Mareike Kerouche

„Ehrliches Lob hat noch nie geschadet“ - Marieluise Bierbaum sprach über die femininen Strukturen einer Familie

Hollnseth. Traditionell mit einer gemütlichen Frühstücksrunde eröffnete der Landfrauenverein Börde Lamstedt sein Jahresprogramm 2019. Nach den Gaumenfreuden in Wallers Gasthaus durchleuchtete Marieluise Bierbaum (Bremen) unter dem Motto „Mütter, Schwiegermütter und Großmütter - eine nicht immer leichte Beziehung“ vor rund 100 Zuhörerinnen die femininen Strukturen der deutschen Familien.
Als Tochter, Mutter, Schwiegertochter und Schwiegermutter verfügt die 71-jährige pensionierte Realschullehrerin mit landwirtschaftlichen Wurzeln über reichlich Lebenserfahrung. „Die familiären Beziehungen sind wunderbar. Sie können aber außer Kontrolle geraten.“ Sie erinnerte an die Zeit, als sie ihre kranke Mutter zu sich aufnahm und ihre Tochter noch im Haus lebte. „Ich stand zwischen einer starken Mutter und einer starken Tochter.“ Eine Situation, die Stress und manches Missverständnis geradezu provozierte. In der letzten Phase erlebe man Macht und Ohnmacht.
Ein Kind zu bekommen, so Bierbaum, sei eine Gabe und Aufgabe, die viel Kraft koste. So seien Mütter von kleinen Kindern oft am Ende ihrer Kräfte. Mit Erreichen der Teenagerphase würden die Probleme sich verstärken. „Spätestens dann müssen wir unsere Kinder loslassen, nicht festhalten und nicht kontrollieren.“ Mütter von erwachsenen Kindern sollten Abstand wahren und sich nicht einmischen. „Sie sollten ein eigenes Leben aufbauen, damit die Beziehung zur Tochter auf Dauer beständig bleibt.“
Ganz anders stelle sich das Verhältnis zur Schwiegertochter dar. Nicht von ungefähr stehe es mit dem Schwiegermutter-Image nicht zum Besten. „Als Schwiegermutter wird man nicht geboren. Die Beziehungen beginnen erst im Erwachsenenalter. Sie fangen bei null an“, betonte die Pfarrersfrau. Es gelte, einen neuen Menschen in die Familie aufzunehmen und das „ohne Vorbehalte und Bedingungen.“ Gleichzeitig sollte sich die Schwiegermutter von Hoffnungen und Erwartungen verabschieden. „Eifersucht und Konkurrenzdenken oder der Vergleich mit der eigenen Familie (bei uns macht man das anders) sind fehl am Platze.“ Und an beide Seiten gerichtet: „Ein ehrliches Lob hat noch nie geschadet.“
Abschließend widmete sich die Referentin den Großmüttern. „Auf Großmütter zu verzichten, kann sich keine Gesellschaft leisten.“ Ob Strickstrumpfoma oder Kreuzfahrertyp: Großmütter haben Zeit, sind lieb und können Geschichten erzählen. Das gelte besonders für die „Superoma“, die immer für ihre Enkel da ist, über Geld für Geschenke verfügt und alles richtig macht. Die „Tagesoma“ erspart die fremde Person im Haushalt. Vor allem alleinerziehende Mütter freuen sich über die „Leihoma“. Über Skype wird mit der „Oma in der Ferne“ korrespondiert, während die „Patchworkoma“ oft vor Problemen steht.



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