehr freuen uns sehr auf diesen Termin, zeigt er doch, dass das Land Niedersachsen innovativ einen Schritt für einen klimaschonenden Verkehr in die richtige Richtung macht.
In der derzeitigen ersten Projektphase muss der Wasserstoff (grauer Wasserstoff!) noch „mit zwei Lkw pro Tag nach Bremervörde gefahren werden“. Wenn dann aber, wie 2018 angekündigt, „in der nächsten Projektstufe mit einer Elektrolyse-Anlage auf dem Gelände der EVB-Tankstelle an der Umgehungsstraße der Wasserstoff in Bremervörde direkt produziert werden wird“, können ab dieser Projektphase die 14 Coradia-iLint-Züge ohne Schadstoffe mit vollends „grünem Wasserstoff“ betrieben werden - mit einer nahezu emissionsfreien Umweltbilanz. Das wird möglich, da über das Gelände auch eine 20000-Volt-Leitung eines Windenergiebetreibers führt.
Leider fällt ein Schatten auf diesen Termin, da der Eisenbahnverkehr, besonders auch bei der EVB, in der Vergangenheit von der Landesregierung eher stiefmütterlich behandelt worden ist.
Im Koalitionsvertrag der damaligen rot-grünen Koalition war zu lesen, dass sie „das Ziel (verfolgt), Güterverkehr von der Straße auf die Schiene und die Binnenwasserstraßen zu verlagern. Dazu ist es zunächst dringend erforderlich, die Schienenstrecken für den Hafenhinterlandverkehr auszubauen.“ Man wusste, wie wichtig die Seehäfen für die Exportnation Deutschland waren und sind.
Ein Eisenbahnunfall im Bremer Hauptbahnhof im Februar 2013 war der Anlass für eine hochkarätig besetzte Bereisung auf der EVB-Strecke zwischen Bremerhaven und Rotenburg am 23.6.2014. Unisono war die Forderung der teilnehmenden Personen, darunter auch der ehemalige Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen, der damalige Staatssekretär Enak Ferlemann, der damalige EVB-Geschäftsführer Wolfgang Birlin und Ulrich Bischoping (Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn AG), dass die EVB-Strecke von Bremerhaven über Bremervörde-Zeven-Rotenburg und dann direkt über eine Kurve in die Südtrasse über Verden Richtung Hannover wichtig sei für die Hinterlandanbindung der Seehäfen Bremerhaven und Cuxhaven. Gleichzeitig diene sie als Bypass zur Entlastung des Bremer Bahnhofs.
In der Bremervörder Zeitung vom 24.6.2014 „Bald 40 EVB-Güterzüge täglich? - Güter aus den norddeutschen Häfen sollen verstärkt die EVB-Gleise nutzen - Studie zur Nutzung der EVB-Strecke geplant“ wird Jens Böhrnsen mit den Worten zitiert: „Die Länder Bremen und Niedersachsen haben ein hohes Interesse, die EVB-Strecken in ihrer Kapazität zu steigern, weil sie wirtschaftlich interessante Varianten bieten.“
Nach diesem Termin ging es dann insofern zügig weiter, als zur Erstellung dieser Studie das Unternehmen Railistics GmbH mit dem vielversprechenden Untertitel Schienenverkehr ist unsere Leidenschaft beauftragt wurde.
Erstellt wurde das Gutachten laut railistics für das Niedersächsisches Ministerium für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr, Friedrichswall 1, 30001 Hannover und liegt dort seit Dezember 2015 vor.
Unserer Initiative liegt das Gutachten seit 2016 vor. In ihm wird detailliert dargelegt, welche Ausbaumaßnahmen zu tätigen sind, damit diese Trasse vollumfänglich den Anforderungen des Hafenhinterlandverkehrs gerecht wird.
Besonders herausragend sind die Elektrifizierung und eine Kurve bei Rotenburg, damit die Züge dort „nicht Kopf machen“ müssen, was mit anderen Worten bedeutet, dass die Lokomotiven nicht umgespannt werden müsse, da die derzeit vorgegebene Richtung nach Hamburg führt.
So heißt es in der Studie unter „8.1.2. Künftige Maßnahmen: Die Ergebnisse der Interviews zeigten, dass neben dem derzeit noch abweichenden Betriebsverfahren das Fehlen einer Elektrifizierung der evb-Infrastruktur ein Hauptgrund für dessen mangelnde Auslastung ist. Der Infrastrukturbereich der evb und die Autoren der vorliegenden Studie kamen unabhängig voneinander zu dem Ergebnis, dass abweichend von den Ansätzen und Berechnungsverfahren des Bundesverkehrswegeplans eine Elektrifizierung der evb-Strecke mit einer Fahrleitung der Bauart Re 100 (zugelassen für 100 km/h) ausreichend ist. Die Kosten wurden auf unterschiedliche Arten geschätzt (evb aus Erfahrungswerten anderer NE-Bahnen, Railistics aus Erfahrungswerten von Fahrleitungsbaufirmen) und liegen mit Werten zwischen 45 und 50 Mio. Euro in einer für diese Näherungsstufe akzeptablen Spannweite“ (railistics, Seite 62).
Uns ist nicht begreiflich, warum seit 2016 keine Anstrengungen dahin gehend unternommen wurden, dass eventuell nötige Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben oder zumindest angekündigt wurden.
So wichtig „Wasserstoff-Events“ sind, ist es doch ein trauriges Bild für einen Industriestandort, dass acht und mehr Jahre vergehen, ohne dass die von der EU mitfinanzierte Ertüchtigung der Strecke Bremerhaven - Bremervörde - Rotenburg für den Güterverkehr immer noch nicht abgeschlossen ist. Schließlich sind es Steuermittel, die bisher dafür verwendet wurden.
Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass das Projekt endlich zum Abschluss kommt.
Freundliche Grüße,
Manfred Schuster“


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