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Volksbank schließt Geschäftsstellen - Kirchwistedt, Frelsdorf und Bokel betroffen

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Volksbank schließt Geschäftsstellen
Kirchwistedt, Frelsdorf und Bokel betroffen
von Käte Heins
Frelsdorf/Kirchwistedt. „Einer für alle - alle für einen“. Dieses Zitat von Friedrich Wilhelm Raiffeisen stand seit Jahrzehnten für Verlässlichkeit und Vertrauen. Die Gründung von Genossenschaftsbanken, die zu einem lebenswerten Gemeinwesen beitragen sollten, war eine Idee von Raiffeisen, einer der Gründungsväter der Volks- und Raiffeisenbanken.
Am 20. Februar 1919 wurde die Spar- und Dahrlehnskasse in Kirchwistedt gegründet. Bis 1952 wurden die Bankgeschäfte und der Warenverkehr, bis zum Neubau der Spar- und Dahrlehnskasse und der jetzigen RaiffeisenWarengenossenschaft, in Räumen des Landgasthofes Oerding abgewickelt. Die Schließung ihrer jetzigen Geschäftsstelle wollten die Kirchwistedter nicht so einfach hinnehmen. Es gab einige heftige Diskussionen und eine Unterschriftenaktion - allerdings ohne Erfolg.
Am 28. Dezember hieß es Abschied nehmen von ihrer geliebten Volksbank. Elke Dammann hat über 36 Jahre in Kirchwistedt am Schalter gesessen. Mit Kaffee, Sekt und Butterkuchen wollte sie sich bei ihren Kunden bedanken. Über 100 Besucher strömten am letzten Tag in die Volksbankfiliale, um sich bei „ihrer Elke“ zu bedanken. „Elke hat sich immer für uns abgemüht“, erzählt Bärbel Opitz. Dafür wollte sie sich noch einmal mit einem Geschenk bedanken.
Die Stimmung war aufgeheizt. Christa Pott hat das Gefühl, dass ihnen hier in Kirchwistedt etwas Wichtiges genommen wird. „Warum haben Sie uns das hundertjährige Jubiläum nicht mehr gegönnt“, fragte Adele Rademacher (86) Vorstandsmitglied Uwe Kordes, der kurz vor Kassenschluss vorbeigekommen war und einige unangenehme Fragen über sich ergehen lassen musste. „Das Geschäftsstellen geschlossen werden, sind Entwicklungen, die sich keiner wünscht“, antwortete Kordes. „Aber bei dem Zinsniveau hat man keine Alternative. Einen Geldautomaten in den zukünftigen Geschäftsräumen der RWG zu belassen, lehnte Cordes ab. Das Risiko des Vandalismus sei einfach zu groß.
Der Vorstandsvorsitzende machte die Besucher auf das neue Angebot der Volksbank „Team-Direkt“ aufmerksam, wo Bankgeschäfte bequem von zu Hause erledigt werden können. Manfred Schnieder ( 78), ehemaliger Zweigstellenleiter der Frelsdorfer Geschäftsstelle, hält dieses Angebot für eine gute Lösung. Bis ins hohe Alter selbstständig und per Telefon seine Bankgeschäfte zu regeln. Schneider hat in den 50er Jahren eine Lehre absolviert und von der Pike auf gelernt, was zum Bank- und Warenverkehr der damaligen Spar- und Dahrlehnskasse gehörte.
Auch in Frelsdorf blickt man auf eine fast hundertjährige Tradition der Spar- und Dahrlehnskasse zurück. Angefangen hatte alles in einem Hinterzimmer der Familie Grafelmann. Manfred Schneider hat während seiner 42-jährigen Tätigkeit in Frelsdorf viele Veränderungen miterlebt. In den 50er Jahren den Neubau des Kassengebäudes und des danebenliegenden Lagerschuppens. „Zeitweise waren wir mit vier Mitarbeitern im Kassenraum“, erzählt Schneider. Draußen am Lagerschuppen traf man sich zu Klönschnack.
Es gab immer wieder Veränderungen. Aus der Spar- und Dahrlehnskasse wurde die Volksbank. In den 70er Jahren wurden die Geschäftsstellen Frelsdorf, Appeln und Wollingst zusammengelegt. Danach erfolgten weitere Verschmelzungen mit der Volksbank Schiffdorf-Wehdel, Bad Bederkesa, Beverstedt. Nach der großen Fusion am 1. Januar 2017 zur Volksbank Bremerhaven-Cuxland wurden bereits mehrere Filialen geschlossen oder eigene Immobilien der Volksbank verkauft. So auch in Frelsdorf.
In Frelsdorf verlief der letzte Tag vor der Schließung ruhig und besinnlich ab. „Wir waren ja schon seit Monaten darauf vorbereitet“, betont Barbara Wolfram. „Ich werde in Zukunft meine Bankgeschäfte in Beverstedt oder Köhlen erledigen.“ Ortsvorsteher Gerhard Hillmann (CDU) bedauert allerdings sehr, dass immer mehr soziale Kontakte verloren gehen.



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